TomorrowNow-Prozess: Oracle verzichtet auf Aussage von Léo Apotheker

Der Datenbankanbieter hat am Freitag seinen letzten Zeugen aufgerufen. Oracle nimmt auch Abstand davon, eine zwei Jahre alte Videoaufzeichnung einer Befragung Apothekers zu zeigen. In Kürze werden die Geschworenen ihre Beratungen aufnehmen.

Léo Apotheker (Bild: SAP)
Léo Apotheker (Bild: SAP)

Der frühere SAP-CEO Léo Apotheker, der jetzt an der Spitze von Hewlett-Packard steht, wird nicht im Rechtsstreit um Urheberrechtsverletzungen der SAP-Tochter TomorrowNow aussagen. Das meldet All Things Digital. Demnach hat Oracle am Freitag seinen letzten Zeugen aufgerufen und darauf verzichtet, eine Videoaufzeichnung einer zwei Jahre alten Aussage Apothekers zu zeigen.

Oracles Anwalt sagte dem Bericht zufolge am Freitag gegenüber Journalisten, die von seinem Mandanten vorgelegten Beweise belegten, dass Apotheker von den Urheberrechtsverstößen gewusst habe. Man habe sich gegen die Videoaussage entschieden, da sie entstanden sei, bevor SAP die Verantwortung für die Rechtsverletzungen von TomorrowNow übernommen habe.

Ein andere möglicher Grund für den Verzicht ist, dass Oracle nicht in der Lage war, Apotheker eine zwingend erforderliche Zeugenvorladung zuzustellen. Wie der ORF unter Berufung auf US-Medien in der vergangenen Woche berichtete, engagierte Oracle sogar Privatdetektive für die Suche nach dem scheinbar abgetauchten Apotheker. Der soll sich offiziell auf Antrittsbesuch bei wichtigen HP-Kunden und Mitarbeitern befunden haben. Nach Angaben des ORF wurde er zuletzt unter anderem im US-Bundesstaat Texas, in Japan, Deutschland und Frankreich gesichtet.

Laut All Things Digital werden die Geschworenen in Kürze ihre Beratungen aufnehmen. Eine ihrer Aufgaben wird es sein, die Höhe einer möglichen Schadenersatzzahlung von SAP an Oracle festzulegen. Oracles Forderung beträgt eine Milliarde Dollar.

Ende Oktober hatte Oracle-CEO Larry Ellison angekündigt, Beweise für eine Verstrickung Apothekers in die TomorrowNow-Affäre vorlegen zu wollen. Zudem forderte er den Manager zu einer erneuten Zeugenaussage auf.

Hewlett-Packard, dessen CEO Apotheker seit Anfang November ist, hatte das Vorgehen Ellisons als Belästigung bezeichnet. Gegenüber All Things Digital erklärte das Unternehmen, Oracle habe ausreichend Gelegenheit gehabt, Apotheker in den vergangenen zwei Jahren zu befragen, aber nie Gebrauch davon gemacht. Erst nach der Ernennung Apothekers zum HP-CEO habe Oracle sich zu einer erneuten Befragung entschlossen. Zudem sei Apothekers Rolle in der Angelegenheit sehr begrenzt.

Oracle hatte im März 2007 Klage gegen SAP und TomorrowNow eingereicht. Der Datenbankspezialist beschuldigte sie, seine Software illegal kopiert und gespeichert zu haben. Im Juni 2007 weitete der Konzern seine Klage aus und warf SAP zusätzlich Vertragsbruch und Copyright-Verletzungen vor. Im Mai 2009 wurde die Eröffnung des Verfahrens auf Antrag beider Parteien auf Juni 2010 verschoben.

Anfang August übernahm SAP öffentlich die Verantwortung für die mutmaßlich von TomorrowNow begangenen Urheberrechtsverletzungen. Gleichzeitig wies es die von Oracle erhobenen Schadenersatzansprüche von mehreren Milliarden Dollar als überhöht zurück. Zwei Wochen später zog das Gericht nach und setzte die Schadenersatzansprüche herab.

Themenseiten: Business, Hewlett-Packard, Oracle, SAP, Urheberrecht

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