Mobile Payment: eine afrikanische Erfolgsgeschichte

Die Möglichkeiten zur Bezahlung mit dem Handy - Mobile Payment - sind hierzulande begrenzt. Viele Angebote werden einfach nicht angenommen, man zahlt lieber in bar oder mit EC-Karte. In Ostafrika erfreut sich "M-Pesa" hingegen großer Beliebtheit. Warum funktioniert dort, was hier nicht geht?

Seit Mobiltelefone nicht mehr teure Manager-Spielzeuge, sondern für jedermann erschwinglich sind, soll aus ihnen auch ein Werkzeug für den bargeldlosen Zahlungsverkehr gemacht werden. Die Bezahlung mittels zusätzlicher PIN und Abrechnung über den Mobilfunkbetreiber oder via Drittanbieter ist hierzulande aber kein Erfolg. Anbieter wie Paybox oder Luupbay haben aufgegeben, Vodafone und O2 versuchen es noch mit „mpass„.

Bei der Deutschen Bahn kann man zwar mittels Smartphone Fahrkarten kaufen, was aber – wie in zahlreichen Foren nachzulesen – so kompliziert ist, dass es etliche Nutzer an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hat.

In verschiedenen Städten wird „Handyparken“ angeboten, also der Kauf eines Parkscheins per Mobiltelefon. Mehrere Städte und Verkehrsverbünde offerieren zudem Straßenbahn- und Bustickets via Handy, etwa Bielefeld, Hamburg, Nürnberg und Münster sowie der Verkehrsverbund Mittelsachsen und der Verkehrsverbund Rhein-Sieg. Aber, Hand aufs Herz: Wer hat diese Angebote schon (mehr als) einmal genutzt?

Der in einigen Regionen Deutschlands angebotene Dienst „HandyTicket„, eine Gemeinschaftsinitiative von inzwischen 14 Verkehrsunternehmen, zählte im Frühjahr vergangenen Jahres zum zweijährigen Bestehen gerade einmal 40.000 Kunden, die insgesamt 500.000 Tickets gekauft hatten.

In den vergangenen zwölf Monaten sind laut den Angaben auf der Website des Angebots, lediglich 20.000 hinzugekommen. Kein Wunder, seit April 2008, als sich Erfurt zum Beitritt entschlossen hat, wurde das Angebot auch auf keine weitere Region ausgedehnt.

Das Angebot HandyTicket ist in Deutschland noch lange nicht flächendeckend verfügbar (Screenshot: ZDNet).
Das Angebot HandyTicket ist in Deutschland noch lange nicht flächendeckend verfügbar (Screenshot: ZDNet).

Wo Bezahlen mit dem Handy funktioniert

Ganz anders sieht es in Ostafrika, genauer gesagt in Kenia, aus: „M-Pesa„, ein Kunstwort zusammengesetzt aus dem Kürzel „M“ für mobile und der Swahili-Vokabel „Pesa“ (Bargeld), kennt dort nahezu jeder. Die Mobilfunkgesellschaft Safaricom bietet den mobilen Bezahldienst in Zusammenarbeit mit Vodafone seit 2007 an. Innerhalb von drei Jahren stieg die Nutzerzahl von 50.000 auf fast zehn Millionen. Bei einer Gesamtbevölkerung von 39 Millionen Menschen ist das ein Riesenerfolg.

Anders als die unterschiedlichen Handy-Bezahlangebote für eng abgegrenzte Einsatzbereiche in Deutschland dient „M-Pesa“ quasi als direkter Bargeld-Ersatz: Bei mehr als 11.000 Händlern, oft Tankstellen, Supermärkten oder Internetcafés, lässt sich Bargeld einzahlen. Auf dieser Basis kann dann jeder direkte, bargeldlose Übertragungen vom eigenen M-Pesa-Guthaben an andere M-Pesa-Nutzer vornehmen. Der Service funktioniert auch umgekehrt: M-Pesa-Agenten zahlen auch Bargeld von einem M-Pesa-Guthaben aus.

Innerhalb kürzester Zeit hat sich der Service fest im Alltagsleben etabliert. Standard ist das Verfahren in vielen Supermärkten. Auch Schulgebühren, Strom- und Wasserrechnungen lassen sich jetzt via Handy bezahlen, Fahrkarten können so gebucht werden. Immer mehr Unternehmen zahlen die Löhne mittels „M-Pesa“ aus und sogar einige Damen des horizontalen Gewerbes offerieren den modernen Zahlservice.

Themenseiten: Handy, IT-Business, Kommunikation, Technologien

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2 Kommentare zu Mobile Payment: eine afrikanische Erfolgsgeschichte

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  • Am 12. Juni 2010 um 12:46 von frank

    Was ist mit den Risiken?
    Interessanter Artikel, aber warum werden nicht auch die vielfältigen Risiken beleuchtet? Siehe auch PayPAl mit seinen AGBs und den Nachteilen für den Kunden in einigen nicht zu unterschätzenden Fällen.

  • Am 30. Juni 2010 um 21:32 von jreiner

    Kartenersatz für nicht-Kontoinhaber
    In Europa zahlt man einfach und schnell mit EC- oder Kreditkarte.

    Da in Kenia nur 15 % ein Konto besitzen, besitzen auch nur 15 % eine Kreditkarte oder Vergleichbares. Das Handy wird dort zum Kartenersatz. Wegen des Erfolgs von EC- und Kreditkarten ist sowas in Europa jedoch kaum denkbar.

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