Google feuert Mitarbeiter wegen Verletzung der Privatsphäre

Der Ingenieur David Barksdale ist in die Nutzerkonten von mindestens vier Jugendlichen eingebrochen. Die Übergriffe hatten kein sexuelles Motiv. Vermutlich wollte der selbsterklärte "Hacker" seine Macht demonstrieren.

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat Google im Juli einen Ingenieur entlassen, weil er über Monate in die E-Mail- und Google-Voice-Konten von mindestens vier Minderjährigen eingebrochen war. Das Unternehmen hat den Vorfall nun offiziell bestätigt.

David Barksdale war Site Reliability Engineer im Google-Büro in Kirkland, Washington, und damit betraut, die Funktion von Googles Services zu überwachen. Nachdem sich die Eltern der betroffenen Jugendlichen beim Unternehmen beschwert hatten, wurde er gefeuert.

Dem Technikblog Gawker zufolge hatten Barksdales Übergriffe keinen sexuellen Hintergrund. Vermutlich wollte der selbsterklärte „Hacker“ seine Macht demonstrieren.

Laut Gawker hatte Barksdale die Jugendlichen bei einer „Technology Group“ in Seattle kennengelernt. Er versuchte daraufhin, sich mit ihnen anzufreunden. In einem Fall soll er die Google-Voice-Anrufprotokolle eines 15-Jährigen abgerufen haben, weil dieser sich weigerte, ihm den Namen seiner neuen Freundin zu verraten. Er griff auch auf Kontaktlisten und Chat-Protokolle der Jugendlichen zu. Wenn sie ihn blockierten, hob er die Sperre auf.

„Wir haben David Barksdale entlassen, weil er Googles strikte interne Datenschutzrichtlinien verletzt hat“, sagte Bill Coughran, Senior Vice President für Entwicklung bei Google. „Wir kontrollieren die Zahl der Angestellten, die Zugang zu unseren Systemen haben, sorgfältig und entwickeln unsere Sicherheitsvorkehrungen ständig weiter.“ Die Systeme kämen jedoch nicht ohne menschliche Wartung aus, wenn sie ordentlich funktionieren sollten. Aus diesem Grund nehme Google jede Verletzung seiner Vorschriften sehr ernst.

Barkesdale soll nicht der erste Mitarbeiter gewesen sein, den das Unternehmen wegen Verletzung der Privatsphäre entlassen hat. Derzeit gibt es keinen Hinweis darauf, dass Google von den Datenschutzverletzungen gewusst und nicht reagiert hat. Dennoch zeigt der Fall, wie einfach es sein kann, an online gespeicherte vertrauliche Daten heranzukommen.

Ironischerweise hatte Google Anfang der Woche das „Family Safety Center“ vorgestellt – eine Informationsplattform, die Eltern dabei helfen soll, den Zugang ihrer Kinder zum Internet sicherer zu gestalten. Unter anderem geben Mitarbeiter Video-Tipps. Zudem steht eine Übersicht über Kindersicherungswerkzeuge für seine Produkte bereit.

Themenseiten: Big Data, Datenschutz, Google, Hacker, Kommunikation

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1 Kommentar zu Google feuert Mitarbeiter wegen Verletzung der Privatsphäre

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  • Am 15. September 2010 um 14:44 von Fagi

    Nicht nachvollziehbare Schlüssfolgerung
    Zitat:
    „Dennoch zeigt der Fall, wie einfach es sein kann, an online gespeicherte vertrauliche Daten heranzukommen.“

    Ich kann die Schlußfolgerung nicht nachvollziehen, dass dieser Fall zeigt, wie einfach auf ONLINE Daten heranzukommen ist, weil der Zugriff auf die (Google-)intern durch Insider-Wissen durchgeführt wurde. Ein solcher Vorfall hätte auch bei Systemen passieren können, die nicht online sind. Ein Beispiel dafür ist, wie tausende deutscher Kunden schweizer Banken auf CD auf dem Markt gelandet sind. Oder der Datenskandal bei der Deutschen Bahn.

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