Bill Gates findet Politik deprimierend

Der ehemalige Microsoft-Chef vermisst objektive Experten für die schwierigen Fragen der heutigen Gesellschaft. Ohne sie könne eine Demokratie keine harten Entscheidungen treffen. Das ist nach Gates Ansicht eine Schwäche der politischen Prozesse.

Ex-Microsoft-Chef Bill Gates gibt sich gerne optimistisch. Auf der gerade laufenden Techonomy-Konferenz in Lake Tahoe in Kalifornien erklärte er jedoch, dass die amerikanische Politik ihm die Stimmung verhagele. „Das kann einen wirklich deprimieren“, sagte er zusammenfassend nach einer Diskussion, bei der es unter anderem um Online-Schulungen und bessere Simulationssoftware ging.

Die politischen Prozesse haben nach Gates‘ Meinung Schwächen bei der Behandlung von Problemen gezeigt, „die so komplex sind, dass sogar der durchschnittliche Wähler aus der Elite-Schicht Schwierigkeiten hat, sie zu begreifen“. Zu diesen Problemen zählten Steuerfragen, die Kostenkontrolle im Gesundheitssystem, die Verbesserung des Bildungssystems und die Beziehungen zu China.

Diese Dinge seien so kompliziert, dass die entscheidenden Menschen, die sie verstehen können, parteiisch seien, erklärte Gates. „Es gibt so wenige Experten auf diesen Gebieten, die objektiv sind. Wie soll also die Gesellschaft – eine Demokratie, die bisher so gut funktioniert hat – die harten Entscheidungen treffen, zum Beispiel beim Thema Klimawandel, die eben gefällt werden müssen.“

Er verwies auf die jüngste Diskussion über das Gesundheitswesen in den USA. Anfangs habe er gedacht, dass es jetzt eine verantwortungsvolle Auseinandersetzung über die langfristigen Probleme geben werde, welche die Kosten des Systems in die Höhe treiben. Die Diskussion habe sich aber schnell verlagert. „Ich beschimpfe dich und du beschimpfst mich“, erklärte er den Zuhörern. „Du bekommst Geld von dem seltsamen Typen und ich bekomme Geld von dem seltsamen Typen … Niemand hat einmal ernsthaft untersucht, was für einschneidende Maßnahmen man wirklich ergreifen muss.“

Hilfe benötigt laut Bill Gates auch der freie Markt, obwohl er ein großer Anhänger der freien Wirtschaft sei. Es dauere zum Beispiel extrem lange, um neue Techniken für Atomkraftwerke auf den Markt zu bringen. Das dauere länger, als die Laufzeit des Patents, mit dem die Technik überhaupt erst profitabel werde. „Sie werden nicht viele Menschen finden, die Geld geben, wenn das Projekt eine länger Laufzeit hat als das zugehörige Patent.“

Man könne sich nicht einmal sicher sein, dass man das Projekt noch zu Lebzeiten zu Ende bringen könne. Viele Menschen wollen sich aber auf Projekte konzentrieren, die sie noch erleben. „Das gilt besonders, wenn man nicht so religiös ist“, meinte Gates. Er gehöre in diese Kategorie.

Trotzdem gebe es Hoffnung. Neue Formen der Energiegewinnung brächten auch neuen Wohlstand. „Ein paar Leute werden mit diesen technischen Umwälzungen steinreich werden. Wenn wir genau wüssten, dass eine bestimmte Solar- oder Nukleartechnik sicher funktionierte, wären unsere Energiesorgen wie weggeblasen. „Aber meine Güte, wie viele Probleme müssen wir bis dahin noch lösen.“

Bill Gates plauderte bei Techonomy über die Mühen der Politik (Bild: News.com).
Bill Gates plauderte bei Techonomy über die Mühen der Politik (Bild: News.com).

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2 Kommentare zu Bill Gates findet Politik deprimierend

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  • Am 9. August 2010 um 22:21 von DM

    Das findet jeder Mensch, der was im Kopf hat.
    .

  • Am 10. August 2010 um 0:08 von Ettore Atalan

    Freie Wirtschaft = Kapitalismus pur
    „ein großer Anhänger der freien Wirtschaft“ ist der Herr Gates.

    Solche Leute sind der größte Feind für einen Sozialstaat!

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