Wenn der Fisch vom Kopf her stinkt

Numair Faraz, der persönliche Berater des verstorbenen Motorola-Marketingschefs Geoffrey Frost, erhebt in einer E-Mail schwere Vorwürfe gegen die Führung des Unternehmens. Das Schlimme ist, das er mit seinen Behauptungen offenbar Recht hat. Man muss sich nur die aktuelle Handy-Palette des amerikanischen Mobiltelefon-Pioniers ansehen: Sie ist nicht konkurrenzfähig. Jetzt wurde die Auslagerung des Handy-Geschäfts beschlossen . Was mich interessiert, ist, wie es dazu kommen konnte. Ganz ...

Numair Faraz, der persönliche Berater des verstorbenen Motorola-Marketingschefs Geoffrey Frost, erhebt in einer E-Mail schwere Vorwürfe gegen die Führung des Unternehmens. Das Schlimme ist, das er mit seinen Behauptungen offenbar Recht hat. Man muss sich nur die aktuelle Handy-Palette des amerikanischen Mobiltelefon-Pioniers ansehen: Sie ist nicht konkurrenzfähig. Jetzt wurde die Auslagerung des Handy-Geschäfts beschlossen .

Was mich interessiert, ist, wie es dazu kommen konnte. Ganz offensichtlich liegt es an den handelnden Personen. Hat man einen außerordentlichen Macher und Visionär an den richtigen Hebeln, dann klappt es. Bei Motorola beispielsweise mit dem Bestseller Razr. In der Ära davor und danach fehlte eine solche Person – dementsprechend gab es auch keinen Bestseller mehr.

Es gilt wie immer: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Wenn man Engadet glauben darf, dann ist der aktuelle Vorstand Greg Brown offenbar technologisch so weit vom Schuss, dass er noch nicht einmal per E-Mail kommunizieren kann. Er lässt sich E-Mails ausdrucken und diktiert seiner Sekretärin die Antworten. Ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt, aber ich habe in meinem Leben genug Führungskräfte von „Technologieunternehmen“ kennengelernt, die ähnlich schräg drauf sind.

Jetzt wird manch einer fragen, was schlimm daran ist, wenn der Vorstandsvorsitzende eines Technologiekonzerns technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist? Schließlich ist es seine Aufgabe, den Konzern zu managen, und nicht, sich mit elektronischem Schnickschnack aufzuhalten.

Falsch: Wenn die Führungskräfte eines Unternehmens der IT-Branche nicht die IT leben, dann kann es mit der Firma nur bergab gehen. Vielleicht nicht jetzt, aber schon in naher Zukunft. Spätestens dann, wenn neue Trends nicht bemerkt werden und in der Folge die passenden Produkte oder Dienstleistungen fehlen.

Zur Zeit erlebt unsere Branche einen unglaublichen Umbruch. Das Social-Web mit Diensten wie Xing, Facebook und Studi-VZ beziehungsweise Schüler-VZ wird Mainstream, bei Technologien wie SaaS und SOA gärt es gewaltig und sie stehen kurz vor dem Durchbruch. Die Virtualisierung ist dabei, den Hard- und Softwaremarkt umzukrempeln. Kurz: Liebgewordene Technologien, Produkte und Dienstleistungen drohen, obsolet zu werden.

Ich hoffe, Sie und ihr Unternehmen sind am Puls der Zeit.

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1 Kommentar zu Wenn der Fisch vom Kopf her stinkt

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  • Am 2. April 2008 um 13:39 von G. Weick

    Ein IT-Unternehmen muss technische Visionäre haben? Einverstanden!
    Es mus Leute geben, die ein Gefühl dafür haben, was ein großer Teil der potentiellen Kunden möchte?
    Auch einverstanden!
    Der Vorstand dieser Unternehmen muss stets seine eigenen E-Mails beantworten?
    Bitte nicht!

    Ein Firmenleiter sollte besseres zu tun haben als selbst in die Tasten zu greifen (z.B. dafür sorgen, dass es Visionäre, Marketinggurus, etc. im Unternehmen gibt). Ich habe noch von keinem einzigen Vorstand einer Fluglinie gehört, dass dieser im Firmenjet selbst am Steuerknüppel sitzt. Und ich kenne auch keinen Vorstand einer Automobilfirma, der dienstlich selbst fährt (obwohl da einige sehr autovernarrte dabei sind). Die Reisezeit lässt sich nämlich für Telefonate, Aktensichtung, etc. besser nutzen.

    Unsere Erfahrung aus E-Mail-Kultur-Projekten zeigt: Manche Führungskräfte haben so viel mit ihrem Blackberry zu tun, dass Sie keine Zeit mehr haben sich mit ihren Mitarbeitern über wirklich wichtige Belange des Unternehmens auseinanderzusetzen. Im Zweifel ist uns

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