US-Gericht lässt Handy-Ortung ohne Durchsuchungsbefehl zu

Dies entspricht der Vorstellung der Regierung. Es geht um die Auslegung eines Gesetzes zu Hausdurchsuchungen und Privatsphäre von 1791. In Ausnahmefällen sehen die Richter eine Genehmigung aber als notwendig an.

Ein US-Bundesgericht in Philadelphia hat entschieden (PDF), dass Polizeibehörden wie das FBI ohne richterliche Genehmigung die Handys von Bürgern orten und verfolgen lassen dürfen. Es ist die erste Entscheidung dieser Art. Das Gericht teilte somit die von der Regierung Obama vertretene Auffassung, die Polizei müsse lediglich ermittlungstechnische Gründe angeben.

Die drei zuständigen Richter erklärten, die Ortsbestimmung von Handys falle nicht unter das als „Fourth Amendment“ bekannte Gesetz, das Regierungsbehörden von „unangemessenen“ Maßnahmen abhalten soll. Es handelt sich um den vierten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 1791. Er bezieht sich ursprünglich auf Hausdurchsuchungen, was die Auslegung im Handyzeitalter erschwert.

In einem Punkt stimmten die Richter aber Bürgerrechtlern zu: Richter könnten in manchen Fällen durchaus darauf bestehen, dass ein Durchsuchungsbefehl vorab nötig ist. Eine solche Maßnahme sollte jedoch selten genutzt werden, heißt es in der Entscheidung.

Der Fall geht jetzt an ein untergeordnetes Gericht zurück. Das Bundesgericht hatte nur zu entscheiden, inwieweit Bundesgesetze anwendbar sind. Der Ausgang ist zumindest der Electronic Frontier Foundation zufolge weiter offen. Ihr Anwalt Kevin Bankston sagte: „Das Urteil beantwortet die Frage nicht endgültig, ob das Fourth Amendment auf die Handy-Ortung anwendbar ist.“

In den USA sind zwei Arten von Handy-Ortung möglich. Zum einen können Polizeibehörden Einsicht in die Aufzeichnungen bekommen, die Mobilfunkprovider zu Abrechnungszwecken aufbewahren. Sie sind meist nicht sehr detailliert. Zum anderen kann eine Überwachung angeordnet werden, woraufhin der Provider verpflichtet ist, den Aufenthaltsort des Verdächtigen minutengenau festzuhalten. Ein solcher Fall wurde erstmals 2005 bekannt.

In Europa muss schon vorbeugend eine Menge Material für eventuelle Strafverfolger gesammelt werden. Seit 15. März 2006 sind alle EU-Mitgliedsstaaten theoretisch dazu verpflichtet, Telefon- und Internetdaten sowie Handystandort- und Mailkommunikationsdaten zwischen 6 und 24 Monate auf Vorrat zu speichern. Die Datensammlung soll die Fahndung nach Terroristen und Schwerverbrechern erleichtern. Der Europäische Gerichtshof hält die Richtlinie für rechtens. An der Umsetzung der EU-Richtlinie hapert es in manchen Ländern aber noch.

Themenseiten: Gerichtsurteil, Handy, Privacy

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu US-Gericht lässt Handy-Ortung ohne Durchsuchungsbefehl zu

Kommentar hinzufügen
  • Am 22. Juni 2011 um 12:17 von Hans

    Fraglich
    Hallo,
    also ich finde das fraglich. Ich beschaeftige mich auf meiner website auch schon seit längerem mit der Thematik, jedoch ist es in meinen Augen fraglich, ob Handyortungen so erlaubt sein sollen. In Deutschland kann man Handies auch orten, allerdings nur von Gesetzes wegen oder sein eigenes. Dazu bekommt man eine gratis SMS auf das Handy geschickt, bestätigt damit , der Besitzer des Geräts zu sein, und der Service wird freigeschalten. Wenn aber Polizei Handies ortet ohne dass dies jemand überprüft kann das schnell mal politisch etc. missbraucht werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *