„Technische Revolution im Range eines Gutenberg“

Vor siebzig Jahren hantierte der US-Hobbyerfinder Chester F. Carlson in einem dunklen Hinterzimmer mit stinkendem Schwefel, Bärlappsporen und einem Taschentuch. Das Resultat steht heute in jedem Büro und Arbeitszimmer.

Chester F. Carlsons Erfindung, die Xerografie – lateinisch das „trockene Schreiben“ – steckt heute in Kopierern, Laserdruckern und Faxgeräten. Die spannende Geschichte dieser nützlichen Erfindung würdigt das Büromuseum in Mülheim an der Ruhr derzeit mit der Ausstellung „CopyCopy -70 Jahre Xerografie“.

Im Rathausturm von Mülheim scheint die Zeit still zu stehen: Auf den obersten drei Etagen erstreckt sich ein technisches Sammelsurium, dass den Beamtenalltag von anno dazumal wieder lebendig werden lässt. In den verwinkelten Räumlichkeiten reiht sich eine Büromaschine an die andere. Die alten Schreibmaschinen und Kopiergeräte dienen als Anschauungsobjekte für Beamtenanwärter.

Die Schau „CopyCopy“, die der gelernte Schriftsetzer, Grafik-Designer und Autor Klaus Urbons initiiert hat, geht aber noch einen Schritt weiter: Kopiererexperte Urbons demonstriert das Verfahren der Xerografie vor Ort mit den Mitteln des Erfinders Chester F. Carlson – und kommt dabei leicht ins Schwitzen.

Eine verzinkte Klischeeplatte mit Wachsüberzug wird etwa 45 Sekunden kräftig mit einem geeigneten Tuch abgerieben und somit elektrisch aufgeladen. Auf die Platte legt Urbons einen Objektträger aus Glas, der mit dem Schriftzug „22.10.2008 Glocal“ beschrieben und mit den pulverartigen Sporen der Moospflanze Bärlapp (Lycopodium clavatum) bestreut ist. Kaum ist die Platte im Halbdunkel belichtet, bleibt der Schriftzug reproduzierbar haften. Im Original brannte Erfinder Carlson die Schrift in eine Schicht Schwefel ein.

Themenseiten: IT-Business, Technologien, Xerox

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