AT&T: Google verletzt Netzneutralität

Der VoIP-Dienst Google Voice blockiert Telefonate in bestimmte Ortsnetze. Grund für die Sperre sind Google zufolge die erhöhten Anschlussgebühren, die kleine Telefongesellschaften fordern dürfen. Sie werden durch "Traffic Pumping" missbraucht.

AT&T wirft Google in einem offenen Brief an die US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) vor, gegen Prinzipien der Netzneutralität zu verstoßen. Der VoIP-Dienst Google Voice blockiere Anrufe in bestimmte US-Ortsnetze, schreibt der Telekommunikationskonzern. Dies verstoße gegen das vierte Prinzip des Internet Policy Statement (PDF) der FCC, das fairen Wettbewerb unter Netzwerkbetreibern und Anbietern von Software, Hardware oder Diensten fordert.

„Wenn es das Verbot der Rufunterdrückung offen ignoriert, von dem seine Konkurrenten betroffen sind, handelt Google in einer mit dem Geist der Vorgaben der FCC nicht vereinbaren Weise“, so Robert Quinn, Vice President von AT&T. „Ironischerweise setzt sich Google auch über das fünfte Prinzip der Nichtdiskriminierung hinweg, für das es sich so glühend eingesetzt hat.“

Googles Interessenvertreter in Washington, Richard Whitt, hat auf die Anschuldigung bereits in einem Blogeintrag geantwortet. Der Telekommunikationskonzern vergleiche Äpfel mit Birnen, schreibt er. Die Regeln für Netzbetreiber seien auf Google nicht anwendbar, das nur eine kostenlose Software anbiete, die keineswegs als Ersatz für einen Telefonanschluss gedacht sei. Man könne den Nutzern keinen Zugang zu Telefonnetzen bieten, die für eine solche Verbindung überhöhte Gebühren forderten.

Nach US-Gesetz dürfen kleine, ländliche Telefongesellschaften ihren großen Kollegen bis zu 100-mal höhere Vermittlungsgebühren als umgekehrt berechnen. Dies führt aber auch dazu, dass sich manche kleinen Netzbetreiber mit Anbietern von Sex-Chats oder auch Konferenzschaltungen zusammentun und die erhöhten Gebühren aufteilen, die die großen Netzbetreiber entrichten. Dies nennt man „Traffic Pumping„.

AT&T selbst hatte sich 2008 erstmals über dieses Verfahren beschwert. Da die Nutzer dieser Dienste meist eine Telefonflatrate gebucht hätten und somit nicht für die Mehrkosten aufkämen, sei 2007 ein Schaden in Höhe von rund 250 Millionen Dollar entstanden.

Kontext des Streits sind die von der Regierung Obama angestrebten Netzneutralitätsprinzipien für Telefondienstleister, die die FCC umsetzen soll. AT&T lehnt sie wie Konkurrent Verizon ab und argumentiert, Internet-Regeln wie die Netzneutralität ließen sich nicht einfach auf Mobilfunknetze übertragen.

Themenseiten: AT&T, Google, Networking, Netzwerk, Software, Telekommunikation, VoIP

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