Bericht: Nokia wendet sich von Symbian ab

Das jahrelang genutzte Handy-Betriebssystem kann angeblich nicht mit der Konkurrenz von Apple und RIM mithalten. Daher soll künftig vermehrt das Linux-Derivat Maemo zum Einsatz kommen. Nokias erstes Maemo-Smartphone könnte schon in Kürze erscheinen.

Nokia will nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) seinem jahrelang verwendeten Betriebssystem Symbian den Rücken kehren und viele seiner leistungsfähigsten Handys künftig mit dem Linux-Derivat Maemo ausstatten. „Symbian ist viel zu schwerfällig, um mit modernen Betriebssystemen mithalten zu können“, heißt es aus dem Umfeld des finnischen Herstellers. „Wir müssen reagieren.“

Bereits in den nächsten Wochen soll das erste Maemo-Smartphone auf den Markt kommen. Offiziell wollte sich Nokia dazu allerdings nicht äußern: „Wir kommentieren keine Spekulationen“, sagte eine Sprecherin.

Nokia hatte Maemo in der Vergangenheit in erster Linie als Betriebssystem für den Bereich Tablet-PCs vorangetrieben. Dass Maemo künftig eine wichtigere Rolle bei dem Mobilfunkhersteller spielen wird, hatte sich bereits Ende Juni angedeutet, als Nokia eine Partnerschaft mit Intel ankündigte. Dabei geht es auch um die Zusammenarbeit von linuxbasierten Open-Source-Projekten, genauer gesagt Maemo und Moblin.

Erst im vergangenen Jahr hatte Nokia Symbian für rund 264 Millionen Euro komplett übernommen. Im April brachte der Handyhersteller die komplette Software in eine neu gegründete Stiftung ein, die Symbian nach dem Vorbild von Linux mithilfe Tausender freiwilliger Entwickler fortführen soll. Ausgezahlt hat sich das Engagement bislang allerdings nicht. Laut Gartner sank der Anteil von Symbian-Smartphones zuletzt auf 49,3 Prozent. Dagegen gewannen Apples iPhone und die BlackBerrys von RIM beständig Marktanteile.

Als Grund dafür gilt der überalterte Code von Symbian. „Nokia hat erkannt, dass sie mit Symbian ein Problem haben“, zitiert die FTD Ovum-Analyst Tony Cripps. So habe das von Google unterstützte Android „mehr Entwicklungspotenzial“. Auch Nikolaus Mohr vom Beratungsunternehmen Accenture erkennt in einer teilweisen Abkehr von Symbian einen richtigen Schritt: „Langfristig werden die Betriebssysteme für Handys, Netbooks und Computer verschmelzen.“ Dafür müsse Nokia nun schnell die Voraussetzungen schaffen.

An einer solchen Fusion arbeiten die Finnen nun offenbar mit Hochdruck. Dafür spricht auch eine Äußerung des für Maemo zuständigen Nokia-Managers Quim Gil im Juli: Man sei dabei, Maemo zu einer „Mainstream-Plattform“ für Handys zu machen, so Gil während eines Entwicklertreffens auf Gran Canaria.

Themenseiten: Betriebssystem, Handy, Linux, Mobil, Mobile, Nokia, Open Source, Symbian

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