Steve Jobs lästert über Android-Tablets

Die erste, jetzt anrollende Generation ist "eine Totgeburt" mit untauglichem OS und zu kleinen Bildschirmen. Den Gegensatz "offen gegen geschlossen" sieht Jobs als Irreführung. Vielmehr geht es um "fragmentarisiert gegen integriert".

Steve Jobs bei der iPad-Vorstellung im Januar (Bild: Apple)
Steve Jobs bei der iPad-Vorstellung im Januar (Bild: Apple)

Steve Jobs hat sich überraschend in eine Telefonkonferenz zu den jüngsten Quartalsergebnissen von Apple eingewählt. Als Grund für den unangekündigten Auftritt nannte er zunächst die vorgelegten Rekordzahlen. Seine Aussagen machten dann aber schnell deutlich, dass er vor allem über Mitbewerber herziehen wollte.

Als ersten traf es Blackberry-Hersteller Research In Motion. Jobs: „Wir haben letztes Quartal 14,12 Millionen iPhones verkauft, ein hübscher Sieg über RIMs zuletzt 12,1 Millionen Blackberrys. Wir sind an ihnen vorbeigezogen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass sie in absehbarer Zukunft wieder aufschließen.“ Mit iOS und Android werde es schwer, Entwickler für eine weitere Plattform zu begeistern.

Als nächsten Gegner nahm sich Jobs Google vor. Er verglich die Zahl der Apps (Android: 90.000; iOS: 300.000) und der täglich freigeschalteten Mobiltelefone (Android: 200.000; Apple: 275.000). Dann aber verglich er die Firmenphilosophien: „Google charakterisiert Android gern als offen und iOS als geschlossen. Wir finden, dass das die Unterschiede vernebelt.“ In Wirklichkeit drehe sich alles um den Gegensatz zwischen einer „integrierten“ (iOS) und einer „fragmentierten Plattform“ (Android).

Jobs reihte zahlreiche Beispiele für die Fragmentarisierung von Android aneinander: „Die meisten Windows-PCs haben die gleiche Oberfläche und die gleichen Apps, anders als bei Android, wo viele OEMs, wie HTC und Motorola, sich durch spezielle Oberflächen abzuheben versuchen.“ Beispielsweise der Twitter-Client-Hersteller TweetDeck jammere über 100 Android-Versionen und 244 Telefone, die er alle bedenken müsse. Auch Vodafones und Verizons Pläne, einen eigenen App Store zu bauen, könne nur zu „einem Durcheinander für Anwender und Entwickler“ führen.

„Wir glauben, dass integriert in jedem Fall gegen fragmentarisiert gewinnt“, fasste Jobs zusammen. „Selbst wenn Google recht hat und es geht um offen gegen geschlossen, gewinnt offen doch nicht immer.“ Als Beispiel könne Microsofts mittlerweile aufgegebener Kopierschutz PlaysForSure dienen.

Zuletzt ging Jobs auf die Tablet-Mitbewerber und ihre von ihm ausgemachten Schwächen ein. So hält der Apple-CEO nichts von 7-Zoll-Tablets: „Man denkt natürlich, ein 7-Zoll-Tablet bietet 70 Prozent der Vorteile eines 10-Zoll-Bildschirms. Das ist nicht der Fall. 7-Zoll-Displays haben 45 Prozent der Größe eines iPad. Diese Größe reicht nicht, um herausragende Tablet-Anwendungen zu machen.“ Apple habe hier ausführliche Tests unternommen. 10 Zoll seien das Minimum für ein Tablet. Wegen dieser Größenanforderung kann ein Tablet Jobs zufolge auch nie ein Smartphone ersetzen.

Von Android für Tablets hält Jobs erwartungsgemäß nichts: „Für das iPad gibt es über 35.000 Apps im App Store. Diese neuen Tablets werden mit annähernd null Apps kommen.“ Schließlich empfehle Google seinen Partnern, die aktuelle Android-Version Froyo nicht für Tablets zu verwenden, sondern bis nächstes Jahr zu warten. „Was hat das zu bedeuten, wenn die Hersteller Google ignorieren und Froyo dennoch benutzen?“ Die jetzt erscheinende, erste Android-Tablet-Generation sei aus diesen Gründen eine Totgeburt.


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4 Kommentare zu Steve Jobs lästert über Android-Tablets

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  • Am 19. Oktober 2010 um 22:17 von Apollo

    Hochmut kommt vor dem Fall Mr. Jobs….!
    Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall Mr.Jobs. Natürlich darf sich Apple, und vor allem die Aktionäre, über die Quartalszahlen freuen. Dennoch zeigt dies wieder einmal die Arroganz des Steve Jobs. Aber seine Jünger mögen das ja.

    Womit er allerdings recht hat, ist die Tatsache, dass Anwender und Entwickler "durcheinander" sind. Die Geschichte der Elektronik hat uns gelehrt, dass letzten Endes immer EIN Standart gesucht wird. Ich halte es daher für Ausgeschlossen, dass mehrere grundverschiedene OS sich im Handymarkt der Zukunft halten können. Bis auf die App’s, müssen sich die OS ja jetzt schon an Standarts halten (Wifi, Bluetooth, SMS, MMS, eMail, das Telefonieren an sich usw.) Folglich wird es irgendwann auch nur noch App’s geben die irgendeinem Standard unterliegen, damit hätte sich dann das OS als Unterscheidungsmerkmal erledigt, da es ja keine Freiheiten mehr gäbe etwas unterschiedlich zu machen. (Wir wollen mal programmiertechnische Unterschiede der jetzigen OS beiseite lassen, da das den Endkunden wohl kaum interessiert)
    Und das sich bei der Durchsetzung eines Standards nicht immer das "Beste" durchsetzt kennen wir ja.. (VHS zu Beta oder Video 2000; MS-DOS etc.)

    Wenn diese Zeit einmal gekommen ist, mit welchem Argument verkauft man dann ein Handy? Wohl Leistungsdaten und Preis. Dann aber warm anziehen Mr.Jobs, Asien steht parat.

    • Am 25. Oktober 2010 um 10:35 von Stefan

      AW: Hochmut kommt vor dem Fall Mr. Jobs….!
      Mag ja sein bis sich aber die Android Horde zusammenschließt hat Apple schon wieder eine Revolution eingeläutet wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht nicht die Zukunft.

    • Am 26. Oktober 2010 um 23:14 von Norman

      AW: Hochmut kommt vor dem Fall Mr. Jobs….!
      Also ich fand Steve Jobs Äußerung sehr provokativ, wobei er sich sowas ja gerne erlaubt. Schlimm finde es nicht. Die Position erlaubt es schließlich und in manchen Dingen gebe ich ihm nicht unrecht.
      Persönlich betrachte ich solche Äußerungen immer mit einem interessierten Auge. Nicht, weil ich Apple-Fanboy bin (obwohl ich viele Apple-Geräte nutze), sondern weil es die Konkurrenz schon ein wenig unter Druck setzt und Konkurrenz belebt natürlich das Geschäft und davon habe viele was. Besser mehr Alternativ als zu wenige.

      Was die Standards angeht.
      Auf ein OS werden wir uns sicherlich nicht einigen, dafür haben alle Plattformen ihre Vorzüge. Standards gehören mehr in Protokolle, Hardware etc. um eine gewisse Basis zu haben, aber bitte nicht was Software angeht…Alle Systeme haben ihre Daseinsberechtigung und wenn eins scheitert bereinigt dies der Markt. Solange es Innovationen und Nachfrage gibt, wird es meiner Meinung nach mit einem OS zum Stillstand kommen.
      Das möchte ich aber auch nicht nur auf IT beziehen.

      Fakt ist, dass Apple ein großer Wurf u.a. mit dem iPad gelungen ist. Davon wollen andere auch was haben und mitgehen. Andere Firmen haben auch ihre Innovationen. Ich bin gespannt was es demnächst so alles neue gibt. Profitieren tut der Konsument. Dazu zähle ich mich. Was mir – privat – am besten zusagt wird gekauft. So einfach ist das.

      Grüße

      Norman

      PS: Kann man diese Fanboy und Jünger-Geschichte bitte abschließen? Die gibts von diversen Firmen aber nur bei Apple-Besitzern spricht man von Fanboys….kann mir mal einer verraten, warum das so ist?

      Die einen fahren auf Linux und Microsoft ab (oder wie hier Android, MeeGo, WebOS etc.) und hier wird keiner beschuldigt. Ok…ist total Offtopic. Ich finde solche Beleidigungen ungerechtfertigt.
      Nutze beruflich Mac, Linux, Windows…kann sehr gut damit leben.

      • Am 28. Oktober 2010 um 1:27 von Apollo

        AW: AW: Hochmut kommt vor dem Fall Mr. Jobs….!
        @Norman

        Ich denke, sie haben meine Äußerung ein bisschen mißverstanden. Ich sagte nicht, dass ich an EIN OS in Zukunft glaube, sondern das durch die wahrscheinliche Standartisierung das OS als „Unterscheidungsmerkmal“ hinfällig wird. Es wird dem Anwender dann relativ egal sein welches OS unter der Oberfläche werkelt, da er anhand dessen alleine keinen Unterschied mehr wahrnehmen kann. Nehmen sie als Beispiel Großbildfernsehgeräte. Keinen interresiert es mit welcher Technik ein Bild hochskaliert wird, welche Technik hinter der Scheibe steckt. Der Markt wird beherrscht vom Preisgefüge. Die Absatzzahlen von hochpreisigen Flatscreens ist verschwindent gering. Wenn also der Handymarkt von Standards geprägt sein wird (immer vorausgesetzt, dass es auch wirklich so kommt) wird das Preis/Leistungsverhältnis zählen, höchste Leistung (CPU, Screenauflösung, Speicher usw.) zum niedrigsten Preis. Und das ist nicht Apples Revier.

        Zu ihrem PS….
        Nun, das liegt wohl daran, dass Apple-Nutzer bzw. in erster Linie iPhone-Nutzer (zumindest die, die sich immer und überall öffentlich melden) die offensichtlichen Mängel eines iPhones und die wehemenden Einschränkungen die Apple ihren Produkten mit auf den Weg gibt, diese fast gebetsartig verteidigen. Das erinnert an die Realitätsfremde eines Sektenmitglieds. Gerade weil sich Apple bzw. Steve Jobs oft mit fremden Federn schmückt. Nur dass das gar keine Steve Jobs Strategie ist, sondern diese bereits von Bill Gates jahrelang so gehandhabt wurde und Gates dafür von den „Normalen“ und von Apple gehasst wurde. Nun macht Apple das Gleiche und ist ähnlich erfolgreich wie einst Microsoft. „Der große Wurf“ der Apple gelang, ist ein Telefon und ein MP3 Player zum Lifestyleprodukt zu machen, das ist unumstritten. Aber deshalb ist es noch lange nicht die ultima ratio, wie uns Jobs und eben auch viele Appleianer predigen. Das dann MS’ler und Androiden (gerade nachdem Google bei ihrem Start so ausgelacht wurden) wieder in die gleiche Kerbe hauen ist ja klar. Nur Nokia, RIM, Samsung usw. haben nie derart aggressiv und personifiziert versucht den Markt zu beherrschen. Sie müssen schon zugeben, dass eine einstige Gates-Präsentation und heutige Jobs-Präsentation etwas von einer Kundgebung eines Sektenführers vor seinen Jüngern hat, wenn Jobs in Schwarz alleine auf einer rießigen Bühne sich und ein Produkt feiert. Für jeden Außenstehenden ist dieser Anblick einfach Grotesk. Daher die Bezeichnung.
        (und nun steinigt mich wieder…lol)

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