Patentklage gegen HTC: Apples Angriff auf Google

Das von HTC für Google gefertigte Smartphone Nexus One verstößt laut Klageschrift gegen Apple-Patente. Der Stein des Anstoßes sind die Multitouch-Fähigkeiten des Android-Handys, die Google erst kürzlich aktiviert hat.

Die gestern bekannt gewordene Patentklage von Apple gegen den taiwanischen Handyhersteller HTC ist eine klare Kampfansage des iPhone-Herstellers an Google. Deren Betriebssystem Android kommt auf dem von HTC für Google gefertigten Nexus One zum Einsatz. Und dessen Fähigkeit zu Multitouch-Eingaben ist der Stein des Anstoßes. Diese und andere Funktionen verstoßen nach Ansicht Apples gegen eigene Patente.

Spätestens seit Google-Chef Eric Schmidt aus dem Apple-Aufsichtsrat im August 2009 ausgeschieden ist, stehen die Weichen zwischen den beiden Firmen auf Konfrontation. Die einstigen Partner im gemeinsamen Kampf gegen Microsoft werden zusehends zu Konkurrenten, die sich öffentliche Gefechte liefern. Dass Apple mit der Patentklage auch gegen seinen größten Kunden vorgeht, ist dabei nur eine Randnotiz. Offenbar ärgert sich Steve Jobs so sehr über den Erfolg der Google-Handys – nach Angaben von Schmidt werden täglich 60.000 Android-Handys abgesetzt – , dass er auf gute Kundenbeziehungen keinen Wert mehr legt.

Während der Kampf der Giganten im Smartphone-Markt mit der Klage Apples nun voll entbrannt ist, darf man davon ausgehen, dass auch in anderen Bereichen ein Zusammentreffen zwischen den beiden Firmen nicht mehr freundschaftlich geprägt ist. Angeblich verhandelt Apple schon heimlich mit Microsoft, sodass möglicherweise statt google.com als Suchmaschine auf dem iPhone bald bing.com voreingestellt ist. Google Maps könnte ebenfalls zugunsten von bing maps vom iPhone fliegen.

Das Gleiche könnte auf dem Desktop passieren. Während iPhone-Anwender noch zwischen Google und Yahoo! als Suchmaschine wählen können, steht diese Möglichkeit unter dem Safari-Browser auf den Notebooks und Desktop-Maschinen von Apple nicht zur Verfügung. Vermutlich lässt sich Google das Mac-Monopol einiges kosten. Sobald die vertraglichen Bindungen zwischen den beiden Firmen ausgelaufen sind, darf man davon ausgehen, dass auch auf Macs eine Auswahl der Suchmaschine möglich ist.

Auch im stark wachsenden Netbook-Markt ist das Konfliktpotential zwischen den beiden benachbarten Firmen groß. Während das im Januar vorgestellte Apple-Tablet iPad bereits Ende März ausgeliefert werden soll, sind Netbooks mit Chrome OS noch Mangelware. Erst gegen Ende des Jahres sollen Geräte mit dem neuen Google-Betriebssystem erhältlich sein.

Der Zukauf des auf mobile Geräte spezialisierten Werbedienstleisters Quattro Wireless Anfang des Jahres macht deutlich, das Apple auch im lukrativen Werbemarkt – einer klaren Google-Domäne – mitmischen will. Zudem sind sich die beiden Firmen auch bei der Übernahme des Musikstreaming-Dienstes Lala ins Gehege gekommen. Apple konnte die Firma noch gerade vor Google kaufen. Angeblich plant der Internet-Gigant ebenfalls einen Musikdienst wie iTunes.

Für weitere Zukäufe steht Apple eine mit 25 Milliarden Dollar gefüllte Kriegskasse zur Verfügung. Auf der Jahreshauptversammlung Ende Februar sprach Jobs davon, dass er auch mal einen riskanten Zukauf tätigen wolle. Wenn er damit Facebook gemeint hat, erreicht der Kampf um den Werbemarkt der Zukunft, den viele Branchenkenner in Sozialen Netzwerken sehen, eine neue Dynamik und Google hätte einen neuen Konkurrenten in ihrem Kerngeschäft.

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