Neue Facebook-Funktionen rufen Datenschützer auf den Plan

Bestimmte Profildaten gibt das Netzwerk mit der "umgehenden Personalisierung" ungefragt an Drittanbieter weiter. Die EFF und MoveOn.org sprechen von schweren Verletzungen der Privatsphäre. Auf Facebook wurde eine Protestgruppe eingerichtet.

Logo von Facebook

Die zusammen mit der Open-Graph-Schnittstelle eingeführte „umgehende Personalisierung„, also die Weitergabe von Facebook-Profildaten an Dritte, hat heftige Reaktionen der Electronic Frontier Foundation (EFF) und der amerikanischen Bürgerrechtsgruppe MoveOn.org hervorgerufen. MoveOn.org hat eine Protestgruppe unter dem Titel „Respektiert meine Privatsphäre“ auf Facebook gegründet, der mittlerweile fast 50.000 Mitglieder angehören.

„Facebook hat ein neues Programm gestartet, das Ihre Daten und die Ihrer Freunde an externe Websites weitergibt – ob Sie das wollen oder nicht“, schreibt MoveOn.org. „Sie nennen es ‚umgehende Personalisierung‘, wir nennen es eine schwere Verletzung Ihrer Privatsphäre.“ Wer sich dem Protest anschließen will, kann der Facebook-Gruppe beitreten und eine Online-Petition unterzeichnen.

Die Taktiken von EFF und MoveOn.org sind unterschiedlich. In einem sind sie sich jedoch einig: Das Soziale Netzwerk sollte nicht mit so tiefgreifenden Änderungen der Datenschutzbestimmungen davonkommen.

„Als Facebook begann, war es ein privater Kommunikationsraum für eine ausgewählte Gruppe von Menschen“, ist in einer Chronik der Facebook-Datenschutzeinstellungen von EFF zu lesen. „Bald entwickelte es sich zu einer Plattform, auf der viele Informationen als Standard öffentlich waren. Heute ist es ein Medium, bei dem Sie keine andere Wahl haben, als bestimmte Informationen öffentlich zu machen. Diese veröffentlichten Informationen können von Facebook an Partnerunternehmen weitergegeben und zur Platzierung von Werbung genutzt werden.“

Die jüngsten Änderungen im Zusammenhang mit „Open Graph“ wurden auf der Entwicklerkonferenz F8 im April bekannt gegeben. Unter anderem macht Facebook jetzt in der Grundeinstellung mehr Profildaten öffentlich. Sie kann Facebook zum Beispiel über „soziale Zusatzprogramme“ an Partner-Sites weitergeben. Laut Facebook gehören zu diesen öffentlichen Daten der Name, das Geschlecht, das Profilbild und die Verbindungen eines Nutzers. Weitere Daten können die Drittanbieter nach Zustimmung des Anwenders abfragen.

In einer Stellungnahme des Unternehmens heißt es: „Das Pilotprojekt ‚umgehende Personalisierung‘ ist die Weiterentwicklung einer Idee, auf die sich Facebook seit der Gründung konzentriert hat: einen einfachen Weg zu eröffnen, Dinge mit Freunden zu teilen. Wir hoffen, dass sich die Anwender die Zeit nehmen, unsere Beta-Partnersites Yelp, Pandora und schließlich auch Docs.com auszuprobieren, anstatt die größere Personalisierung von Websites spontan abzulehnen …

Durch die ‚umgehende Personalisierung‘ veröffentlicht man keine Informationen, die nicht ohnehin auf den jeweiligen Sites erscheinen. Durch den Import von Kontaktdaten kann man auch so seine Freunde auf Pandora und Yelp finden. Viele Anwender haben ihre Namen jetzt schon auf Yelp oder ihre Lieblingskünstler auf Pandora veröffentlicht. Die ‚umgehende Personalisierung‘ erspart lediglich einen Arbeitsschritt und hebt Ihre Freunde, deren Aktionen und deren Interessen besser hervor.“

Themenseiten: Big Data, Datenschutz, Facebook, Facebook, Internet, Networking, Privacy, Soziale Netze

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