Bürgerrechtler planen Verfassungsbeschwerde gegen Volkszählung 2011

Sie sehen in dem Volkszählungsgesetz einen "klaren Verstoß gegen das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung". Zudem warnen sie vor möglichem Missbrauch der Daten. Diese lassen sich mittels einer Personenkennziffer eindeutig zuordnen.

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung will gegen eine für 2011 geplante Volkszählung (Zensus) Verfassungsbeschwerde einreichen. Die Rechtsanwältin Eva Dworschak soll die Beschwerde vorbereiten.

Mit der Volkszählung 2011 würden die Daten aller in Deutschland lebenden Menschen in einer gewaltigen Datenbank zusammengeführt und ausgewertet, teilte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung mit. Die abzufragenden Informationen stammten unter anderem von Meldebehörden, den Liegenschaftskatastern, der Bundesagentur für Arbeit sowie aus „allgemein zugänglichen Quellen“.

Außerdem soll bis zu ein Drittel der deutschen Bevölkerung zur Beantwortung zahlreicher Fragen aus dem persönlichen Lebensbereich verpflichtet werden. Aus verschiedenen Datenbanken, angereichert mit den Informationen einer „Zwangsbefragung“, entstünde so über jeden ein Persönlichkeitsprofil an zentraler Stelle, so die Bürgerrechtler. Als besonders heikel erachten sie, dass über eine eindeutige Personenkennziffer die Zuordnung der unterschiedlichen Daten aus der Volkszählung möglich sei.

Der Arbeitskreis führt fünf Gründe gegen die Volkszählung 2011 an:

  1. Die Erhebung ist nicht anonym, Name und Anschrift werden genau wie die gesammelten Daten vier Jahre lang gespeichert. Es entstünde ein zentral verfügbares Personenprofil aller in Deutschland ansässigen Personen.
  2. Die Zuordnung der Daten aus der Volkszählung ist über eine eindeutige Personenkennziffer möglich. Eine solche eindeutige gemeinsame Ordnungsnummer hatte das Bundesverfassungsgericht in seinem Volkszählungsurteil 1983 ausdrücklich verboten.
  3. Vertrauliche persönliche Daten werden aus zahlreichen Quellen ohne Einwilligung der Betroffenen zusammengeführt. Die Daten von Meldeämtern und Behörden werden zweckentfremdet; das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung wird verletzt.
  4. Die zentrale Verfügbarkeit der Personenprofile fordert Missbrauch geradezu heraus. Die Datenschutz-Skandale der vergangenen Jahre haben dies gezeigt.
  5. Die Abfrage der Daten laut deutschem Volkszählungsgesetz geht über den von der EU geforderten Umfang hinaus. So wird nach der Religionszugehörigkeit gefragt, obwohl die EU-Vorlage dies nicht vorschreibt. Die bei der Volkszählung entstehende Sammlung vertraulicher Informationen, etwa Migrationshintergrund und Religionszugehörigkeit ohne eine echte Anonymisierung, ist höchst bedenklich. Damit ließe sich zum Beispiel eine Liste aller bekennenden Muslime in Deutschland erstellen.

„Das Volkszählungsgesetz bewerten wir in seiner jetzigen Form als klaren Verstoß gegen das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung“, so das Fazit der Bürgerrechtler. Auf der eigens eingerichteten Website www.zensus11.de informieren die Aktivisten über die Verfassungsbeschwerde.

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Themenseiten: Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, Big Data, Business, Datenschutz, Politik

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