Berners-Lee warnt vor Datensammlung durch Provider

Die Musikindustrie muss andere Wege finden, um ihre Rechte zu schützen. Durch die Kontrollen bekommen Provider zu viele Daten in die Hand, bei denen Missbrauchsgefahr besteht. Beispielsweise werden auch Politiker erpressbar.

Tim Berners-Lee hält die Datensammlung durch Provider für gefährlich (Bild: T-Systems Multimedia Solutions).
Tim Berners-Lee hält die Datensammlung durch Provider für gefährlich (Bild: T-Systems Multimedia Solutions).

Auf dem Dresdner Zukunftsforum hat Sir Tim Berners-Lee gestern in einer Podiumsdiskussion eindringlich vor dem Missbrauch von Kontrollmöglichkeiten durch die Provider gewarnt. Seiner Ansicht nach ist es gefährlich, dass ihnen die Politik zunehmend Aufgaben wie die Verfolgung von Urheberrechtsmissbrauch überträgt. Der Web-Pionier dürfte zwar vor allem mit der Situation in Großbritannien vertraut sein, richtete seine Kritik aber nicht speziell nur an die dortige Regierung.

Das britische Unterhaus hat sich Anfang April mit einer deutlichen Mehrheit für die Annahme eines Gesetzentwurfs zu Internetsperren ausgesprochen. Das Digital Economy Bill genannte Gesetz sieht unter anderem vor, dass bei mehrmaligen Verstößen gegen das Urheberrecht Zugangssperren gegen Nutzer verhängt werden können. „Um festzustellen, ob jemand zum Beispiel Musikstücke stiehlt, muss man sich den Datenverkehr mittels Deep-Packet-Inspection sehr genau anschauen“, so Berners-Lee.

Seine Kritik dürfte sich auch auf einen Test des britischen Breitbandanbieters Virgin Media beziehen. Das aus der Musikbranche stammende Unternehmen hatte im Herbst vergangenen Jahres begonnen, verschiedene Werkzeuge auszuprobieren, um illegalen Fileshareren auf die Schliche zu kommen. Nach Aussagen des für Virgin Media tätigen Dienstleisters prüfe man, ob Pakete einem der drei wichtigsten Filesharing-Protokolle BitTorrent, Gnutella und eDonkey zugeordnet werden können, und untersuche bei einem positiven Befund, ob der Inhalt eines Pakets urheberrechtlich geschützt sei oder nicht.

Mit der Speicherung der generell erhobenen Daten über einen gewissen Zeitraum bekämen die Provider zudem ein gefährliches Machtinstrument in die Hand. Beispielsweise sei es ihnen ein Leichtes, daraus Kontakte, Interessen und andere sehr private Informationen von Politikern oder anderen wichtigen Persönlichkeiten zu sammeln, mit denen sich diese möglicherweise unter Druck setzen ließen.

Die Verfolgung von Urheberrechtsverstößen hält der Forscher jedoch durchaus für legitim. Es müssten aber andere Wege gefunden werden. Vorschläge, welche das sein könnten, machte Berners-Lee auf der Konferenz nicht. Berners-Lee hält es zudem für bedenklich, wenn die Kommunikation über verschlüsselte Verbindungen unter Generalverdacht gerät.

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