Studie: US-Behörden geben jährlich 36 Milliarden Dollar für veraltete IT aus

47 Prozent aller Applikationen basieren auf Legacy-Hardware. 80 Prozent der IT-Leiter sehen das als Gefahr für das Funktionieren der Verwaltung an. Nur ein Drittel will eine Modernisierung als "höchste Priorität" der eigenen Behörde bezeichnen.

Weißes Haus

Amerikanische Behörden geben fast die Hälfte ihres IT-Budgets, 35,7 Milliarden Dollar (26,5 Milliarden Euro), für den Support und die Pflege veralteter Applikationen aus. Das ist das Ergebnis einer Studie von MeriTalk und dem Unisys Center for Innovation in Government. Vier von fünf leitenden Beamten erklärten in der Studie, dass die veralteten Anwendungen eine Gefahr für das Funktionieren der Verwaltung darstellten. Aber nur ein Drittel der Befragten sagte, dass eine Modernisierung höchste Priorität in ihrer Behörde habe.

Für die Studie befragten die Autoren Brad Bass und Mary Tobin 166 IT-Leiter. 51 Prozent der Studienteilnehmer kommen aus zivilen Behörden, 49 Prozent gehören militärischen Einrichtungen oder Nachrichtendiensten an. Nach deren Angaben werden 46 Prozent des Budgets in alte Applikationen gesteckt. Wendet man diese Zahl auf das staatliche IT-Budget von 77,5 Milliarden Dollar (57,5 Milliarden Dollar) an, erhält man die in der Studie genannten Ausgaben von 35,7 Milliarden Dollar.

Etwa die Hälfte aller IT-Applikationen, nämlich 47 Prozent, basieren laut Studie auf alten IT-Lösungen, die dringend modernisiert werden müssten. Die Hälfte der Studienteilnehmer sagen, dass sie bei dieser Modernisierung noch in einem sehr frühen Stadium seien. Zum größten Teil sei man noch bei der Identifizierung der veralteten Applikationen oder plane die Implementierung der neuen Anwendungen.

Es gibt offensichtlich auch große Kommunikationsprobleme zwischen den Behördenleitern und den ausführenden IT-Verantwortlichen. Die Studie hat herausgefunden, dass die Hälfte der IT-Leiter in der höchsten Führungsetage glauben, dass ihre Behörde eine Modernisierungsstrategie habe. Weiter unten in der Hierarchie sind es nur noch ein Drittel der IT-Leiter.

Ein weiteres Problem der Behörden ist, dass es für eine Aufgabe oder einen Prozess häufig mehrere Applikationen gibt. Diese Redundanz ist besonders in den Gebieten IT-Governance, Risikomanagement, Dokumenten- und Content-Management und bei Systemen zur Steuerung von Geschäftsprozessen zu bemerken.

Kaum überraschend erscheint in diesem Kontext, dass das Geld ein weiteres Problem der staatlichen IT-Abteilungen ist. 65 Prozent der Befragten sagten, dass sie für die Modernisierung mehr Geld benötigten, 44 Prozent fehlte es an Personal.

Obwohl die Modernisierung für alle Studienteilnehmer höchste Priorität im Hinblick auf die Kapitalrendite hat, sehen sie nur auf einem Gebiet wirkliche Fortschritte: bei der Steuerung von Geschäftsprozessen. Nach ihren Angaben geht es vor allem auf den Gebieten des Identitätsmanagement über Behördengrenzen hinweg (Federated Identitymanagement), bei der Steuerung von Geschäftsprozessen, bei geografischen Informationssystemen und auf dem Gebiet der serviceorientierten Architektur (SOA) voran.

Hier setzen auch die Empfehlungen der Studie an: Man solle die Modernisierung mit SOA vorantreiben. Dieser Ansatz „fördert Innovationen und kontinuierliche Verbesserungen. Dadurch werden die Mittel weg von der Entwicklung neuer Software, die teilweise oder komplett redundant ist, hin zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Behörde verlagert. Man muss schrittweise modernisieren – wobei man mehr Wert auf Wiederverwertbarkeit als auf neueste Technik legen sollte – und gemeinsame Dienste für die Aufgaben entwickeln, bei denen die gemeinsame Nutzung Vorteile bringt und von den Benutzern geschätzt wird.“

Themenseiten: Business, Business Intelligence, Marktforschung, Rechenzentrum, SOA, Studie

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