Milliardengrab: Warum Intels Itanium gescheitert ist

Produktverspätungen und schlechte Leistung brachten ihm den Spitznamen "Itanic" ein. ZDNet zeigt, warum der Itanium mit modernen x86- und RISC-Prozessoren nicht mithalten kann und die letzten OEMs das sinkende Schiff verlassen.

Ende Februar hat Unisys angekündigt, sich aus dem Geschäft mit Itanium-Servern zurückzuziehen. Damit gab einer der letzten unabhängige Hersteller die Plattform auf. Einzig verbleiben Hewlett-Packard (HP) und SGI als Hersteller von Rechnern mit Itanium-CPU. HP hat die Itanium-Architektur gemeinsam mit Intel entwickelt. Bei beiden Unternehmen versucht man nach wie vor, das "Projekt Itanium" wirtschaftlich erfolgreich zu rechnen.

Als Intel im Jahre 2001 kurz vor der Fertigstellung des ersten Itaniums mit dem Codenamen Merced stand, der heute auch Itanium 1 genannt wird, waren die Versprechungen der Marketingabteilung groß. Der erste Prozessor in der Post-RISC-Architektur EPIC sollte alle bisherigen Prozessoren performancemäßig in den Schatten stellen.

Dies traf auf Intels Pentium 4 (P4) durchaus zu. Der damalige Willamette-Core des P4 war mit maximal 1,5 GHz getaktet und besaß 256 KByte Level-2-Cache. Mit den damaligen RISC-Architekturen, etwa PowerPC und SPARC, konnte der Itanium allerdings nicht mithalten.

Intel hatte natürlich gleich eine Erklärung parat. Die neuartige EPIC-Architektur erfordere ein völliges Umdenken der Entwickler von Compilern. Die Compiler-Entwickler seien die x86-Architektur gewohnt. Seit dem Pentium Pro verbessere Intel die x86-Architektur dahingehend, dass die CPUs zunächst "schlechten" Code in "guten" umwandeln. Der Itanium stelle höhere Ansprüche an den Compiler. Sobald die Compilerhersteller neue Versionen hätten, die "guten" Itanium-Code erzeugten, werde sich die Überlegenheit des Itanium schon zeigen.

Wie allgemein bekannt ist, konnte der Itanium seinen RISC-Konkurrenten bis heute nicht das Wasser reichen, obwohl es mittlerweile "gute" Itanium-Compiler gibt. Längst überholen stromsparende x86-CPUs die energiehungrigen, aber leistungsschwachen Itanium-Prozessoren.

Auch die Verkaufszahlen sprechen für sich. So zitiert die Computerworld eine Gartner-Studie, die für das Jahr 2007 von 55.000 verkauften Itanium-Servern ausgeht. Demgegenüber stehen 417.000 RISC-Server und 8,4 Millionen Server auf x86-Basis. Den Löwenteil mit geschätzten 80 (IDC) bis 95 Prozent (Gartner) aller verkauften Itanium-Systeme konnte HP für sich verbuchen. HP-Bestandskunden von OpenVMS aus der indirekten Übernahme der Digital Equipment Corporation (DEC) sind gezwungen, die Itanium-Architektur einzusetzen.

Themenseiten: Intel, Plattform, Servers, Software, Storage, Storage & Server

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1 Kommentar zu Milliardengrab: Warum Intels Itanium gescheitert ist

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  • Am 7. Juli 2009 um 20:22 von Davidoff

    WindowsNT 3.1 und 16MB RAM
    Wie Sie auf "Microsoft sah sich allerdings genötigt, das Chicago-Projekt ins Leben zu rufen, das in Windows 95 mündete, um damals übliche Rechner mit bis zu 4 MByte Hauptspeicher zu unterstützen" ist mir schleierhaft, denn "Windows NT 3.1 benötigt mindestens 16 MByte" ist schlichtweg falsch, auch der Nach-Nachfolger WindowsNT 3.51 lief noch prima mit 8MB RAM. Und selbst das gute alte WindowsNT 4 begnügt sich in der Workstation-Variante mit lediglich 12MB, nur die Server-Version brauchte tatsächlich 16MB RAM. WindowsNT 4 kam aber erst Ende 1996 und damit geraume Zeit nach Windows95 raus.

    Der wahre Grund für Windows95 lag zum Einen in der damals noch hohen Verbreitung von DOS-Programmen (vor Allem Spiele), welche unter der DOS-Emulation von WindowsNT garnicht bzw. nur eingeschränkt funktionierten. Zudem erlaubte das die Aufspaltung des eigenen Portfolios in Consumer- (Windows95) und Business-Linie (WindowsNT).

    Davidoff

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