ICANN genehmigt Porno-Domain .xxx

Die Entscheidung ist an Bedingungen geknüpft. Die Verwaltungsbehörde möchte zuerst die finanzielle Situation des Antragstellers ICM Registry prüfen. Der will schon im Oktober einen Vertrag mit der ICANN unterzeichnen.

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Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) wird eine Top-Level-Domain .xxx einrichten. Das hat sie am Freitag bei einem Treffen in Brüssel entschieden. Sie folgt damit einem Vorschlag der Organisation ICM Registry, die in der Vergangenheit mehrfach mit ihren Anträgen gescheitert war.

„Es war ein langer Weg, aber ich freue mich, dass .xxx schon bald Wirklichkeit wird. Das sind großartige Neuigkeiten“ schreibt Präsident Stuart Lawley auf der ICM-Website. Damit seien seit sechs Jahren andauernde Bemühungen, eine spezielle Internetadresse für pornografische Inhalte zu schaffen, erfolgreich abgeschlossen worden.

In einer E-Mail an ZDNet schreibt Lawley, die ICANN werde nun die finanziellen und technischen Möglichkeiten seines Unternehmens prüfen, die neue Domain zu verwalten. Dabei handle es sich um eine reine Formalität. Im nächsten Schritt werde ein Vertrag ausgehandelt, der Empfehlungen des Government Advisory Committee berücksichtige, das die ICANN bei Fragen der öffentlichen Ordnung berate. Danach müsse der Vorstand der ICANN noch seine abschließende Zustimmung erteilen.

Die ICM will den Vertrag schon beim nächsten Treffen des ICANN-Vorstands im Oktober unterzeichnen. Die Einführung der neuen Top-Level-Domain .xxx, für die laut ICM schon 110.000 Reservierungen vorliegen, ist für Anfang 2011 geplant. Wie die Associated Press berichtet, erwartet ICM einen jährlichen Umsatz von 30 Millionen Dollar, basierend auf einem Preis von 60 Dollar je Domain. Pro verkaufter Domain sollen 10 Dollar an eine noch zu gründende gemeinnützige Kinderschutzorganisation gehen.

Im März hatte sich die ICANN nach einem erfolgreichen Einspruch gegen eine vorherige Ablehnung erneut mit der Porno-Domain beschäftigen müssen. Kurz vor Ende einer Tagung in der kenianischen Hauptstadt Nairobi verschob sie ihre Entscheidung auf Juni.

Nach dem Willen von ICM Registry sollen Seiten mit pornografischen Inhalten künftig statt oder zusätzlich zu einer .com-Domain eine .xxx-Domain erhalten. Das soll eine glaubwürdige Selbstkontrolle der Anbieter von Erwachsenen-Unterhaltung bewirken. Websites für Erwachsene unter der .xxx-Domain würden sich laut ICM an strikte Vorgaben halten – etwa das Verbot von Kinderpornografie und von Schadsoftware.

Kritik kommt von Familienverbänden und Bürgerrechtlern. Das konservative Family Research Center erwartet, dass Anbieter mit der .xxx-Domain noch mehr Möglichkeiten erhalten, „Haushalte, Bibliotheken und die gesamte Gesellschaft mit Pornografie zu überschwemmen“. Bürgerrechtsgruppen wie die American Civil Liberties Union (ACLU) warnen vor einem Missbrauch zu Zensurzwecken.

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