Oracle exerziert Konsolidierung vor

Oracle-Chef Larry Ellison hat überraschend zugeschlagen: Der angeschlagene Silicon-Valley-Pionier Sun schlüpft zum Preis von 7,4 Milliarden Dollar unter die Fittiche des Datenbankriesen. Offenbar verfolgt Ellison einen ausgefeilten Konsolidierungsplan.

Larry Ellison ist immer für eine Überraschung gut. Die Not von Sun Microsystems kam ihm nach den gescheiterten Verhandlungen mit IBM gelegen, als nach Berichten der US-Presse Sun – vermutlich war es der ehemalige Chef und heutige Vorsitzende des Verwaltungsrats Scott McNealy – ihn am Donnerstag vergangener Woche um Hilfe bat. Zwar war es wohl auch McNealy, der den möglichen IBM-Deal zu Fall brachte. Doch sogar er musste erkennen, dass Sun trotz aller technologischer Meriten aus eigener Kraft nicht überleben kann.

Larry Ellison wiederum sieht in den „Schätzen“ von Sun scheinbar die Chance, zu einem der mächtigsten IT-Unternehmen, – wenn nicht gar langfristig zur absoluten Nummer eins – aufzusteigen. Das war schon immer sein Lebenstraum. Die Nummer zwei zu sein, ist ihm verhasst.

Die Übernahme ist jedoch nicht als einzelnes Ereignis zu sehen, sondern nur im Zusammenhang verständlich. Seit einiger Zeit deutet sich an, dass es in der IT-Branche in Zukunft nur sehr wenige, aber dafür umfassende Infrastrukturanbieter geben könnte. Dazu gehören heute schon IBM und Hewlett-Packard. Der bisherige Netzausrüster Cisco drängt seit dem Marktstart seiner kürzlich angekündigten Server stärker in den Vordergrund. Sun galt in diesem Ringen trotz seines vergleichsweise breiten Portfolios als hoffnungslos abgeschlagen. Die Kombination Oracle und Sun hat dagegen zumindest auf dem Papier ein hohes Potenzial.

Mit Sun bekommt Oracle zum einen das Geschäft mit Hochleistungsservern, zum anderen die Unix-Betriebssystem-Software Solaris sowie die Programmiersprache Java. An den beiden genannten Software-Bereichen hatte Oracle schon seit langem großes Interesse, spielen sie doch beim Thema IT-Infrastruktur eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt scheint dabei die Computersprache Java zu stehen, deren Rechte bei Sun liegen, die von dem Konzern aber nie wirklich gewinnbringend vermarktet werden konnten.

„Das ist die wichtigste Software, die wir je übernommen haben“, sagte Ellison in einer Konferenzschaltung über Java. In der Tat ist die vernetzte Welt des Internets ohne Java nicht denkbar. Die Software läuft auf PCs und Laptops ebenso wie auf Handys und Smartphones. Und nahezu alle Softwareanbieter nutzen Java.

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