Rainbow Tables: Windows-Passwörter nicht mehr sicher

Mit bis zu einigen Terabyte großen Regenbogen-Tabellen aus dem Internet lassen sich Kennwörter von Windows knacken. Hackern reichen etwa 10 GByte Daten, um die Sicherheit zu gefährden. ZDNet erläutert, wie das funktioniert.

Mit guten Rainbow-Tabellen (PDF) lassen sich Passwörter mit relativ geringem Rechenaufwand knacken, die mittels eines Hashwertes ohne Salt gespeichert und verglichen werden. Gefährdet durch einen solchen Angriff sind beispielsweise Windows-Rechner inklusive Active-Directory-Domänen. Davon geht eine konkrete Gefahr aus, da solche Tabellen im Internet von jedermann heruntergeladen werden können, der weiß, wie man Google benutzt.

Das Prinzip beruht auf relativ großen Datenbanken in der Größenordnung von einigen Terabyte. Noch vor wenigen Jahren wäre es für Privatpersonen nicht denkbar, mit solchen Datenmengen zu arbeiten. Heute kostet eine Festplatte mit 2 TByte nur noch etwa 80 Euro. Durch die Datenbank lässt sich der Rechenaufwand gegenüber einem Brute-Force-Angriff erheblich reduzieren. Oft dauert der Entschlüsselungsvorgang nur wenige Minuten.

Geht man einmal davon aus, dass Benutzer nur bestimmte Zeichen für ihre Passwörter verwenden, etwa Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen sowie einige Sonderzeichen, kommt man auf etwa 70 Zeichen. Bei einer Passwortlänge von maximal sechs Zeichen ergeben sich 706 = 117,6 Milliarden Möglichkeiten für verschiedene Passwörter.

Obwohl die Menge der Zeichen beschränkt ist, darf man einen Angriff mittels Rainbow-Tabellen nicht mit einem Wörterbuchangriff verwechseln. Bei letzterem geht man davon aus, dass die Nutzer nur Wörter verwenden, die tatsächlich existieren, etwa geheim. Bei einer Rainbow-Attacke können beliebige Zeichenfolgen verwendet werden, beispielsweise q1$J.v.

Eine Möglichkeit wäre es, eine vollenumerierte Datenbank zusammenzustellen, das heißt alle möglichen Kombinationen von Klartextpasswort und 128-Bit-Hashwert zu speichern. Diese Datenbank hätte eine Größe von 2,35 TByte. Wer in Besitz einer solchen Datenbank ist, könnte jedes Windows-Passwort bis einschließlich sechs Zeichen knacken.

Ist das Passwort jedoch länger als sechs Zeichen, dann steigt die Größe der Datenbank überproportional an. Bei acht Zeichen benötigt man bereits 12.583 TByte beziehungsweise 12,29 PByte (Petabyte). Das ist mit typischem Heimequipment nicht mehr zu machen.

Eine andere Möglichkeit, ein Passwort zu knacken, wäre ein Brute-Force-Angriff. Er scheitert jedoch in der Regel daran, dass man nicht genug Rechenleistung hat. Ein Angriff mit einer vollenumerierten Datenbank ist mit acht Zeichen nicht zu machen, weil die Datenbank zu groß ist.

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9 Kommentare zu Rainbow Tables: Windows-Passwörter nicht mehr sicher

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  • Am 12. Januar 2011 um 12:13 von Mike Hauser

    Interessanter Artikel
    Auch wenn ich nur 80% davon verstehe – interessanter, gut zu lesender Artikel – ich kannte die Methodik nicht und muss mir wohl jetz ein neues Passwort überlegen. :-)

  • Am 12. Januar 2011 um 14:11 von Felix

    Naja
    1) 6 zeichen lange passwoerter sind ohnehin ein Witz
    2) Man kann Windows auch so einstellen dass nach einer Reihe erfolgloser Anmeldeversuche (etwa 3) der Zugriff fuer eine Zeit (zum Beispiel 30 Minuten) gesperrt ist. (Windows Policy). Damit waere man gegen so einen Angriff ziemlich sicher …

    • Am 12. Januar 2011 um 14:27 von Christoph H. Hochstätter

      AW: Naja
      Die Verzögerung nach drei Falscheingaben greift hier nicht. Man holt sich einfach mit einem Tool wie **dump oder o**crack die Hashwerte aus der SAM. Das klappt immer beim ersten Versuch. Danach verwendet man die Rainbow-Tabellen, um aus den Hashes das Passwort zu berechnen.

      • Am 12. Januar 2011 um 15:55 von Felix

        AW: AW: Naja
        Danke fuer die Info. Das war mir nicht bekannt.

        Wie ist die Moeglichkeit das ein 14 Zeichen langes Password mit Gross/Kleinschreibung plus Sonderzeichen und Zahlen mit rainbow tables ausgelesen wird?

        • Am 12. Januar 2011 um 22:07 von yuki

          AW: AW: AW: Naja
          Na denn werde ich wohl mal den japanischen Zeichensatz installieren

  • Am 14. Januar 2011 um 16:11 von JoKrause

    Wie muss man sich das Durchprobieren der Passwörter denn vorstellen?
    Da ich absoluter Laie auf diesem Gebiet bin, die Thematik aber hochinteressant finde, eine kurze Frage:

    Wenn ein Angreifer nun eine Liste von Passwörtern zur Verfügung hat, die er durchprobieren möchte, wie geht er denn dann vor. Ich lese immer wieder von Programmen, die eine Anmeldung bei den zu knackenden Systemen vornehmen. Warum wird ein Angreifer denn nicht gezwungen, die Anmeldedaten ganz normal in die Eingabemaske einzugeben. Allein die Verzögerung, die bei der Anmeldung dann entsteht, sollte doch ein wirtschaftliches Durchprobieren der Passwörter unmöglich machen.

    Verstehe ich das also richtig, dass es neben der normalen Anmeldung auch einen Weg „hintenherum“ gibt, auf dem sich ein Angreifer bei einem System einloggen kann? Trifft das auch auf Webserver zu?

    • Am 17. Januar 2011 um 14:03 von Rainer

      AW: Wie muss man sich das Durchprobieren der Passwörter denn vorstellen?
      An normalen Home-PCs und Laptops, also Geräte zu denen man physikalischen, tatsächlichen Zugriff hat, kann die Boot-Reihenfolge geändert werden. Dann wird eben von CD oder USB-Stick ein anderes Betriebssystem geladen und das greift auf den Hash-Speicher der Windowsinstallation zu.
      Sie können ja mal den Versuch bei sich machen. Bei Sourceforge.net gibt es ein quelloffenes Programm, das hier o** … genannt wurde. Ich war erstaunt, wie fix das mit kurzen Passwörtern ging.
      „Trügerische Sicherheit“ könnte man den Windows Passwortschutz nennen. Sicher, 5 min braucht das schon und somit ist man evtl. vor neugierigen Arbeitskollegen geschützt.

      Genauso gefählich: Von öffentlichen Rechnern auf E-Mailkonten, Facebook, MySpace, … zuzugreifen. Danach sollte man gleich zu Hause das Passwort wechseln.

  • Am 13. November 2013 um 8:33 von Horst

    Zunächst einmal ist der Artikel recht informativ. Doch den Vorschlag einen Satz statt eines ordentlichen Passworts zu verwenden halte ich schon fast für kriminell!

    Es mag sein das man hier mit rainbow-Tables nicht weit kommt. Aber hier helfen dann wieder Wörterbuch-Attacken weiter indem man einfach verschiedene Wörter innerhalb der Liste zusammensetzt. Auch hier gibt es Tools die das problemlos hinkriegen.

    Die Aussage nur ein Sonderzeichen zu verwenden ist auch an fahrlässigkeit kaum zu überbieten, genau wie die Zeichenfolge 123 hinten dran zu hängen oder 001 oder was weiß ich.

    Fast genauso schlimm ist die Aussage man sollte O´s nicht durch 0en ersetzen da man diese ja vergessen könnte… Leute, das ist nicht euer Ernst?!

    Außerdem ist jeder User selber schuld der Passwörter unter einer Länge von 12 Zeichen verwendet.

  • Am 24. Februar 2016 um 10:04 von Daniel

    Sehe ich auch so.

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