Research In Motion hat mit seinem aktuellsten Produkt mehr als nur ein neues Smartphone auf den Markt gebracht: Das Storm ist der erste Blackberry mit Touchscreen – und mit einer umfangreichen Ausstattung.

Zu den absoluten Highlights gehört eine neue Touchscreen-Technologie, die berührungsempfindliche Displays ähnlich revolutionieren könnte wie die Multitouch-Technik des iPhone. Darüber hinaus kommt das Storm mit Blackberry OS 4.7, GPS und UMTS mit HSDPA.

In Deutschland ist das Storm exklusiv nur bei Vodafone zu haben – und zwar dauerhaft. Wer einen Vodafone-Superflat-Vertrag (24 Monate) für monatlich 30 Euro abschließt, bekommt das Storm für 50 Euro.

Design

Auf den ersten Blick ist der neue Blackberry keine optische Revolution. Das Design mit großem Touchscreen als zentrales Element kennt man inzwischen von Mitbewerbern wie Apples iPhone 3G, T-Mobiles G1 und Samsungs Omnia i900. Dennoch kann er sich absetzen: Das große Echtglasdisplay wird von einem Rahmen aus Metall eingefasst. Auch der Akkudeckel auf der Rückseite ist aus Metall statt schnödem Kunststoff – der Qualitätseindruck ist hervorragend.

Allerdings wiegt das Material einiges. Fast 160 Gramm bringt das Storm auf die Waage – das sind gut 25 Gramm mehr als das iPhone und ein spürbarer Unterschied.

Blackberry Storm
Auf der Rückseite sitzt die Linse der Kamera samt Foto-LED. Der Micro-SD-Speicherkartenslot befindet sich unter der Akku-Abdeckung.

Wo andere Touchscreen-Handys mit haptischem Feedback durch Vibration oder völlig ohne spürbare Rückmeldung auffallen, hat Research in Motion eine neue Technologie entwickelt: Das ClickThrough genannte System liegt unterhalb der Anzeige. Drückt man eine der virtuellen Tasten, etwa beim Tippen von Text, bewegt sich das ganze Display nach unten – eben so, wie es ein mechanischer Knopf machen würde.

Zugegeben, auf Anhieb wirkt das Ganze sehr merkwürdig. Wo bei anderen Touchscreens ein leichter Druck ausreicht, drückt man die Anzeige hier verhältnismäßig fest ins Gerät. Wer das Smartphone in die Hand bekommt, ist zunächst verwirrt – denn die übliche Reaktion bei berührungsempfindlichen Displays ist nun mal ein leichtes Antippen der Icons oder Buchstaben. Das soll keine Kritik sein, ganz im Gegenteil, aber man muss sich eben daran gewöhnen. Wer sich näher damit auseinandergesetzt hat, ist begeistert – denn das Tippen von E-Mails, Webadressen oder Kurznachrichten klappt fast so komfortabel wie mit einer echten Tastatur.

Apropos Tastatur: Im Hochformat zeigt das Storm ein „Suretype“-Keyboard. Dabei handelt es sich um eine QWERTZ-Tastatur, bei der zwei Buchstaben auf einer Taste zusammengefasst sind – der erste Knopf zeigt also QW, der zweite ER, der dritte TZ und so weiter. Eine Technik, die der Handy-Tipphilfe T9 ähnelt, schlägt aus dem Buchstabenkauderwelsch dann anhand eines Wörterbuches eine sinnvolle Buchstabenkombinationen vor. Das funktioniert hervorragend, solange das Storm das gewünschte Wort schon kennt. Ist es nicht im integrierten Wörterbuch enthalten, muss der Nutzer jeden neuen Buchstaben bestätigen. Das ist etwas nervig – vor allem, wenn die Software ein Wort groß schreibt, das klein gehört. Korrigieren ist nämlich mühsam, da das Storm im Gegensatz zum iPhone bei der Texteingabe keine Lupe einblendet, um den Cursor an eine bestimmte Stelle im Text zu bugsieren.

Dreht man das Storm ins Querformat, erkennt das – wie beim iPhone – sein integrierter Beschleunigungssensor und passt die Bildschirmdarstellung an. Aus der Suretype-Tastatur wird dann ein vollwertiges QWERTZ-Eingabefeld. Hier tippt es sich mit zwei Daumen ganz gut, allerdings nur, wenn man keine sonderlich dicken Finger hat – denn die Tasten werden ein gutes Stück kleiner. Schnelltipper ärgern sich darüber, dass sie nicht gleichzeitig mit beiden Fingern tippen können: Damit das Touchscreen-Display eine neue Eingabe akzeptiert, muss man es erst völlig losgelassen haben.

Apropos ärgern: Das empfindliche Display reagiert aufs Ohr. Wer nicht mit Freisprecheinrichtung oder Headset, sondern ganz klassisch telefoniert, kann hin und wieder eine Überraschung erleben. Denn hält man den Blackberry wie ein „normales“ Handy ans Ohr, kommt es manchmal vor, dass man mit dem Ohrläppchen Funktionen wie „Anruf halten“, „Mikrofon aus“ oder „Freisprechen“ markiert. Ein etwas festerer Druck lässt dann das ClickThrough-Display nach innen wandern und die Funktion ausführen. Man kann das Gerät deswegen beispielsweise auch nicht zwischen Kinn und Schulter klemmen. Der oberhalb der Anzeige angebrachte Lock-Knopf, der Display und Tasten sperrt, funktioniert leider nicht während des Telefonierens. Bleibt zu hoffen, dass der Hersteller hier per Software-Update nachlegt – und künftige Blackberry-Handys mit Touchscreen über einen Näherungssensor verfügen. Das kann sich Research in Motion von Apple abschauen.

Unabhängig davon ist die Qualität des Displays bahnbrechend. Es wirkt sogar noch ein Stück hochwertiger als das des Blackberry Bold. Die Anzeige misst 8,3 Zentimeter (3,25 Zoll – einen Viertel Zoll kleiner als das iPhone-Display) und zeigt 480 mal 360 Pixel mit 65.000 Farben an. Der Bold ist mit 480 mal 320 Pixeln etwas auflösungsschwächer. Farben, Blickwinkel und Videowiedergabe sind sehr gut. Es macht einfach Spaß, die Anzeige zu betrachten.

Die Größe des Storm entspricht in etwa der des Blackberry Curve, es ist allerdings etwas dicker. In Zahlen misst es 11,2 mal 6,1 Zentimeter bei einer Bauhöhe von 13 Millimetern und einem Gewicht von 159 Gramm.

Ebenfalls integriert sind eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, vier mechanische Tasten unterm Display (Rufannahme, Auflegen, Zurück und Hauptmenü) sowie ein Micro-SD-Slot hinter der Abdeckung der Rückseite.

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