Alcatel-Lucent beschleunigt DSL auf 300 MBit/s

Die Technik "DSL Phantom Mode" nutzt herkömmliche Kupferleitungen. Bei einem Kilometer Entfernung sind noch Geschwindigkeiten von 100 MBit/s im Downstream möglich. Die Technik basiert auf einem Verfahren aus dem 19. Jahrhundert.

Bell-Labs, eine Forschungsabteilung von Alcatel-Lucent hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich über zwei gebündelte Kupferleitungen Download-Geschwindigkeiten von bis zu 300 MBit/s erzielen lassen. Die Technik könnte laut einer Pressemitteilung des Unternehmens die Lebenszeit von auf Kupferleitungen basierenden Breitband-Netzwerken verlängern, trotz der Konkurrenz durch moderne Techniken wie Glasfaser.

„Mit diesen Geschwindigkeiten könnten Netzwerkanbieter die Möglichkeiten ihrer bereits bestehenden Kupfer-Infrastruktur, so wie sie auf der ganzen Welt weit verbreitet ist, maximieren. Gleichzeitig könnten sie die Nachfrage nach Triple-Play-Angeboten für Privathaushalte (Telefon, Internet, Fernsehen) und den Bedarf professioneller Anwender für die nächsten Jahre befriedigen“, so der Netzwerkausrüster weiter.

Die Bandbreite von 300 MBit/s wird laut Bell-Labs mit einer Technik erreicht, die in der Analog-Telefontechnik seit 1882 bekannt ist, und seit 1886 verwendet wird: dem „Phantom Mode“. Dabei überträgt man einen virtuellen dritten Kanal, eine Phantomleitung, über zwei doppelte Kupfertelefonleitungen (Twisted-Pair). Dank dieses Kniffs können beide Leitungen mehr Daten übertragen.

Allerdings vermehren sich durch die Phantomübertragung auch die Störsignale. Mit einer zweiten Technik – dem Vectoring – wird das Rauschen beseitigt. Durch Bündelung – der dritten Technik, die zum Einsatz kommt – lassen sich die Signale, die über die beiden Leitungen kommen, zusammenfassen. Sie verhalten sich dann so, als kämen sie über eine einzige Leitung.

Im Labor wurde mit diesen Techniken laut Alcatel-Lucent eine Downstream-Geschwindigkeit von 300 MBit/s über 400 Meter erzielt. Bei einer Entfernung von bis zu einem Kilometer betrug die Download-Geschwindigkeit immer noch 100 MBit/s.

„Der DSL Phantom Mode ist solch ein bedeutender technischer Durchbruch, weil er die neueste Technik mit einem attraktiven Geschäftsmodell verbindet. Dadurch ergeben sich für Telefonanbieter völlig neue Verdienstmöglichkeiten, weil sie die neuesten Breitband-Dienstleistungen anbieten und dabei die bestehende Netzwerk-Infrastruktur nutzen können“, sagt Gee Rittenhouse, Forschungsleiter bei Bell Labs.

Anwender müssen zwei Telefonleitungen in ihrem Haus haben, um die Alcatel-Lucent-Technik nutzen zu können. Zusätzlich benötigen sie ein spezielles Modem. Alcatel-Lucent untersucht gerade, wie Netzwerkanbieter die Technik am besten einsetzen können.

Ericsson hatte 2009 mit „Vectorised VDSL 2“ Geschwindigkeiten von bis zu 500 MBit/s über Kupferkabel erzielt. Hierzu benötigt man allerdings sechs gebündelte Telefonleitungen.

Themenseiten: Alcatel-Lucent, Breitband, Forschung, Kommunikation, Telekommunikation

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