EU setzt Preisobergrenze von 13 Cent für SMS im Ausland

Bitkom sieht Preisvorschriften als Gefahr für den Ausbau der Mobilfunknetze

Auf Vorschlag der EU-Medienkommissarin Viviane Reding haben heute die für Telekommunikation zuständigen EU-Minister eine Kostenobergrenze für im Ausland versandte SMS von 13 Cent inklusive Mehrwertsteuer festgelegt. Für deutsche Reisende entspricht das gegenüber den aktuellen Tarifen in wichtigen Reiseländern wie Italien, Spanien, Griechenland, Frankreich oder Griechenland ungefähr einer Reduzierung auf ein Drittel.

„Das ist weit weniger als der typische Preis im Inland von 19 Cent“, gibt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder zu bedenken. Die Nutzung eines Fremdnetzes im Ausland könne aber nicht preiswerter sein als der gleiche Service im Inland. „Offenkundig will die EU systematisch testen, wie weit sie die Wirtschaft mit Preisdiktaten belasten kann.“ Der Bitkom befürchtet, dass Investitionen in Netzausbau und -qualität auf der Strecke bleiben, „wenn aufgrund künstlich niedriger Preise die Mittel dafür fehlen.“

Wie groß jedoch der Beitrag des mit Auslands-SMS erzielten Umsatzes am Gesamtumsatz der Mobilfunkanbieter ist, konnte oder wollte auf Anfrage von ZDNet weder der Bitkom noch Vodafone oder E-Plus auf Anhieb sagen. Verband und Unternehmen betonten aber sinngemäß, dass es nicht um das damit erwirtschaftete Geld allein gehe.

Wichtig sei vielmehr die grundsätzliche Frage, ob die Anbieter, die sich auch in schweren Zeiten immer als verlässliche Investoren erwiesen hätten, auch weiterhin die Freiheit erhielten, ihre Tarife so zu gestalten, dass ein weiterer Netzausbau auch in Hinsicht auf drahtlose Breitbandangebote möglich sei, oder ob der Standort Europa zugunsten kurzfristiger Vorteile für die Verbraucher gefährdet werde.

Im September hatte die EU-Kommission eine Senkung der Roamingpreise für Handytelefonate verordnet. Bereits damals hatte Reding bekräftigt, dass die schon mehrfach angekündigte Regulierung der Preise von SMS und Datenverbindungen im Ausland der nächste Schritt sein werde. Ein erstes Ultimatum im Sommer hatten die Provider entweder verstreichen lassen oder nicht weitgehend genug erfüllt.

Abgehende Gespräche im Ausland dürfen derzeit bis zu 55 Cent inklusive Steuern kosten, ankommende Telefonate maximal 26 Cent. Bereits fest vorgesehen ist eine Senkung auf 51 beziehungsweise 23 Cent im August 2009. „Weitere Zwangstarife sind auch deshalb unnötig, weil bereits vor der EU-Regulierung die Roaming-Preise massiv gesunken sind“, argumentiert Rohleder. Wie der Bitkom ZDNet auf Nachfrage mitteilte, sind die Roaming-Preise 2006 – also vor dem Einsetzen der Regulierung – im Durchschnitt um 22 Prozent gesunken. Zudem hätten inzwischen viele Mobilfunkanbieter günstige Auslandstarife für Urlauber und Geschäftsreisende im Programm.

EU-Kommissarin Viviane Reding
EU-Kommissarin Viviane Reding will sich mit ihren Forderungen an die Mobilfunkbetreiber jetzt auch bei den SMS-Preisen im Ausland durchsetzen (Bild: EU).

Themenseiten: HSPA, Handy, Telekommunikation

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1 Kommentar zu EU setzt Preisobergrenze von 13 Cent für SMS im Ausland

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  • Am 28. November 2008 um 7:25 von T. S.

    EU-Preisobergrenzen
    Bei so etwas banalem, wie einer Preisgrenze für SMS werden monatelang Steuergelder verschwendet, um eine einheitliche Lösung zu finden.

    Bei Themen wie Öl-, Benzin- und Gaspreis scheinen die Lobbyisten die Oberhand zu haben, denn etwas Lebensnotwendiges wie heizen im Winter scheint die EU-Kommissare nicht zu interessieren.

    Weiter so, es geht aufwärts mit Europa…

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