Malware: Marketing oder tatsächliche Gefahr?

Kürzlich ist hier auf ZDNet.de ein lesenswerter Artikel über die Bedrohung durch Malware erschienen. Bei dessen Lektüre ist mir vor allem eines aufgefallen: Die Hersteller von Antiviren-Software schätzen die Zahl der in Umlauf befindlichen Schadcodes extrem unterschiedlich ein. So geht Kaspersky Labs von 2,2 Millionen neuen Schadprogrammen im Jahr 2007 aus. Mitbewerber Symantec sieht die Zahl der neuen Malware-Codes bei rund 730.000. Verglichen damit ist F-Secure mit rund einer halben ...

Kürzlich ist hier auf ZDNet.de ein lesenswerter Artikel über die Bedrohung durch Malware erschienen. Bei dessen Lektüre ist mir vor allem eines aufgefallen: Die Hersteller von Antiviren-Software schätzen die Zahl der in Umlauf befindlichen Schadcodes extrem unterschiedlich ein.

So geht Kaspersky Labs von 2,2 Millionen neuen Schadprogrammen im Jahr 2007 aus. Mitbewerber Symantec sieht die Zahl der neuen Malware-Codes bei rund 730.000. Verglichen damit ist F-Secure mit rund einer halben Million neuer Codes fast schon bescheiden. Da fragt sich der unbedarfte Anwender, warum G Data für 2007 lediglich 133.253 neue Viren, Trojaner und ähnlich verbrecherische Programme gefunden haben will.

Ich muss zugeben, dass mir die Antivieren-Branche schon immer etwas suspekt war. Keine Frage, die Bedrohung ist real. Ich sehe ja, was im Spamfilter meines Mailservers so alles hängen bleibt. Die Zahl der verdächtigen Dateianhänge ist immens. Dabei sind das nur die wirklich leicht zu erkennenden Schadprogramme.

Allerdings weiß ich auch, dass ich in meinem gesamten Berufsleben erst zweimal tatsächlich einen Virus auf dem PC hatte. Das eine Mal ist schon mehr als eineinhalb Jahrzehnte her. Das Mistvieh hatte sich über den Bootsektor einer Diskette eingeschlichen, damals ein gängiger Infektionsweg.

Der andere Vorfall datiert aus dem Jahr 2001. Damals habe ich versehentlich auf einen Mail-Anhang geklickt, der anschließend das Virenprogramm installiert hat. Ja, ich weiß, das macht man nicht. Aber der Text der Mail hat so wunderbar zu einem gerade laufenden Projekt gepasst, bei dem ständig Mails hin und her gingen. Ich war so im Stress, dass mir nicht einmal aufgefallen ist, dass die Mail auf Englisch abgefasst war. Egal, ein aus dem Netz geladenes Shareware-Programm hat dem Spuk binnen weniger Minuten ein Ende bereitet.

Wie hoch ist also die Zahl der verschiedenen Schadprogramme? Warum sind die von der Industrie verbreiteten Zahlen so widersprüchlich? Klar, zunächst ist es eine Definitionsfrage. Denn was bei einem Hersteller ein eigenständiger neuer Virus ist, zählt bei einem anderen lediglich als Variante, und ein Dritter sieht darin gar nur ein und dasselbe Programm.

Trotzdem bleibt für mich ein bitterer Nachgeschmack. Mancher Hersteller, so scheint es, will einfach nur Marketing betreiben und puscht deshalb die Zahlen künstlich in die Höhe. Offensichtlich reicht manchem Hersteller schon ein geändertes Byte im Programmcode, um daraus gleich eine neue Viren-Variante zu machen.

Wissenschaftlich gesehen mag das vielleicht sogar legitim sein, aber der Sache an sich ist damit nicht gedient. Wer ständig übertreibt, dem glaubt man eines Tages nichts mehr. Das führt zu Nachlässigkeit. Wenn es dann doch einmal gefährlich wird, ist es vielleicht zu spät, um die Gefahr noch abzuwehren.

Themenseiten: Analysen & Kommentare, IT-Business

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu Malware: Marketing oder tatsächliche Gefahr?

Kommentar hinzufügen
  • Am 23. April 2008 um 22:48 von H. Duthel

    Toll:-) Muss schmunzeln, denn bereits 2005(!) schrieb ich in meinen Buch, jetzt Magazin 1/4 jaehrlich uber meinen Verlag, das ‚Viruse‘ minimal privat erzeugt werden. Vieleicht von Irak/Afghanistan Verbitterten. Das AV Business, das ‚Malware‘ business ist das legal Unterground Geschaeft des Internets, zu vergleichen mit Piratbay oder Warez sites, welche nun mal illegal sind. ich kenne persoenlich jemand hier in Asien wo ich seit 18 jahre lebe, welcher 2000 anfing einde Diskette zu verkaufen gegen den 2000 Jahr EFFEKT, damit ca. 150,000 USD machte und nun ein kleines AV Program herstellt, in lokaer Sprache und sich in 4 Jahren damit ein haus gebaut hat, dazu natuerlich einen Importierten Mercedes. Ich musste mit ihm so lachen zu seinen Geburtstag, denn er erzaehlte so schoen gemuetlich dass wenn das Geschaeft flau wird, einen kleinen Virus aus der Techn. Uni, 1000 emails, lokale Zeitung anrufen, informieren und am naechsten Tag steigt der Umsatz um 500%. Zum Spass sagt er dann, er mache eine Bin Laden Kopie, immer wenn es hart und flau wird, laesst er ein Video auftauchen..:-) America very good for business, can learn so much. Bush very very clever you see… ist dann immer sein Spruch.
    Das ist glaube ich das ganze Geschaeft Weltweit mit den Millionen AV und Malware Programmen denn auch ich habe seit 1993 , 2 Virus bekommen, dass durch installieren von Kopien des damals sehr teueren Window 95 und dann durch Winfax 10, acuh Floppys.
    Ich gebe ihnen deshalb vollkommen recht was Sie schreiben. Legal und Illegales – aber doch an der Quelel das selbe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *