Die Zukunft des PCs in der Cloud

Cloud Computing ist noch lange nicht abschließend definiert. Eines ist aber bereits klar: Der bereits begonnene Bedeutungsverlust des PCs wird durch die Cloud noch beschleunigt. Andere Konzepte gewinnen dagegen an Attraktivität.

Viel wird momentan über das Thema „Cloud Computing“ diskutiert. Interessant dabei ist, dass es bis heute keine klare Definition dieses Begriffes gibt und von ganz alltäglichen Web-Anwendungen, über Daten- und Applikations-Services bis zum Virtual Desktop vieles darunter verstanden wird.

Beschäftigt man sich nicht primär mit den Eigenschaften der Cloud, sondern geht einfach einmal der Frage nach, welche Rolle der PC in ihr in Zukunft spielen wird, lässt sich folgende Definition für die über das „normale“ Internet hinausgehende Funktionen als Arbeitsgrundlage verwenden:

  1. Daten und Applikationen werden über ein Web-Interface zur Verfügung gestellt und auf Servern in der Cloud ausgeführt
  2. Applikationen werden in der Cloud ausgeführt und über kleine Applets oder Programme auf Clients dargestellt
  3. Betriebssystem und Applikationen werden in der Cloud ausgeführt und über „Remote Sessions“ auf Clients projiziert
  4. Daten werden zentral vorgehalten und/oder gesichert
  5. Mit der sehr weiten Verbreitung von Breitband- und 3G-Verbindungen ist ein „Immer-Online-Betrieb“ realisierbar

Unter diesen Voraussetzungen stellt sich die Frage, auf welche Art der Zugriff auf die Cloud erfolgen wird. Wir sind daran gewöhnt, dass es auf diese Frage nur eine Antwort gibt: via PC. Über die letzten 20 Jahre hat sich die installierte Rechenleistung von Mainframes über Mini-Computer hin in die PCs verlagert, mit der Folge, dass diese immer höhere Rechenleistung benötigten und Daten auf den lokalen PCs sehr dezentral, oft unkontrolliert und ohne Backup verwaltet werden. Der PC entwickelte sich aufgrund seiner offenen Architektur und Vielfältigkeit mit der Zeit zum „Schweizer Messer“ der IT-Industrie.

Ein neuer Paradigmenwechsel

Betrachtet man die oben genannte Definition von Cloud Computing näher, fällt auf, dass ein erneuter Paradigmenwechsel stattfindet. Applikationen, die früher auf jedem einzelnen PC ausgeführt wurden, sind jetzt im Web verfügbar und zwar basierend auf Browser-Schnittstellen, zum Beispiel Google Apps.

Verschiedene Betriebssysteme werden auf Firmen-Servern oder auch zentral in der Cloud auf virtualisierten Servern, zum Beispiel der IBM Virtual Client Solution, zur Verfügung gestellt und auf die Clients projiziert. Ein wichtiger Vorteil ist die zentrale Verwaltung von OS, Daten und Applikationen, ein anderer die Möglichkeit, statt immer leistungsstärkerer PCs auch Thin Clients einsetzen zu können.

PC nicht mehr die einzige Lösung

Diese basieren aber in den meisten Fällen immer noch auf der etablierten PC-Architektur mit x86-CPU, einem Microsoft-Betriebssystem und bieten eine eingeschränkte, aber völlig ausreichende Leistung. Außerdem erlauben sie eine verbesserte Kostenstruktur und haben einen geringeren Energiebedarf.

Es ist aber interessant zu beobachten, dass das geliebte „Schweizer Messer“ PC nicht mehr die einzige und unter Umständen auch nicht mehr die beste Lösung ist. Zum ersten Mal seit langem bietet sich die Möglichkeit einer Diversifizierung des Client-Marktes mit klaren Vorteilen für die Anwender.

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Neueste Kommentare 

3 Kommentare zu Die Zukunft des PCs in der Cloud

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  • Am 1. Oktober 2009 um 17:11 von bluecoat

    …zum 1000. male
    Tja, wie lange wollen Sie uns das jetzt schon verkaufen? Zentralisierung zu Host-Zeiten, Dezentralisierung beginnend mit x86 und Dos/Windows, Rezentralisierung dieser System jetzt? Der PC ist schon lange totgesagt und lebt und lebt und lebt…nimmt man die Unterart der tragbaren Computer dazu, würde ich sagen er wächst und wächst und wächst, der Umsatz an Personalcomputern. Was immer vergessen wird -> Will ich -Kunde- das überhaupt? Will ich meine Bilder bei Google, will ich meine Dokumente in der Cloud, will ich abhängig sein von Onlinezugängen, will ich meine Umgebung öffnen für Verbindungsmöglichkeiten aller Art? Oder will ich einfach mal nur diese alberene Kiste da unterm Tisch einschalten und meine Ruhe haben? Nix zwitschern und nicht googeln, nicht im Messenger online sein oder über Webmail verfügbar? Vielleicht möchte ich einfach nur einen bitterbösen Brief an meinen Nachbarn verfassen, oder eine Liebeserklärung an meine Frau? Vielleicht möchte ich nur ein kurzes Spielchen wagen oder ein bischen was probieren in verschiedenen Programmiersprachen? Und zwar auf meinem eigenen Rechner, ohne Verbindung nach draußen, mit meinen Daten on Bord, mit ner dicken HDD im Bauch und einer heftigen GraKa mit Feuer unterm Hintern und mit einem Kühlerlüfter groß wie ein Wagenrad, damit ich meine Heizung im Büro ausstellen kann……Wie gesagt, vielleicht!

    • Am 5. Oktober 2009 um 16:00 von ltomiq

      AW: …zum 1000. male
      @bluecoat: Was meinen Sie mit "der PC ist schon lange tot gesagt"? Ich hatte in den letzten Jahren nicht das Gefühl, mit fat clients in eine Sackgasse zu investieren. Und bloß, weil nach 10 oder 20 Jahren mal eine alternative Tendenz aufkeimt, verliert doch nicht über Nacht alles Bewährte seine Relevanz.
      Ich glaube, da kann ich Sie beruhigen: Kein Mensch will Ihnen Ihren PC wegnehmen! Ich denke, Sie können damit noch viele tausend Libesbriefe an ihren Nachbarn schreiben. Damit werden Sie auch lange nicht alleine dastehen. Aber lassen Sie doch auch den Menschen Ihre Freude, die von Entwicklungen wie Cloud-Computing profitieren. Es gibt genügend Szenarien, in denen zentralisiertes Computing Sinn macht. Es ist ja auch nicht so, dass mit der Einführung der Elektroautos sofort alle Autos mit Verbrennungsmotor vom Markt genommen werden.
      Verschiedene Technologien für verschiedene Märtkte/Zielgruppen.
      Schön, DASS sich in der IT-Branche was tut, und zwar WEIL sich im Anforderungsprofil der Nutzer (nicht aller) eben auch was tut.

  • Am 16. März 2010 um 13:26 von Michael Mertig

    Cloud Computing
    Als Privatanwender kann man sicher keine redundante Breitbandverbindung realisieren, kleine Unternehmen sicher auch nicht. Was ist wenn meine Verbindung zur Telekom ausfällt (Bagger in Kabel). das wars dann mit der Wolke, vielleicht für Tage. Ich müsste also ein flächendeckendes System drahtloser Netzwerksverbindungen aufbauen, die ebenfalls ausfallen können. (Wer refinanziert das in bevölkerungsarmen Gebieten). Beispiel zum aktuellen Stand, Stadt Leipzig ADSL mit 16 MB, 10 km außerhalb immer noch nur 1MB- Bandbreite. Für die Cloud- Euphorie besteht bei einigermaßen Realität noch lange kein Grund. Oder welche Bank übergibt ihre Kundendaten einer anonymen Netzwerksverbindung, möglichst noch drahtlos. Ich muß in jedem Fall eine lokale IT- Struktur vorhalten um auf der sicheren Seite zu sein.
    Ihr Artikel ist ein reiner Lobbyartikel.
    Michael Mertig

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