Microsoft setzt mit Internet Explorer 9 auf Videocodec H.264

Laut IE-Chef Dean Hachamovitch sprechen für H.264 die weite Verbreitung, GPU-Beschleunigung und lizenzrechtliche Bedenken beim Konkurrenzstandard Ogg Theora. Mozilla-Mitarbeiter werfen Microsoft eine Verunsicherungstaktik vor.

Microsoft hat sich im Streit um das für HTML 5 verwendete Videoformat zu H.264 bekannt. Damit stellt sich der Konzern auf die Seite von Apple und gegen Mozilla und Opera, die das freie Konkurrenzformat Ogg Theora favorisieren.

IE-Chef Dean Hachamovitch (Bild: Microsoft)
IE-Chef Dean Hachamovitch (Bild: Microsoft)

„Was HTML 5 angeht, wird Internet Explorer 9 ausschließlich H.264-Video unterstützen“, schreibt Internet-Explorer-Chef Dean Hachamovitch in einem Blogbeitrag. Als Begründung führt er an, dass H.264 in der Computerindustrie weit verbreitet sei. Man finde es in vielen Videokameras und auf Websites wie Youtube.

Das H.264-Format profitiere auch von der vorhandenen GPU-Hardwarebeschleunigung, durch die sich HD-Clips auf nahezu allen Systemen ruckelfrei abspielen lassen. Außerdem gebe es noch einige Fragen bei den Nutzungsrechten des Hauptkonkurrenten Ogg Theora.

Der HTML-5-Web-Standard sieht lediglich eine Video-Unterstützung vor. Welcher Codec dabei verwendet wird, ist bislang noch nicht festgelegt.

Mozillas Firefox ist Open-Source-Software und unterstützt Ogg Theora. Noch bis 2015 kann man H.264 kostenlos nutzen. Wie es dann weitergeht ist unklar. Wollte Mozilla den Codec lizenzieren, müsste es rund fünf Millionen Dollar an die MPEG LA (MPEG Licensing Administration) zahlen, die die Rechte verwaltet. Damit könnte Mozilla aber immer noch nicht den Standard als Open-Source-Code weitergeben. Das verkomplizierte die Arbeit von Entwicklern, die Mozilla-Code in ihren Projekten verwenden.

Hachamovitch hat offensichtlich Zweifel, dass Ogg Theora patentrechtlich sicher ist, obwohl er den Namen des Codecs nicht explizit erwähnt. „Die Unterscheidung zwischen der Verfügbarkeit des Quellcodes und dem geistigen Eigentum an diesem verfügbaren Code ist entscheidend. Gegenwärtig sind die Rechte an H.264 durch die klaren Richtlinien der MPEG LA leicht verfügbar. Die Rechte an anderen Codecs sind häufig weniger klar“, schreibt er.

Mit diesen Äußerungen stößt der Microsoft-Mann bei den Ogg-Theora-Anhängern auf Unverständnis. Chris Blizzard von Mozilla twitterte: „Das ist natürlich keine Überraschung. Traurig ist nur, dass Microsoft noch etwas Verunsicherung in eine einfache Mitteilung mischen muss.“

Laut Mozillas Vice President Harvey Anderson verhindert kein Urheberrecht die Nutzung von Ogg Theora. Der Codec wurde ursprünglich als VP3 von dem Unternehmen On2-Technologies entwickelt. Google hatte On2 Anfang 2010 gekauft, die Ogg-Theora-Technik wurde aber zur freien Verfügung gestellt. Den von On2 entwickelten Nachfolger V8 will Google auf der I/O-Konferenz im Mai als Open-Source-Software verfügbar machen.

Google Chrome unterstützt sowohl H.264 als auch Ogg Theora, während Apples Safari nur H.264 verwendet. Opera 10.5 setzt wie Firefox auf Ogg Theora. Weil Google auf der TestTube-Site H.264 einsetzt, ist es zwischen dem Suchmaschinen-Anbieter und Mozilla bereits zu einem Streit gekommen.

Themenseiten: Browser, Chrome, Firefox, HTML 5, Internet, Internet Explorer, Microsoft, Opera, Safari, YouTube

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