Facebook macht Nutzer zu Werbeträgern

Unternehmen können Check-ins via Places und "Likes" als Anzeigen buchen. Die Status-Updates tauchen dann als separate "Sponsored Stories" auf den Seiten aller Freunde auf. Das Einverständnis seiner Mitglieder holt Facebook nicht ein.

Facebook bietet Werbekunden in den USA ab sofort eine neue Werbeform an: Mit „Sponsored Stories“ werden Nutzer ungefragt und unbezahlt zu Testimonials. Das Prinzip erläutert Facebook in einem Video.

Wer über Places seinen Standort übermittelt oder etwas per „Like“-Button markiert, könnte unverhofft als Anzeige auf den Seiten seiner Freunde auftauchen. Tätig werden müssen nur die „beworbenen“ Unternehmen – ein Einverständnis der Nutzer holt Facebook freilich nicht ein.

Eine Kaffeehauskette kann beispielsweise alle Check-ins in ihre Filialen bewerben. Nutzer, die via Places mitteilen, dass sie sich gerade in einem der Cafés dieser Kette befinden, tauchen mit ihrem Posting dann als „Sponsored Story“ in einem separaten Infokasten auf den Seiten ihrer Facebook-Freunde auf, anstatt im Newsfeed unterzugehen.

Facebook verkauft die neue Werbeform im PR-Video als Dienst am Kunden: Schließlich freue sich jeder über Informationen und Tipps von Menschen, denen man vertraue. Im Grunde genommen vermarkte man nur Mund-zu-Mund-Propaganda. Auch bekämen nur die eigenen Facebook-Freunde die Werbung zu sehen. In ersten Tests hätten die „Sponsored Stories“ Marken einen Auftrieb verpasst, insbesondere beim Anzeigenrücklauf und hinsichtlich der Zahl der Weiterempfehlungen.

Richtig ist, dass die Information „Ich befinde mich gerade im Café XY“ ohnehin im Newsfeed zu lesen wäre. Gerade Statusmeldungen gehen aufgrund der Fülle der Informationen jedoch oft unter. Spiegel Online wirft jedoch folgende Frage auf: Was würde passieren, besuchte man den Shop eines Anbieters von Inkontinenz-Windeln oder Sado-Maso-Spielzeug? Es seien etliche Kontexte denkbar, in denen ein Facebook-Nutzer es durchaus nicht gern sehen könnte, für Werbung instrumentalisiert zu werden.

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3 Kommentare zu Facebook macht Nutzer zu Werbeträgern

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  • Am 27. Januar 2011 um 0:02 von Mr East

    Places
    Wer veröffentlicht schon den Besuch in einem Sado Maso Studio in Facebook? Das macht das Ganze nicht besser aber die Beispiele sind schon SEHR an den Haaren herbei gezogen…

  • Am 27. Januar 2011 um 2:02 von Simon

    Inkontinenzwindeln?
    Ich weiß ja nicht, aber ich glaube, ich würde nicht in einen Inkontinenzwindelladen oder Sexshop einchecken – nur so ein Gedanke.

  • Am 27. Januar 2011 um 6:04 von SJ

    Wirklich schlüssiges Argument…
    „Was würde passieren, besuchte man den Shop eines Anbieters von Inkontinenz-Windeln oder Sado-Maso-Spielzeug?“
    Gegenfrage:
    Wer würde das denn dort veröffentlichen, wenn er/sie nicht will, dass es jemand sieht?
    Ich meine, ob das nun an exponierter Stelle steht oder im normalen Feed: Veröffentlicht ist es so oder so. Und das explizit durch den Benutzer. Und das explizit, damit es Freunde lesen.

    Deshalb ist dieses Argument mehr als an den Haaren herbeigezogen…

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