Streitgespräch: Braucht die Verwaltung Open Source?

Was Staat und öffentliche Verwaltung für IT ausgeben, geht alle Steuerzahler an. Der Bundesrechnungshof empfiehlt, den Einsatz von Open Source zumindest zu prüfen. ZDNet hat IBM und Microsoft nach ihrer Einschätzung gefragt.

In öffentlichen Einrichtungen gibt es schon lange kontrovers geführte Diskussionen darüber, ob man den „Marktstandard“ – das heißt in der Regel Microsoft -, durch Open-Source-Lösungen („Free/Libre Open Source Software“, kurz FLOSS) ersetzen soll. Der Bundesrechnungshof hat staatliche Stellen vor einigen Jahren aufgefordert, bei der Aktualisierung der IT Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchzuführen und dabei auch Open-Source-Lösungen einzubeziehen.

Manche Kommunen, Ministerien und Verwaltungen haben das mit unterschiedlichem Erfolg getan und sind auf FLOSS umgestiegen. Andere zögern noch. Ein Bericht bei ZDNet zum derzeitigen Stand von Open Source in Kommunen vor einigen Wochen hat gezeigt, dass das Thema zwar etwas aus dem Zentrum des öffentlichen interesses gerückt ist, im Hintergrund aber immer noch mit harten Bandagen um die lukrativen Kunden der öffentlichen Hand gekämpft wird.

Außerdem scheinen neben messbaren technischen und wirtschaftlichen Argumenten auch strategische oder politische Überlegungen eine Rolle zu spielen. ZDNet sprach daher mit IBM und Microsoft über die Situation. Auskunft gaben bei IBM Frank Förster, Manager IBM Linux Integration Center Böblingen, sowie Frank Heimes, Senior IT Architect, Linux Integration Center. Für Microsoft schildert Andreas Urban, Leiter Open Source Strategie, die Sicht der Dinge.

Zusammengefasst zeigen die Antworten, dass Open Source und proprietäre Software nicht unbedingt miteinander konkurrieren, sondern sich in den Anwendungen eher ergänzen. Microsoft setzt deshalb offensichtlich auf friedliche Koexistenz und nicht auf Konfrontation. „Open-Source-Software (OSS) koexistiert heutzutage mit proprietärer Software im Markt“, so Urban. „Das heißt, Hersteller proprietärer Software bieten ihren Kunden Produkte und Services an, die auch Open Source-Komponenten beinhalten. Und umgekehrt bauen OSS-Hersteller ihre Lösungen auf proprietärer Software auf. Proprietäre und offene Software vermischen sich zunehmend auf dem Softwaremarkt.“

Für IBM ist Open Source dagegen ganz klar Strategie. „Wir sehen das Thema Open Source neben Open Standards und Open Architecture als Teil einer größeren Vision, welche in der IT-Industrie als Open Computing bekannt ist“, so Förster. „Open Computing beinhaltet diese drei Themen und hat gemeinschaftliche Zusammenarbeit, das heißt Community Collaboration und die von der Community getriebene Innovation, als zentralen Bestandteil. Open Computing hilft, die Gräben zwischen Technologien, Prozessen und Menschen zu überwinden.“

Themenseiten: IBM, IT-Business, Linux, Microsoft, Mittelstand, Open Source, Technologien, Windows

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1 Kommentar zu Streitgespräch: Braucht die Verwaltung Open Source?

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  • Am 1. September 2010 um 21:53 von Ettore Atalan

    Proprietäre und offene Software zu vermischen ist eine Krankheit
    Proprietäre und offene Software zu vermischen ist vergleichbar mit dem Beimischen von Cholera in Vitamin-C-Tabletten. Beides vollkommen unlogisch, da man immer noch von proprietärer Software abhängig ist bzw. mehr krank als gesund wird.

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