Intel-Kartellverfahren: Ombudsmann kritisiert EU-Kommission

Brüssel hat entlastende Indizien nicht berücksichtigt. Dell soll AMD-Prozessoren gegenüber Ermittlern als leistungsschwach bezeichnet haben. Die Kritik des Ombudsmanns hat keinen Einfluss auf die Entscheidung der Kommission.

Der Ombudsmann der Europäischen Union hat das Kartellverfahren gegen Intel kritisiert. Einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ) zufolge haben die Wettbewerbshüter in Brüssel entlastende Hinweise, die die Vorwürfe über Absprachen zwischen Intel und PC-Herstellern entkräften, nicht berücksichtigt.

Der Ombudsmann P. Nikiforos Diamandouros bemängelt demnach, dass die Kommission ein Treffen im August 2006 mit einer leitenden Führungskraft von Dell nicht als Beweis anführt. Laut WSJ soll der Dell-Manager gegenüber den Ermittlern erklärt haben, sein Unternehmen sehe die Performance von Prozessoren des Intel-Konkurrenten AMD als „sehr schwach“ an.

Nach Ansicht des WSJ könnte diese Aussage darauf hinweisen, dass Dell aus technischen Gründen und nicht aufgrund von Rabatten und Direktzahlungen Chips von Intel gekauft hat. Dies widerspricht der offiziellen Entscheidung der EU, wonach Intel PC-Hersteller wie Acer, Dell, Hewlett-Packard, Lenovo und NEC dafür bezahlt hat, dass sie ihre Produkte mit Intel-CPUs ausstatten.

Mitte Mai hatte die EU-Kommission eine Rekordstrafe von 1,06 Milliarden Euro gegen Intel verhängt. Sie folgte damit weitgehend den Vorschlägen der Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. „Intel hat Millionen europäischer Verbraucher geschadet, indem es viele Jahre lang gezielt versuchte, Wettbewerbern den Zugang zum Computerchipmarkt zu verwehren“, so Kroes damals.

Laut WSJ hat die Kritik des Ombudsmanns keinen Einfluss auf die Kartellentscheidung. Allerdings läuft derzeit noch eine Ende Juli von Intel beim EU-Gerichtshof in Luxemburg eingereichte Klage. Darin wirft der Chiphersteller den Wettbewerbshütern ebenfalls vor, von Intel vorgelegte Beweise nicht berücksichtigt oder falsch interpretiert zu haben.

Themenseiten: Business, Intel, Prozessoren

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu Intel-Kartellverfahren: Ombudsmann kritisiert EU-Kommission

Kommentar hinzufügen
  • Am 10. August 2009 um 10:58 von Mocca

    das Argument ist ebenfalls "sehr schwach"
    mich würde mal interessieren auf welcher grundlage der dell manager diese aussage trifft? hat benchmarks eines singlecore "santa ana" mit einem quadcore "i7" verglichen??

    oder steht der herr auf der gehaltsliste von intel? das eine schließt das andere ja nicht unbedingt aus… ;)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *