Verbraucherschutzministerin Aigner erneuert Kritik an Google Street View

Ihrer Meinung nach muss der Internetkonzern die Bürger umfassend über Widerspruchsmöglichkeiten informieren. Jeder Widerspruch sei zudem einzeln umzusetzen. Aigner: "Vorher darf der Dienst in Deutschland nicht ans Netz gehen."

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat erneut Kritik an Googles Kartendienst Street View geübt und neue Forderungen an den Internetkonzern gestellt. Es sei nicht akzeptabel, dass sich Bürger erst online informieren müssten, ob ihr Haus fotografiert und ins Web gestellt worden sei, sagte Aigner dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Google müsse zudem jeden einzelnen Widerspruch umsetzen, vorher dürfe der Dienst in Deutschland nicht ans Netz gehen.

„Google muss die breite Öffentlichkeit über das Projekt und die Widerspruchsmöglichkeiten informieren, etwa mit Anzeigen in der Presse“, so Aigner in Anlehnung an eine Forderung der EU-Datenschutzkommission. Auch der weltweit größte Internetkonzern habe zu akzeptieren, dass ein Teil der Gesellschaft das Netz nicht nutze.

Schon seit Wochen schießt die Verbraucherschutzministerin gegen Google. „Kein Geheimdienst dieser Welt würde so ungeniert auf Bilderjagd gehen. Bereits heute besitzt der Suchmaschinen-Konzern Google genauere Personenprofile als jede Regierung dieser Welt“, sagte sie Anfang Februar im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

Ähnlich sieht es auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Peter Schaar, der strengere Datensammelregeln für Internetkonzerne fordert. Google oder Facebook praktizierten auch „eine Art Vorratsdatenspeicherung“, sagte er dem Focus. Daher müssten die in Deutschland und Europa gültigen Bestimmungen auch für private Datensammler gelten.

Zur Vorbereitung auf den für dieses Jahr geplanten Start von Street View in Deutschland will Google sein Entwicklungszentrum in München verstärken. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, wird der Internetkonzern die Mitarbeiterzahl in der Deutschlandzentrale von derzeit rund 70 auf knapp 100 aufstocken. Die zusätzlichen Kräfte sollen sich vor allem um die Verbesserung des Datenschutzes kümmern.

Themenseiten: Big Data, Datenschutz, Google, Internet, Politik

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2 Kommentare zu Verbraucherschutzministerin Aigner erneuert Kritik an Google Street View

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  • Am 9. März 2010 um 9:40 von Paul

    Datenschutz und Polemik
    Was sind Daten und was sind Bilder?
    StreetView enthält keine Daten über einzelne Personen sondern Straßenbilder, WAS ist daran so schlimm?
    All das gibt es von den Vermessungsämtern auch, ABER kostenpflichtig und es gibt etliche andere Dienste die selbiges machen, warum immer auf Google zeigen und nicht objectiv einfach das Problem besprechend wenn es den eines ist.
    Eine Ministerin sollte sich zuvor genauer informieren und nicht polemisieren.

    Geändertes Zenario: Google bittet alle Bürger entsprechende Bilder einzustellen um daraus eine Streetview zu bauen, verbietet dann der deutsche Staat, das wir fotografieren dürfen?

    Wie gesagt, die DDR läßt grüßen

    • Am 9. März 2010 um 10:40 von Frank-D

      AW: Datenschutz und Polemik
      ich mag diese uninformierte Google-Hetze von Politikern, die nur eine Schlagzeile wollen auch nicht.
      Wieso hat google bessere „genauere Personenprofile als jede Regierung der Welt“? Weil man nach Personen googeln kann? Das ist die Aufgabe einer Suchmaschine. Daten werde bei google prinzipiell nicht personenbezogen gespeichert (was Suchanfragen etc. angeht). Es sei denn es geht um die personalisierten Dienste wo dies eine Grundvoraussetzung ist. Wenn man ein Mailbetreiber ist, muss man natürlich die Mails personenbezogen speichern…
      Andere Daten löscht google freiwillig nach einem halben Jahr (IP-Adressen etc.).
      Mit ihren blöden Klagen wegen Fotos vom öffentlichen Raum, wie sie sonst jeder einfach machen kann, werden solche Publicity-geilen Politiker noch erreichen, das bald keine solchen innovativen Dienste mehr in Deutschland angeboten werden können.

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