IBM und Sun: Ein Blick hinter die Kulissen

Irgendwann im Sommer vergangenen Jahres begann eine Firma namens Southeastern Asset Management, die sich auch sonst intensiv um das Geschick der Firma kümmert, die damals unterbewerteten Sun-Aktien zu horten. Außerdem fing sie nahezu gleichzeitig an, damit bei den großen Konzernen hausieren zu gehen.

Irgendwann im Sommer vergangenen Jahres begann eine Firma namens Southeastern Asset Management, die sich auch sonst intensiv um das Geschick der Firma kümmert, die damals unterbewerteten Sun-Aktien zu horten. Außerdem fing sie nahezu gleichzeitig an, damit bei den großen Konzernen hausieren zu gehen. HP wimmelte sie jedoch ab, Microsoft ebenfalls, sie kam auch mit keinem der Koreaner ins Geschäft und um IBM bemühte sich Southeastern ebenfalls vergeblich.

Zunächst wenigstens. Aber die jüngsten politischen Veränderungen in den USA gaben den Bemühungen einen neuen Aspekt: Durch sie stehen nämlich keine kartellrechtlichen Bedenken mehr zwischen IBM und einem Platz am Verhandlungstisch bei der „Sun-Killer-Tagung“.

Die diese Woche sorgsam an eine Gruppe vertrauenswürdiger Freunde in den Medien gestreuten Gerüchte dienen nicht nur dazu, den Preis in die Höhe zu treiben, denn IBM bezahlen soll. Sie sollen vielmehr auch alle, die das Angebot schon abgelehnt hatten, nochmal darüber nachdenken lassen – und vielleicht doch noch einen, der sich bei seinem Ego gepackt fühlt, an den Verhandlungstisch zurückbringen.

Wer gewinnt bei dem Spiel?

Natürlich Suns Großaktionäre, insbesondere Southeastern – aber für alle anderen wäre es eine Katastrophe. So wie die Übernahme von Apple durch Microsoft den Wettbewerb im Desktop-Markt zum Erliegen bringen würde, droht ein Deal zwischen IBM und Sun den Wettbewerb bei Server-Hardware zu beenden.

Was IBM zu dem Schritt verleiten könnte ist klar: Erstens hat Big Blue genug Geld dazu, zweitens sind Kartellfragen in der Obama-Ära nur noch eine Frage des Geldes, drittens sind Suns Unix-Lizenzen älter und stichhaltiger als die von Novell und viertens kann es sich IBM gerade jetzt nicht leisten, mit SPARC-Prozessoren und Solaris-Betriebssystem bei Preis, Performance, Zuverlässigkeit oder Innovationsgeschwindigkeit in einen verschärften Wettbewerb zu treten.

Unterm Strich wäre für IBM die Übernahme von Sun also ein günstigerer und nachhaltigerer Weg, um die Konkurrenz aus dem Weg zu räumen, als sie mühsam im Wettbewerb am Markt zu besiegen. Immer unter der Voraussetzung, dass IBM Sun so behandeln würde, wie es das mit Lotus getan – obwohl es wahrscheinlicher ist, dass Sun das Informix-Schicksal erleiden würde.

Hat das Ganze auch eine gute Seite? Vielleicht. Ich bin ziemlich sicher, dass bei der erstbesten Gelegenheit nahezu der gesamte Sun Brain-Trust die Firma verlassen würde. Und einige davon würden neue Firmen gründen und neue, innovative Ideen in den Markt bringen. Die hoffnungsvollsten Optimisten könnten sogar die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass – da sowohl SPARC als auch Solaris komplett Open Source sind – IBM mit der Übernahme am Ende nichts erreicht hätte, als die uneffizienteste Server-Vermarktungs-Organisation aus dem Verkehr zu ziehen, die die Welt jemals gesehen hat.

(ZDNet.com-Autor Paul Murphy)

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