Apple: iPhones mit Jailbreak können Mobilfunknetze lahmlegen

Das Unternehmen will eine Legalisierung von Jailbreak-Maßnahmen verhindern. Angeblich sind Attacken auf Mobilfunkmasten und anonymes Telefonieren möglich. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) reagiert skeptisch.

Im Streit um Jailbreaking beim iPhone hat Apple jetzt schwere Geschütze aufgefahren. Wer den Schutzmechanismus entferne, gefährde damit das gesamte Mobilfunknetz und spiele Drogendealern in die Hände, so der Hersteller in einem von Wired.com veröffentlichten Kommentar (PDF), den er an das amerikanische Copyright Office geschickt hat.

Apple reagiert damit auf eine Bitte der Electronic Frontier Foundation (EFF) an das Copyright Office, in der sie die Legalisierung des Jailbreaking fordert. Apple sieht eine Umgehung der Sperre für nicht freigegebene iPhone-Applikationen jedoch als Verstoß gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) an.

Ein per Jailbreak geknacktes iPhone kann Anwendungen laden, die nicht von Apple zertifiziert worden sind. Laut Apple hat ein solcher Hack schwerwiegende Auswirkungen: Der Basisband-Prozessor (BBP) werde durch den Eingriff verändert. Dadurch ergäben sich gefährliche Möglichkeiten: „Hacker könnten eventuell Kommandos wie eine Denial-of-Service-Attacke ausführen, die die Software eines Mobilfunkmastes zum Absturz bringt. Dadurch wäre der Mast nicht mehr in der Lage, Gespräche weiterzuleiten oder Daten zu übermitteln. Kurz gesagt bedeutet eine Kontrolle über den BBP so viel, als übernähme man die Kontrolle über die Firewall eines Firmencomputers – mit katastrophalen Auswirkungen.“

Wird der BBP-Code verändert, kann ein Hacker laut Apple gleichzeitig auch die Exclusive Chip Identification (ECID) ändern. Dadurch könne das iPhone anonyme Anrufe tätigen, bei dem seine Nummer nicht erkennbar wäre – ein Feature, das „für Drogendealer wünschenswert“ sei.

Wired zitiert Fred von Lohmann, den Anwalt der EFF. Er hält Apples Einwände für „lächerlich“. Es gebe bereits Millionen geknackter iPhones. „So etwas ist allerdings noch nie passiert.“

Der Digital Millennium Copyright Act wurde 1998 erlassen. Er schreibt vor, „dass niemand eine wirksame technische Maßnahme umgehen darf, die den Zugriff auf Werke kontrolliert, die unter dem Schutz dieses Gesetzes stehen.“ Laut DMCA müssen der Librarian of Congress und das Copyright Office aber alle drei Jahre untersuchen, ob sie Ausnahmen zu dieser Regel erlassen. Die EFF bemüht sich um eine solche Ausnahme für das Jailbreaking.

Themenseiten: Apple, Electronic Frontier Foundation, Hacker, Jailbreak, Mobil, Mobile, iPhone

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2 Kommentare zu Apple: iPhones mit Jailbreak können Mobilfunknetze lahmlegen

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  • Am 30. Juli 2009 um 20:09 von Alexander Kappner

    Eigenwillige Sicherheitsphilosophie
    "Hacker könnten eventuell Kommandos wie eine DoS-Attacke ausführen, die die Software eines Mobilfunkmasten zum Absturz bringt."
    Die meisten Programmierer würden in so einem Fall vorschlagen, die Software des Mobilfunkmasten dahingehend zu überprüfen und zu aktualisieren, dass ein einzelner Client eben nicht durch manipulierte Datenpakete die Kontrolle über sie übernehmen kann ("never trust client input").
    Bei Apple sieht man dies offenbar anders: Lieber die GSM-Endgeräte (etwa 1 Milliarde an der Zahl) mit (gegen technisch versierte Angreifer wirkungslosen) Softwaresperren versehen, damit derartige Angriffe schwieriger werden – also anstatt Sicherheitslöcher zu beheben ihre Ausnutzung etwas schwieriger machen.
    (Siehe auch: http://cwe.mitre.org/data/definitions/602.html – "Client-Side Enforcement of Server-Side Security")

    Ich würde einer Firma mit einer derartigen Sicherheitsphilosophie weder ein Handy noch ein Betriebssystem abkaufen.

    • Am 31. Juli 2009 um 7:17 von Steve

      AW: Eigenwillige Sicherheitsphilosophie
      Dafür, dass Jobs & Wozniak mal eine Box verkauft haben, mit der man kostenlos Telefongespräche führen konnte, finde ich Apples Haltung gegenüber Jailbreakern armselig. Immerhin kaufen die Jailbreaker das iPhone.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Steve_Jobs

      Man sollte diese ganzen Lizenzverträge, die lediglich den Nutzer zu einer Art Abhängigen macht, mal juristisch überrpüfen lassen. Ich wette, dass dann nur noch 10 Prozent vom Inhalt ürig bleiben.

      Wenn ich einen Porsche oder eine Kaffeemaschine kaufe, unterschreibe ich auch keinen Lizenzvertrag. Und es ist auch nicht vorgeschrieben, dass ich mit dem Porsche nur bei Aral tanke und auf bestimmten Straßen rumfahren darf. Diese Vorschrift wird vermutlich Realität werden, wenn Apple mal Autos verkauft,

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