Jetzt offiziell: Microsoft und Yahoo schließen Suchabkommen

Yahoo sucht mit Bing und bekommt in den ersten fünf Jahren 88 Prozent vom Umsatz. Beide nutzen künftig Microsofts Anzeigentool AdCenter. Microsoft kann auch Yahoos Technologien verwenden.

Microsoft und Yahoo haben nach tagelangen Verhandlungen ein Suchabkommen mit einer Laufzeit von zehn Jahren angekündigt. Darin heißt es: „Einfach ausgedrückt wird Microsoft jetzt die Yahoo-Suche antreiben, während Yahoo den weltweiten, exklusiven Verkauf von Werbung an die großen Anzeigenkunden beider Unternehmen übernimmt.“

Das Abkommen ist weniger umfassend als die Komplettübernahme, die Microsoft im vergangenen Jahr vorgeschlagen hatte – und auch als einige vorab diskutierte Modelle. Zusammen halten Microsoft und Yahoo 30 Prozent des Suchmarkts. Die Partner gehen aber davon aus, durch das Arrangement gemeinsam wachsen zu können: „Das Abkommen gibt uns die Größe und die Ressourcen, um die Suche der Zukunft zu gestalten“, wird Microsoft-CEO Steve Ballmer in einer Erklärung zitiert. „Für Erfolg im Suchbereich braucht es sowohl Größe als auch Innovation. Mit Bing haben wir Innovation und völlig neue Features geschaffen. Das Abkommen mit Yahoo gibt uns die Größe, die wir brauchen, um unser Produkt noch relevanter und nützlicher zu machen.“

Yahoo-CEO Carol Bartz dagegen sagte, das Abkommen gebe Yahoo die Möglichkeit, sich auf andere Bereiche zu konzentrieren. Sie betonte auch, dass es die Unterstützung aller Aufsichtsratsmitglieder habe – womit sie Querschläger Carl Icahn einschloss, ohne seinen Namen zu nennen. „Für uns ist das eine große Chance“, so Bartz wörtlich. „Microsoft ist ein Innovator der Suchbranche. Wir bekommen so die Gelegenheit, unsere Investitionen auf andere Bereiche zu fokussieren, die für unsere Zukunft wichtig sind.“

Microsoft bekommt mit dem Abkommen die Möglichkeit, Yahoos Suchtechnologie zu nutzen, einschließlich des Anzeigenverkaufswerkzeugs Panama. Grundsätzlich werden aber beide Microsofts Anzeigentool AdCenter und die Suchmaschine Bing auf ihren Sites verwenden.

Die finanziellen Details sehen keineswegs große Vorschüsse vor, die Yahoo gefordert haben soll. Microsoft sichert seinem Partner aber für 18 Monate einen Mindestumsatz durch die Suche zu sowie während der ersten fünf Jahre einen Löwenanteil in Höhe von 88 Prozent am Suchumsatz, den die Yahoo-Site generiert. Die Unternehmen erwarten, dass ihre Kooperation in etwa zwei Jahren reibungslos laufen wird.

Zu diesem Zeitpunkt rechnet Yahoo mit rund 500 Millionen Dollar an zusätzlichen Einnahmen bei 200 Millionen Dollar weniger Ausgaben. Der operative Cashflow soll um etwa 275 Millionen Dollar im Jahr steigen.

Das Abkommen erwähnt auch Regeln zum Schutz der Privatsphäre der Anwender. Man werde „die zwischen den Unternehmen ausgetauschten Daten auf das Minimum reduzieren, das für den Betrieb und die Verbesserung der kombinierten Suchplattform nötig ist“ und die Nutzung der ausgetauschten Daten zudem beschränken.

Das Abkommen muss noch von den zuständigen Regulierungsbehörden abgesegnet werden. Beide Firmen erwarten, dass dies noch mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Man freue sich auf Fragen und hoffe, den Vertrag Anfang 2010 schließen zu können.

Update 16.40 Uhr: Mittlerweile haben beide Unternehmen eine Website namens choicevalueinnovation.com eingerichtet. Dort können sich Nutzer über Einzelheiten informieren und Statements von Steve Ballmer sowie Carol Bartz als Video ansehen.

Themenseiten: Bing, Business, Microsoft, Suchmaschine, Yahoo

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