BIU wehrt sich gegen Verschärfung des Jugendschutzes bei Computerspielen

Der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl hatte den Prozess der Altersfreigabe stark kritisiert. Er fordert mehr Kompetenzen für die Bundesprüfstelle. Der Verband der Spieleindustrie kann dagegen kein Versagen des Jugendschutzes feststellen.

Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware e. V. (BIU) wendet sich gegen die nach der nach dem Amoklauf an der Schule in Winnenden erhobenen Forderungen der CDU-CSU-Bundestagsfraktion nach einer Verschärfung des Jugendschutzes und strengeren Regelungen für das Zustandekommen der Alterskennzeichnungen. Diese Maßnahmen seien „vollkommen unangemessen und nicht zielführend“. Der BIU hält die bestehenden gesetzlichen Regelungen für ausreichend. Seiner Ansicht nach sei lediglich der Vollzug bestehender Gesetze zu verbessern, um eine altersgerechte Abgabe von Computer- und Videospielen an Kinder und Jugendliche zu gewährleisten.

Hans-Peter Uhl, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Innenpolitik der CDU-CSU-Fraktion, begründet die Forderungen damit, dass nach Expertenurteil eine hohe Zahl von Alterskennzeichnungen zu lax vergeben worden sei. Uhl kritisiert zudem, dass die Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) auch durch das 2008 reformierte Jugendschutzgesetz die Auslegungshoheit und das Vorgriffsrecht gegenüber der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) behalte: „Wenn eine Alterskennzeichnung erst einmal vorgenommen worden ist, ist dieses Prüfergebnis bindend – auch die Bundesprüfstelle kann keine Indizierung mehr verhängen.“

Als Beispiel führt Uhl an, dass das von dem 17-jährigen Amokläufer favorisierte Spiel „Counter-Strike“ in der deutschen Version von der USK bereits ab 16 Jahren freigegeben ist.

Der BIU kontert, dass die Tatsache, dass der Täter im Besitz von Computerspielen war, nicht weiter verwunderlich ist, da Computerspiele ein fester Bestandteil der Jugendkultur seien. „Der tragische Vorfall von Winnenden deutet hingegen auf einen komplexen Tathintergrund hin. Es steht zu vermuten, dass insbesondere die psychische Kondition und das soziale Umfeld des Täters wichtige Faktoren darstellen. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Konsum gewalthaltiger Medien und der Tat von Winnenden ist nach derzeitigen Informationen nicht erkennbar“.

Aus Sicht des BIU ist „im vorliegenden Fall kein Versagen des Jugendschutzes festzustellen.“ Der Verband warnt davor, den Blick auf die eigentlichen Tatumstände durch eine „unsachliche Debatte“ über ein Verbot von sogenannten Killerspielen zu verstellen. Die aktuelle Gesetzeslage verbiete bereits heute die Verbreitung von gewaltverherrlichenden Computer- und Videospielen.

Auch die bereits in der Vergangenheit von einigen Politikern geforderte staatliche Kontrolle der Alterskennzeichnung sei bereits seit der Novelle des Jugendschutzgesetzes 2003 gesetzlich bindend: „Die Alterskennzeichnung selbst ist ein hoheitlicher Verwaltungsakt, der von den Obersten Landesjugendbehörden vorgenommen wird. Dabei kennzeichnen die Obersten Landesjugendbehörden solche Spiele nicht, die von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert werden könnten.“

Deutschland verfüge im weltweiten Vergleich über das engmaschigste Jugendschutzsystem im Bezug auf Computer- und Videospiele. „Ein generelles Verbot von Spielen für Erwachsene käme einer Zensur gleich, welche angesichts der komplexen staatlichen Kontrollmechanismen nicht gerechtfertigt wäre“, so der Verband der Spieleindustrie.

Hans-Peter Uhl
Hans-Peter Uhl, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Innenpolitik der CDU-CSU-Fraktion (Bild: CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag).

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1 Kommentar zu BIU wehrt sich gegen Verschärfung des Jugendschutzes bei Computerspielen

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  • Am 15. März 2009 um 4:00 von Martin Brotzler

    Wir müssen mehr darüber diskutieren – nicht nur jetzt nach dem Amoklauf
    Es ist für mich erschreckend, dass immer nach einem großen Unglück, einer grossen Tragödie oder einer schlimmen Katastrophe die Menschen wieder über diese Themen diskutieren.

    Die Probleme mit Computerpsielen in denen getötet und gekämpft wird, ist viel tiefgründiger, als man auf den ersten Augenblick sieht.

    Es gehört hier eine gesellschaftliche Dauer Diskussion her, denn wenn jetzt Entscheidungen getroffen werden, so sind diese nicht gründlich überlegt sondern eher eine übereilte Moment Entscheidung, die die umfangreichen Facetten des Problemes in der Kürze der Zeit gar nicht berücksichtigen kann.

    Eine Entscheidung kann erst getroffen werden, wenn eine umfangreiche Meinungsbildung erfolgt ist und diese erlangen wir nur wenn wir in einer größeren Masse darüber diskutieren, sowohl mit Fachleuten aber auch mit Laien aus dem Volk, erst eine Sammlung von wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnissen aber auch die alltagsbezogenen Meinungen von Eltern machen ein Gesamtbild klarer und nach gründlicher Analyse kann dann auch eine Entscheidung getroffen werden, die ziemlich möglichst Nahe am Sinnvollsten liegt.

    Eine Diskussion dazu kann man z.B. im bekannten 24psychologie.de Portal führen, dort ist ein extra Forum eingerichtet unter http://www.forum.24psychologie.de, das nachhaltig und anhaltend dazu aufruft, gemeinsam über die Problematiken zu diskutieren.

    Es grüsst
    Hochachtungsvoll
    Ihr Martin Brotzler
    http://www.martinbrotzler.de (Autor)

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