Gutes Rootkit – böses Rootkit

Geht es nach der Firma Verdasys, so benötigt man zum Online-Banking schon bald eine Software, die jeder Computerbesitzer normalerweise vermeidet. Das Rootkit SiteTrust soll aber nicht etwa Passwörter, PINs und TANs ausspionieren, sondern genau das verhindern. Dadurch, dass sich SiteTrust noch vor den Treibern des Betriebssystems an die Hardware klemmt, soll Malware wie Keyloggern der Garaus gemacht werden. So verschlüsselt SiteTrust beispielsweise Tastatureingaben, bevor sie den ...

Geht es nach der Firma Verdasys, so benötigt man zum Online-Banking schon bald eine Software, die jeder Computerbesitzer normalerweise vermeidet. Das Rootkit SiteTrust soll aber nicht etwa Passwörter, PINs und TANs ausspionieren, sondern genau das verhindern.

Dadurch, dass sich SiteTrust noch vor den Treibern des Betriebssystems an die Hardware klemmt, soll Malware wie Keyloggern der Garaus gemacht werden. So verschlüsselt SiteTrust beispielsweise Tastatureingaben, bevor sie den Tastaturtreiber oder gar einen Keylogger erreichen.

Bei Verdasys sieht man die Sache realistisch: Zum jetztigen Zeitpunkt schätzt SiteTrust vor Identitätsdiebstahl besser als alle bekannten Antivirenprogramme. Mit der Zeit werden findige Cyberkriminelle aber Wege finden, sich von SiteTrust unbemerkt noch enger an die Hardware zu binden. Das digitale Wettrüsten geht weiter.

Die Frage darf erlaubt sein, ob es wirklich so etwas Böses wie ein Rootkit sein muss, um Cyberkriminelle auszutricksen. Die Antwort darauf lautet, dass Rootkits nicht grundsätzlich Schadsoftware sind. Normalerweise gibt es in der IT immer mindestens zwei Begriffe für ein und dieselbe Sache:

Ändert ein DSL-Router die Absender-IP-Adresse von einer privaten zu einer öffentlichen IP-Adresse, um mehreren Computern die Nutzung eines DSL-Anschlusses zu ermöglichen, so nennt man das NAT. Macht man dasselbe, um sich für jemand anderen auszugeben, dann nennt man das IP-Spoofing.

Für den negativ belegten Begriff Rootkit gibt es kein positives Pendant. Dabei haben Rootkit-Programme eine lange Tradition. Ältere BIOS-Versionen können nur von der ersten Floppy oder von der ersten Festplatte booten. So entstanden Programme, die den BIOS-Interrupt 13H umbiegen und die logische Reihenfolge von Platten und Floppys vertauschen. Das sind technisch gesehen genauso Rootkits wie moderne Hypervisor, die sich zwischen Hardware und Betriebssystem legen. Die BIOS-Erweiterung EFI ist gleich ein ganzes Rootkit-Framework, das neben eigenen Rootkits eine Schnittstelle beinhaltet, damit der Benutzer selbst Rootkits installieren kann.

Die Frage nach gutem oder bösem Rootkit kann nicht immer eindeutig beantwortet werden. Das Rootkit EFiX, das Mac OS auf Standard-PC laufen lässt, werden viele Anwender als „gut“ bezeichnen. Mac-OS-Hersteller Apple kann diese Meinung sicher nicht teilen.

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