Hersteller von Kinderschutz-Software verkauft belauschte Gespräche

Der Dienst Pulse der Firma Echometrix gibt Kindergespräche im Web in Echtzeit an Firmen weiter. Die Daten werden über die Software "Sentry Parental Controls" gesammelt. Datenschützer reden von "Spyware".

Die Kinderschutz-Software „Sentry Parental Controls sammelt Informationen über die Äußerungen von Kindern im Web und verkauft diese Daten in gebündelter Form an die Marketing-Abteilungen anderer Firmen, wie jetzt bekannt wurde. Nach Angaben des CEO der amerikanischen Herstellerfirma Echometrix, Jeffrey Greene, kann man mit den Daten keine einzelnen Anwender identifizieren. Ein Vertreter des Antivirensoftware-Herstellers TrendMicro bezeichnete „Sentry Parental Control“ dennoch als „schweren Fall von Spyware“.

In einem Interview sagte Greene, dass die Software dazu gedacht sei, Eltern zu warnen, wenn ihre Kinder in Foren oder Chats unerwünschte Gespräche führen. Deshalb benötige das Programm eine Aufzeichnungsfunktion, damit „wir die Kinder, ihre Gespräche und alles, was sie sehen, lesen, schreiben und anklicken, überwachen können. Auf dieser Basis stellen wir fragwürdige Aktivitäten fest, treffen eine Entscheidung und benachrichtigen Mama und Papa – in Echtzeit.“

Zusätzlich verkauft Echometrix die gesammelten Daten an Firmen. Eine Pressemitteilung preist ein Produkt mit dem Namen „Pulse“ an, das „digitale Inhalte aus mehreren Web-Quellen liest, zum Beispiel aus Chats, Blogs, Sozialen Netzwerken und Foren“. Dabei werde eine unbearbeitete Rohfassung der Konversationen in Echtzeit gezeigt. „Marketingspezialisten bekommen unmittelbare, einzigartige Informationen darüber, was Teenager in ihren eigenen Worten sagen.“

Greene erklärt, dass Unternehmen durch diesen Dienst „in Echtzeit herausfinden, was Kinder über ihr Produkt und über die Produkte ihrer Mitbewerber reden … Ich kann ihnen nicht sagen, wer etwas gesagt hat, aber ich kann ihnen sagen, was viele Kinder gesagt haben.“

Der CEO beteuert, dass die Eltern über die Geschäftsbedingungen aufgeklärt würden. Außerdem gebe es eine Möglichkeit, die Weitergabe der Daten zu verbieten. Allerdings sind diese Informationen in den Lizenzvereinbarungen versteckt.

David Perry von TrendMicro, das ebenfalls Kinderschutz-Software herstellt, erklärt, dass er kein anderes Produkt auf dem Markt kenne, das solche Informationen erfasse, wie sie die Echometrix-Software liefere. „Das ist ein schwerer Fall von dem, was wir Spyware nennen“, sagt er. Zwar erfasse das Programm nicht die Namen der Kinder, trotzdem befürchte er, „dass diese Namen zum Beispiel in einigen Chat-Nachrichten enthalten sind.“

Themenseiten: Echometrix, Software, Spyware

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2 Kommentare zu Hersteller von Kinderschutz-Software verkauft belauschte Gespräche

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  • Am 7. September 2009 um 16:10 von SvD

    Sicherheit…
    … hat eben ihren Preis. Haben wir doch gelernt. Und wem das nicht passt, der soll doch gehen…

    MfG,
    SvD

    • Am 7. September 2009 um 18:03 von Mickey Mouse

      AW: Sicherheit…
      Ja, auch im Strassenverkehr hat Sicherheit seinen Preis. Also lass Dich überfahren oder bleib Zuhause, dann aber bitte auch Deine dummen Kommentare!

      Ich finde es äusserst übel, wie inzwischen Kinder verkommerzialisiert werden und das dann noch unter dem Tarnmäntelchen des Schutzes, der in Wirklichkeit die eigentliche Gefahr ausmacht.

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