Wie Einzelne das Schicksal ganzer Konzerne beeinflussen

Es passiert nicht allzu oft, dass Personalien die Techie-Szene beschäftigen. Doch dieser Tage ist das gleich zweifach der Fall: Yahoo hat mit Carol Bartz endlich einen neuen CEO, Apple geht gerade seines CEOs Steve Jobs zumindest vorübergehend verlustig. Beide Vorgänge sind auf ihre Weise sehr dramatisch, wobei die Situation um den Apple-Chef natürlich besonders schwerwiegend ist, da es immerhin um die Gesundheit eines Menschen geht. Beide haben auch Auswirkungen auf den Aktienkurs ...

Es passiert nicht allzu oft, dass Personalien die Techie-Szene beschäftigen. Doch dieser Tage ist das gleich zweifach der Fall: Yahoo hat mit Carol Bartz endlich einen neuen CEO, Apple geht gerade seines CEOs Steve Jobs zumindest vorübergehend verlustig. Beide Vorgänge sind auf ihre Weise sehr dramatisch, wobei die Situation um den Apple-Chef natürlich besonders schwerwiegend ist, da es immerhin um die Gesundheit eines Menschen geht.

Beide haben auch Auswirkungen auf den Aktienkurs der Firmen und natürlich auch auf deren zukünftige Entwicklung: Schon erstaunlich, wie abhängig moderne Technologieunternehmen von einzelnen Personen sein können. Bemerkenswert finde ich, dass in beiden Fällen riesige Probleme auf die Unternehmen zukommen.

Carol Bartz ist ganz unbestritten eine fähige Managerin. Sie hat erfolgreich Stationen bei Sun, Autodesk und einigen anderen Firmen hinter sich. Aber ist sie die richtige Person, um das strauchelnde und um seine zukünftige Positionierung ringende Yahoo wieder an die Spitze zu bringen? Vielleicht täusche ich mich, aber ein Web-2.0-erprobter CEO wäre für Yahoo vermutlich die bessere Medizin gewesen, als eine zwar toughe, aber diesbezüglich eher unerfahrene Managerin. Vielleicht geht es auch nur darum, die Firma aufzuhübschen, um dann doch noch einen Deal mit Microsoft einfädeln zu können. Wer weiß das schon?

Anders ist es im Fall von Steve Jobs. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich um einen Abschied auf Raten handelt. Als ob die Wahrheit um den Gesundheitszustand von Steve Jobs erst nach und nach ans Tageslicht kommen soll, um den Aktienkurs nicht gleich ins Bodenlose stürzen zu lassen. Menschlich ist das natürlich eine Katastrophe: Zuerst der Bauchspeicheldrüsen-Krebs, dann eine hormonelle Störung, nun also etwas noch Schwerwiegenderes.

Bis Juni ist Steve Jobs jedenfalls im Krankenstand, wobei er in strategischen Fragen nach wie vor mitentscheiden will. Dem Aktienkurs ist das gar nicht gut bekommen, zeitweise musste der Handel sogar ausgesetzt werden. So mancher Aktionär schaut nun entsetzt seinen Verlusten hinterher.

Auch wenn Steve Jobs wieder genesen sollte, was wir ihm alle wünschen, so darf man sich doch die Frage stellen, ob Apple überhaupt ohne ihn funktionieren kann: Jetzt rächt sich die stark hierarchische Ausrichtung auf den CEO. Es ist unbestritten, das allein Steve Jobs‘ Pedantismus und seine visionären Vorstellungen von dem, was der Markt seiner Meinung nach braucht, Apple an die Spitze gebracht haben. Das Problem ist aber, dass weit und breit kein Nachfolger in Sicht ist

Sicherlich besteht das Apple-Management aus hervorragenden Entwicklern. Auch bemerkenswerte Marketing- und Finanzfachleute sind dort vertreten. Aber einer, der das Techietum und Vermarktungsgenie von Steve Jobs hätte, der fehlt. Insofern kann man für Apple nur hoffen, dass Steve Jobs wie angekündigt im Juni wieder seinen Aufgaben nachgehen kann. Und dass als erster Punkt auf seiner Agenda der Aufbau eines – oder noch besser mehrerer – starker Nachfolger steht.

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