Internetrecherche zu Krankheitssymptomen verstärkt Ängste

Microsoft-Studie befasst sich mit "Cyberchondrie"

Das Suchen nach Informationen im Internet zur Selbstdiagnose von Krankheiten führt in einem Großteil der Fälle dazu, dass die Betroffenen ihren Gesundheitszustand als weitaus schlimmer halten, als er in Wirklichkeit ist. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie von Microsoft-Forschern. Im Rahmen der Studie wurden die gesundheitsbezogenen Web-Suchanfragedaten von insgesamt 515 Menschen analysiert.

„Unsere Studie zeigt, dass Internet-Suchmaschinen das Potenzial haben, gesundheitliche Bedenken in negativer Hinsicht ausufern zu lassen“, fassen die Forscher ihre Resultate zusammen. Das liege einerseits daran, dass viele Webseiten in der Interpretation des tatsächlichen Krankheitsbilds die Nutzer nur das Schlimmste vermuten ließen. Andererseits gingen die meisten Menschen auch zu leichtgläubig mit den im Netz gefundenen Informationen um und neigten zu Überinterpretationen.

„Das Internet hat das Potenzial, die Ängste der Menschen drastisch zu verstärken“, sagen die Wissenschaftler. Besonders betroffen seien dabei vor allem Nutzer mit einem sehr geringen medizinischen Wissen. Das Resultat sei ein Phänomen, das der vorgelegte Bericht in Anlehnung an das bekannte Problem der Hypochondrie als „Cyberchondrie“ bezeichnet.

„Bei Menschen, die hypochondrisch veranlagt sind oder die über ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein verfügen, ist das Sammeln von medizinischen Informationen zum Zweck der Selbstdiagnose nichts Ungewöhnliches“, so Wolfgang Müller, Leiter der Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Dieses Phänomen sei seit geraumer Zeit zu beobachten. „Dass Menschen sich aufgrund von Büchern oder TV-Sendungen oft zu einer falschen Selbstdiagnose hinreißen lassen, ist schon seit längerem bekannt. Neu ist nur, dass sich das Ganze nun in das Medium Internet verlagert hat.“

Auch sei es ein schwerwiegender Fehler, zu glauben, dass allein aufgrund eines bestimmten Symptoms auf die tatsächliche Diagnose geschlossen werden könne. Ein weiteres Problem ergebe sich aus der unterschiedlichen Seriosität der im Internet zur Verfügung stehenden medizinischen Informationen. „Betroffene sollten unbedingt darauf achten, dass die Websites, auf denen sie ihre Recherchen durchführen, mit dem Gütesiegel der „Health On the Net Foundation“ (HON) ausgestattet sind. Nur wenn sich dieses Logo auf der Seite befindet, können sie sich sicher sein, dass die dort angeführten Informationen von sachkundigen Experten stammen“, so Müller.

Themenseiten: Internet, Studie, Suchmaschine, Telekommunikation

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