Microsoft lässt Whistleblower-Seite Cryptome schließen

Grund ist ein vertrauliches Microsoft-Dokument zum Umgang mit Strafverfolgungsbehörden. Der Softwarehersteller sieht darin eine Verletzung des Digital Millennium Copyright Act. Der Betreiber sieht die Veröffentlichung durch die Fair-Use-Klausel gedeckt.

Microsoft hat die bekannte Whistleblower-Site cryptome.org schließen lassen. Anlass war, dass deren Betreiber John Young ein vertrauliches Dokument veröffentlichte, in dem Microsoft erläutert, auf welche Daten Strafverfolgungsbehörden von Microsofts Online-Diensten wie Hotmail, Live Spaces, Xbox Live oder Live Messenger zugreifen können.

Seit Jahren versuchen zahlreiche Unternehmen und Ämter die Site schließen zu lassen, die mehrere tausend Dokumente hostet, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Ihre bisher brisanteste Enthüllung war eine Liste mit mehr als hundert Namen von Agenten des britischen Geheimdiensts MI6.

Microsoft konnte dieses Ziel jetzt wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Urheberrecht erreichen. Dazu genügte ein einfaches Formular, das es seit Inkrafttreten des Digital Millennium Copyright Act (DMCA) gibt. Der Provider Network Solutions nahm die Site noch vor Ablauf der Frist und trotz Gegenklage des Betreibers vom Netz.

Young argumentierte, dass die Veröffentlichung durch die Fair-Use-Klausel gedeckt sei, die im DMCA verankert ist. Derzeit kann man Cryptome über eine Ausweich-URL erreichen. Das US-Magazin Wired hat zudem das fragliche Dokument veröffentlicht.

Aus dem „Global Criminal Compliance Handbook“, wie das Dokument heißt, geht unter anderem hervor, dass Microsoft jede IP-Adresse, mit der sich Benutzer bei Xbox Live anmelden, registriert und speichert. Dagegen laufen Datenschützer Sturm, obwohl die Information im Fall eines Diebstahls auch dazu genutzt werden kann, das Gerät wieder ausfindig zu machen, sobald die Spielkonsole mit dem Internet verbunden wird.

Microsoft speichert zudem die letzten zehn Log-ins mit einer Windows Live ID. Im Fall einer Strafverfolgung übermittelt es diese Daten an die Behörden. Das Unternehmen gibt jedoch Regeln vor, für welche Informationen ein Gerichtsbeschluss erforderlich ist.

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