Bitkom kritisiert Forderung nach Verschiebung der Gesundheitskarte

Die FDP und Bündnis 90/Die Grünen lehnen einen Start der Patientenakte zum jetzigen Zeitpunkt ab. Als Gründe führen sie die fehlende Datensicherheit ins Feld. Dem Bitkom zufolge gewährleistet die Gesundheitskarte jedoch ein Höchstmaß an Sicherheit.

Der Branchenverband Bitkom hat die Forderungen von FDP und Bündnis 90/Die Grünen, die elektronische Gesundheitskarte zu einem späteren Zeitpunkt einzuführen, kritisiert. Beide Parteien hatten unabhängig voneinander ein Moratorium gefordert. Heute findet dazu eine Anhörung im Deutschen Bundestag statt.

„Sechs Jahre nach dem politischen Beschluss und drei Jahre nach dem ursprünglich vorgesehenen Starttermin soll die elektronische Gesundheitskarte nun weiter verzögert werden“, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. „Hier wird der Datenschutz vorgeschoben, um Klientelpolitik zu betreiben.“ Fast alle europäischen Länder hätten die elektronische Gesundheitskarte bereits eingeführt.

Nicht nachvollziehbar ist aus Bitkom-Sicht die Begründung des geforderten Stopps: Die Voraussetzungen der Datensicherheit seien nicht erfüllt. Der Datenschutz sei eines der Kernanliegen bei der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, so der Bitkom. Unabhängige Sicherheitsexperten wie der Bundesdatenschutzbeauftragte hätten sich für die Einführung der Gesundheitskarte ausgesprochen und dem geplanten System einen vorbildlichen Umgang mit sensiblen Patientendaten attestiert.

Derzeit würden Patientendaten in Deutschland häufig ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen per Fax oder E-Mail übermittelt. Die neue Gesundheitskarte mit der dahinter stehenden Telematik-Infrastruktur gewährleiste indes ein Höchstmaß an Sicherheit. Zudem würden alle medizinischen Dokumente nach dem jeweils aktuellen Stand der Technik verschlüsselt. Derzeit handele es sich dabei um eine 2048-Bit-Verschlüsselung. Das sei eine um Faktor 20 höhere Verschlüsselung als beim Online-Banking, wo eine 128-Bit-Verschlüsselung eingesetzt wird.

Die Gesundheitskarte ermöglicht neue Dienste wie die elektronische Patientenakte. Darin können künftig die Untersuchungsergebnisse aller behandelnden Ärzte an einem Platz gespeichert werden. Mit der Gesundheitskarte sind Patienten in der Lage, selbst zu entscheiden, wer ihre medizinischen Daten einsehen darf. Von den Notfalldaten abgesehen dürfen Ärzte nur nach Freigabe durch die Patienten auf die Daten zugreifen.

Themenseiten: Big Data, Bitkom, Datenschutz

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7 Kommentare zu Bitkom kritisiert Forderung nach Verschiebung der Gesundheitskarte

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  • Am 26. Mai 2009 um 14:40 von Dr. Dirk-Bijan Zarrinnam

    Gesundheitskarte resp. Stasicard
    Liebe PatientInnen,

    nicht nur eine zentrale Speicherung der Gesundheitsdaten lockt Hacker an – vgl. das letzte Beispiel aus den USA.
    Ist es denn auch notwendig, dass auch Krankenkassen-Mitarbeiter (und Politiker?) und wer auch immer Zugang zu den Medizinischen Daten erhält. Die allermeisten Sicherheitsprobleme kamen durch erlaubten Zugriff jedoch unsachgemäßer Benutzung zustande.

    Ein interessanter Link: http://www.hippokranet.com/functions/download_free.phpa?fid=7

    Auch in diesem Jahr wurde die Stasi-Card vom Ärztetag abgelehnt und solange die allermeisten Ärzte keine Lesegeräte anschaffen, ist die die Karte sowieso nutzlos.

    Dr. Dirk-Bijan Zarrinnam

    PS: Die Karte verlangsamt den Praxisverlauf um ca. das 10fache. Sehr schön, wollen Sie als Patient denn demnächst 5-10 mal so lange warten? Als Arzt geht man bei der derzeitigen Ho(h)norierung und diesem Zeitfaktor sowieso Pleite, da sich das alles schon jetzt kaum noch rechnet – auch wenn alle Nichtärzte etwas anderes behaupten.
    (Warum gibt es wohl immer mehr Ärzte, die z.B. in England am Wochenende arbeiten, obwohl es dort ebenfalls genug Ärzte unter der Woche gibt. Die englischen Ärzte haben genug Honorar und haben keine Lust am WE zu arbeiten!)

    • Am 26. Mai 2009 um 14:44 von Dr. Dirk-Bijan Zarrinnam

      Gesundheitskarte resp. Stasicard – Nachtrag
      Mehr Informationen zu diesem Thema:

      http://www.stoppt-die-e-card.de/

    • Am 27. Mai 2009 um 8:43 von thomas

      AW: Gesundheitskarte resp. Stasicard
      Ich bin auch kein Freund der Karte.
      Banken und Versicherer werden die Ersten mit Lesegeräten sein und uns irgendwie nötigen, ihnen den Zugriff auf die Daten zu erlauben.
      Aber meine Wartezeit beim Arzt beträgt immer so um 30 Min. Jetzt sagen Sie die Karte würde die Zeit um das 5-10 fache verlängern. Das sind 2,5 bis 5 Stunden. Jetzt würde mich schon interessieren was das so lange dauert.

      • Am 27. Mai 2009 um 17:07 von Dr. Dirk-Bijan Zarrinnam

        AW: AW: Gesundheitskarte resp. Stasicard
        Na, dann rechnen Sie mal.

        http://www.aerztlichepraxis.de/rw_4_Archiv_HoleArtikel_392025_Artikel.htm

        Bundesbürger: 82.099.232 (aus Wikipedia)
        16,3 Arztkontakte pro Bundesbürger

        ca. 1.304.000.000 Arzt-Patienten-Kontakte / Jahr

        D.h. mindestens ein Zugriff pro Patient.
        Lt. CT 18/2008 benötigt das Schreiben eines Rezeptes z.B. 12,9 Sekunden.
        Das Schreiben der Notfalldaten dauert 10-20 Minuten.

        Alleine das Sichten der Patientenakte – welches juristisch für den Arzt relevant sein wird – wird bei jedem älteren Patienten ca. 1/2-1 Stunde dauern. Oder glauben Sie, dass man umfangreiche Akten so einfach überfliegen kann. Da jeder Arzt seinen eigenen Schreibstil hat, kommt der Patietenbesuch einem Gutachten gleich.
        Bisher hat es sehr gut funktioniert. Der Patient bringt auf einem Zettel seine Medikamente mit und hat ggf. einen Allergiepass dabei, dann haben Sie die relevanten Daten schnell im Griff. Wenn sich die chronologische Akten dann über Jahre hinzieht und unterschiedliche Dokumentationsstile enthält, können Sie, wie ein Jurist oder Steuerberater, sich durch Akten wälzen. Für derzeit 18,19 Euro mache ich das nicht mit! Außer Sie verschieben das Komma um eine Stelle nach rechts (entspricht dann in etwa dem Honorar einer Beratung beim Juristen).

      • Am 28. Mai 2009 um 9:23 von Dr. Dirk-Bijan Zarrinnam

        AW: AW: Gesundheitskarte resp. Stasicard
        Hallo,

        hier noch ein aktueller Link aus der Test-Region Bochum-Essen: Hier wurden die 12,9 Sekunden noch getopt: 30 – 120 Sekunden ….

        http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/wirtschaft-und-finanzen/2009/5/27/news-120975539/detail.html

    • Am 1. Juni 2009 um 14:17 von Dr. Dirk-Bijan Zarrinnam

      AW: Gesundheitskarte resp. Stasicard
      Hier ein Link von IBM:

      die totale Vernetzung der medizinischen Daten:

      http://www-05.ibm.com/de/werbung/download/smarter_planet_health_30sec.mpg

      Wollen Sie das???
      IBM bekommt von der Telematik größere Aufträge. Natürlich will die Industrie die Aufträge haben. Deshalb wird auch so eine Werbe-Propagandamaschine in Gang gesetzt.

    • Am 26. September 2010 um 20:54 von Dr. Alexander Madaus

      AW: Gesundheitskarte resp. Stasicard
      30 mi bis 1h für das sichten einer Patientenakte? Lächerlich! Selbst in komplexen Fachgebieten benötigt man keinesfalls so viel Zeit, ohne an Gründlichkeit zu verlieren. Zusätzlich kann man davon ausgehen, das für gerade für die kleinen Fachgebiete der größte Teil der Diagnosen keine Rolle spielt, entweder weil sie keine Konsequenz im jeweiligen Fall haben, oder weil die weiterführenden Implikationen vieler Krankheitsbilder gar nicht bekannt sind. Darum ja auch die entsprechende Spezialisierung.
      Außerdem kennt man ja die meisten seiner Pat. sowieso schon länger oder lange, so daß nicht jedesmal alles gelesen werden muß.

      Somit ist diese Äußerung lediglich populistisch zu werten, um die Patienten in dieser Sache zu instrumentalisieren.
      Letztlich wäre es sicher von Vorteil, wenn ein Pat. seine wichtigen Daten bez. Krankheitsgeschichte mit sich führen würde. Das ändert natürlich nichts daran, daß das gesamte Vorhaben aus Datenschutzrechtlicher Sicht völlig indiskutabel ist.

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