Erneut Kartellbeschwerde bei der EU über IBMs Mainframe-Business

Sie stammt von TurboHercules aus Frankreich. Das Unternehmen bietet einen Open-Source-Mainframe-Emulator an. Die Kritik richtet sich gegen die Bindung von IBMs Mainframe-Betriebssystem an die eigene Hardware.

TurboHercules hat bei der Generaldirektion Wettbewerb der EU, die unter der Leitung von Kommissar Joaquín Almunia steht, eine Kartellbeschwerde gegen IBM eingereicht. Der Serverhersteller soll seinen Kunden untersagen, sein Mainframe-Betriebssystem auf anderer als IBM-Hardware auszuführen.

Das französische Unternehmen bietet unter der Bezeichnung Hercules einen Mainframe-Emulator an, der unter einer Open-Source-Lizenz steht. Nach Herstellerangaben ermöglicht er es, Mainframe-Anwendungen von Kunden unter Betriebssystemen wie Linux oder Windows und auf günstigen Hardware-Plattformen mit AMD– und Intel-Prozessoren auszuführen.

„Durch die Bindung des Mainframe-Betriebssystems an eigene Hardware hält IBM Kunden davon ab, Hercules zu nutzen“, sagt TurboHercules-Vorstand Roger Bowler. Sein Unternehmen könne keine Produkte an Kunden verkaufen, die nach einer Open-Source-Lösung suchen.

TurboHercules habe entschieden, Beschwerde einzureichen, weil IBM seine Bemühungen zum Schutz seines Mainframe-Monopols auf Open-Source-Lösungen ausgeweitet habe. „Wir sind nicht gegen IBM eingestellt“, sagte Bowler. Man Habe IBM gebeten, das Mainframe-Betriebssystem zu vernünftigen und fairen Bedingungen an Kunden zu lizenzieren, um unter bestimmten Bedingungen eine Verwendung mit Hercules zu ermöglichen. IBM habe die Anfrage nicht nur zurückgewiesen, sondern nach rund zehn Jahren Entwicklung von Hercules behauptet, der Open-Source-Emulator verletze IBM-Patente.

Wie The Register berichtet, hat TurboHercules die Wettbewerbshüter in Brüssel aufgefordert, IBM anzuweisen, die Bindung seiner Mainframe-Technologien zu beenden und Wettbewerbern zugehörige Schnittstellen und Protokolle zur Verfügung zu stellen. Ein IBM-Sprecher erklärte, er könne die Vorwürfe nicht kommentieren, da IBM bisher keine Beschwerde vorliege.

Im vergangenen Oktober hatte die US-Justiz eine Kartelluntersuchung von IBMs Position im Mainframe-Markt angekündigt. Die EU stellte dafür Informationen zur Verfügung. Ein EU-Sprecher erklärte damals, man habe keine offiziellen Ermittlungen eingeleitet, beobachte aber den Markt für Großrechner. Ähnliche Vorwürfe wie TurboHercules erhob im Januar 2009 auch T3 Technologies gegen IBM.

Themenseiten: Betriebssystem, Business, European Union, IBM, Server, Servers

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