Justizministerin kritisiert Googles „Riesenmonopol“

Besonders Google Earth und Street View hält die Politikerin für bedenklich. Vom Internetkonzern fordert sie mehr Transparenz für den Nutzer. Google selbst sieht keinen Handlungsbedarf.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat in einem Interview mit dem „Spiegel“ die Strategie und Marktmacht von Google scharf kritisiert. Die Justizministerin verlangt ein verschärftes Datenschutzgesetz, das den Spielraum von Google stark einschränken würde. Ihr sei vor allem die bedrohliche Entwicklung zu einem „Riesenmonopol, ähnlich wie Microsoft“ negativ aufgefallen.

Die Dienste Google Earth und Street View hält sie für besonders bedenklich und sogar „rechtlich unbedingt prüfenswert“. Für Google Street View werden weltweit komplette Straßenansichten abfotografiert, und Google Earth zeigt auf Satellitenaufnahmen unter anderem viele private Grundstücke.

Zudem forderte Leutheusser-Schnarrenberger mehr Transparenz für den Nutzer. Google sei dazu verpflichtet, die Nutzer aufzuklären, was mit ihren Daten geschehe. „Da sehe ich eine Bringschuld bei den Unternehmen, da ist vieles noch sehr verbesserungswürdig“, so die FDP-Politikerin. Wenn das nicht geschehe, sehe sie keine andere Möglichkeit, als den Gesetzgeber einzuschalten.

Die Kritik an der mangelnden Übersichtlichkeit wies Google zurück. Unternehmenssprecher Kay Oberbeck sagte, dass es ein grundlegender Bestandteil aller Dienstleistungen und der Entwicklung neuer Produkte sei, den Nutzern volle Transparenz zu gewährleisten.

Doch Schnarrenberger übte im Spiegel-Interview nicht nur Kritik an dem Suchmaschinenbetreiber. Auch hoffe sie auf einen Stopp des Gesetzes für Internetsperren gegen Kinderpornografie durch den Bundespräsidenten Horst Köhler. Er hat das umstrittene und möglicherweise verfassungswidrige Gesetz noch nicht unterschrieben, sondern die Bundesregierung um weitere Informationen gebeten. FDP, Linke, Grüne und natürlich die Piratenpartei wollen das Gesetz komplett kippen und vielmehr dafür sorgen, dass kinderpornografische Inhalte erst gar nicht im Internet auftauchen.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sieht bei Google ein dem von Microsoft ähnliches "Riesenmonopol".
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sieht bei Google ein dem von Microsoft ähnliches „Riesenmonopol“ (Wahlkampffoto: Leutheusser-Schnarrenberger, eingestellt bei Flickr).

Themenseiten: Google, Internet, Suchmaschine

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2 Kommentare zu Justizministerin kritisiert Googles „Riesenmonopol“

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  • Am 12. Januar 2010 um 10:36 von Paul

    Justizministerin lenkt von wichtigeren Problemen ab
    Ich bin seit es Google gibt ein begeisterter Nutzer von Google Earth. Dieses Tool wird auch kommerziell sehr intensiv genutzt. Dieser Dienst ist weltweit nutzbar, für mich als Privatperson sogar kostenlos.

    WAS PASST DER DEUTSCHEN JUSTIZ DARAN NICHT?

    Endlich etwas jugendfreies, lesenswertes, interessantes und bildendes das durch unser aller Input noch interessanter wird.
    Immer wenn deutsche Beamte oder Politiker sich zum Internet äußern wird es peinlich.
    Ich nutze Streetview selten, aber was ist daran schlimm? Ich darf als Privatperson diese Straßen befahren, somit kann ich alle diese Häuser sehen wenn ich es will. Das mir Google dies auch virtuell sehen läßt ist doch nichts schlimmes.
    Es wäre wünschenswerter wenn sich unsere Justiz um UBahntotschläger und Sittenstrolche kümmert und gegebenenfalls deren Wohnort in GoogleEarth veröffentlichen würde damit Eltern gewarnt sind.
    Oder wenn Bischöfe ihre Pfarrer wegen Sexualdelikte strafversetzen und die neue Gemeinde nicht gewarnt wird vor solchen Wölfen im Schafspelz. Sie sollte mal diese Bischöfe zur Verantwortung ziehen anstatt uns einer Zensur zu unterziehen.

    • Am 12. Januar 2010 um 16:18 von Joachim

      AW: Justizministerin lenkt von wichtigeren Problemen ab
      Tut mir leid, Paul. So vertrauensselig bin ich nicht. Gerade der Datenkrake Google kann man kein Vertrauen entgegen bringen. Wenn hier im Netz von Stasi 2 in anderem Zusammenhang die Rede ist, so kann man bei Google mit Fug und Recht von Super-Stasi sprechen. Ich möchte nicht, dass mein Haus von Google gescannt werden kann, es reicht schon, wenn ich auf Google – Earth mein Auto neben meinem Haus sehen muss. Was passiert denn mit den so möglicherweise gesammelten Infornmation? Ich will den Rest meiner heute schon arg eingeschränkten Privatsphäre behalten. Wenn jemand unbedingt schauen will, was in anderen Straßen z.B. auf meinem Grundstück passiert, dann soll er gefälligst herkommen und schauen. Und wenn derjenige zu neugierig ist, dann kann ich das zur Not unterbinden. Mal abgesehen davon: Wenn die „Nachtschlosser“ nicht einmal mehr sich vor Ort über lohnende Einbruchsobjekte informieren brauchen, sondern sich nur noch auf Stretview umsehen müssen, wo die Villa steht, die wahrscheinlich ihr nächster „Einsatzort“ sein wird und gerade Dein Haus das Objekt der Begierde ist, wirst Du schnell anders denken. Deshalb hat Frau Leutheuser-Schnarrenberger, mit der ich zumeist nicht einer Meinung bin, hier völlig Recht.

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