Wie die IT für 2011 auch ohne Marktforscher planen kann

Prognosen gibt es viele - besonders zum Jahresende. Belastbar sind sie nur selten - und dann meist ohnehin offensichtlich. ZDNet gibt etwas andere Planungstipps für 2011 und zieht eine Bilanz einiger Prognosen für 2010.

Vorhersagen sind eine feine Sache – wenn sie denn eintreffen. Lottogewinner und Teilnehmer von WM- oder Bundesliga-Tipprunden werden das vorbehaltlos bestätigen. Anders sieht es allerdings aus, wenn sie nicht, oder nur teilweise zutreffen: Der Unterschied zwischen drei und sechs richtigen Zahlen im Lotto ist erheblich, in der Tipprunde kann ein „völlig unverdientes“ Ausgleichstor in der Verlängerung für lange Gesichter sorgen.

Dass Menschen so gerne Tippen und Vorhersagen abgeben oder anhören hat damit zu tun, dass bei den meisten von uns das Gehirn nicht wirklich gut mit Wahrscheinlichkeiten umgehen kann. Gero von Randow hat das schon 1992 in seinem Buch „Das Ziegenproblem“ auch für Nichtmathematiker anschaulich dargelegt. Er zeigt darin auch auf, warum wir es im Alltag trotzdem so gerne tun: Eine (und sei es auch nur gedachte) Formel verschafft Sicherheit – selbst wenn alle Paramater außer dem Ergebnis gröbste Schätzungen und ungewisse Annahmen sind.

Marktforschern wird oft unterstellt, sie hätten etwas mehr Einblick in die Gegebenheiten und seien deshalb in der Lage, die Parameter ihrer Formeln vielleicht etwas genauer zu schätzen. Aber selbst wenn das stimmt, so sind doch auch deren Ausgangswerte oft nur annähernd genau, wodurch kein exaktes Ergebnis erwartet werden darf. Häufig erwecken sie aber leider einen anderen Eindruck. Beispielsweise hatte sich Gartner vor kurzem zu gewagten Thesen zum Smartphone-Markt hinreißen lassen und die Marktführerschaft im Jahr 2014 alleine aufgrund von Zehntel-Prozent-Unterschieden neu definiert.

Das ist natürlich unsinnig – wird aber vorm Markt immer wieder gerne geglaubt und aufgegriffen. Warum? Ganz einfach, weil es deutlich nachdrücklicher wirkt, wenn man sich im internen Gespräch darauf berufen kann, dass „wir unbedingt eine Mobilitätsstrategie ausarbeiten und Budgets für die Anschaffung von iPhones bereitstellen müssen, weil laut Marktforscher XYZ im Jahr Anno Dazumal x Prozent der Unternehmen so etwas haben werden und wir sonst laut Marktforscher ZYX den Anschluss verlieren und Produktivitätssteigerungen von 11,37 Prozent verpassen“.

Der Satz: „Ich denke, dass unsere Außendienstmitarbeiter mit Smartphones und einer passenden CRM-Lösung im Durchschnitt einen Kunden pro Tag mehr besuchen können“, klingt dagegen weit weniger überzeugend – obwohl diese Schlussfolgerung wahrscheinlich auf exakteren Ausgangsdaten beruht, als die Vorhersagen vieler Auguren.

Praktisch sind die Berichte der Marktforscher natürlich schon: Schließlich helfen sie, Verantwortung zu verlagern. Geht etwas schief, ist es einfacher Gartner oder IDC die Schuld zu geben, als über eigene Fehler nachzudenken. Und schließlich ist es heute in der IT-Branche vielleicht etwas überholt in Jahreszyklen zu denken: Veränderung findet kontinuierlich statt.

Die Zeiten, in denen sich Firmen ihre wichtigste Neuerung des Jahres für die CeBIT aufsparten, um dann die Fachwelt in Erstaunen zu versetzen, sind vorbei. Neue Betriebssysteme, neue Standardsoftware, neue Server, Security-Appliances oder gar ganze neue Geräteklassen kommen heute dann auf den Markt, wenn der jeweilige Hersteller glaubt, bereit dafür zu sein. Dass mancher lieber noch bis zur nächsten CeBit warten sollte, ist ein anderes Thema.

Die Themen, mit denen sich IT-Verantwortliche in den kommenden Monaten beschäftigen werden, sind leicht vorhersagbar – auch ohne sich auf Prognosen bekannter Institute zu stützen. Cloud Computing, Mobilität beziehungsweise Anwendungen mobil nutzbar zu machen sowie Virtualisierung weiterer Server und eventuell auch Anwendungen oder Arbeitsplätze gehören auf alle Fälle dazu.

Durch einen oder alle diese Punkte wird in vielen Firmen auch die Frage wieder aufgeworfen werden, wie ein Computer-Arbeitsplatz überhaupt aussehen soll. Ist der liebgewonnene Desktop oder das hart erkämpfte Notebook noch das richtige Gerät? Bekommen alle Mitarbeiter zusätzlich Smartphone und Tablet. Oder reicht es, nur einige damit auszustatten? Oder kann eines der neuen Geräte vielleicht sogar ein Altbekanntes ersetzen? Und wie viel Power braucht das Gerät noch, dass die Mitarbeiter nutzen, wenn sich vieles zentral in der Cloud oder als Service einrichten und nutzen lässt?

Themenseiten: IT-Business, Marktforschung, Mittelstand, Strategien

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