FSC-Krise: Rettung durch Fusion mit Sun?

Wenige Wochen vor der Kündigungsfrist des Joint-Venture-Vertrages zwischen Fujitsu und Siemens verdichten sich die seit Anfang des Jahres kursierenden Gerüchte, Siemens wolle aussteigen. Was passiert dann mit FSC und seinen Kunden?

Die letzte Bastion der deutschen Computerindustrie – Fujitsu Siemens – droht zu verschwinden. Während Gerüchte um ein Ende des Joint Ventures noch im Februar von FSC-Chef Bernd Bischoff heftig dementiert worden waren, ist es jetzt verdächtig ruhig. Viele Beobachter werten das als stilles Eingeständnis der Berichte, Siemens-Chef Löscher lasse im Zuge des radikalen Konzernumbaus den Ausstieg prüfen. Sollte dies geschehen, hätte diese auch erhebliche Konsequenzen für deutsche Großkunden, vor allem aus den Bereichen Versicherungen und öffentliche Verwaltung.

Löscher hat sich seit der ersten Stunde seines Amtsantritts unzufrieden über die wirtschaftlichen Aspekte des Gemeinschaftsunternehmens Fujitsu-Siemens Computers (FSC) geäußert. Siemens trennt sich derzeit von Randbereichen und zählt auch FSC nicht mehr zum Kerngeschäft. Der renditeschwache Computerkonzern leide, so die Konzernführung, unter seiner einseitigen Ausrichtung auf den europäischen Markt. In Asien und Nordamerika vertreibt Fujitsu Computer unter seinem eigenen Namen.

Der Technologiekonzern Siemens verhandelt daher mit dem japanischen Partner über die Zukunft von FSC. Siemens werde den Vertrag mit Fujitsu vorsorglich bis zum Herbst kündigen, war bei den Meldungen der Nachrichtendienste zu lesen. Entscheidungen seien allerdings noch keine gefallen. Doch die Partner stehen unter Zeitdruck: Der Joint-Venture-Vertrag läuft im September 2009 aus.

Um auszusteigen, müssen Siemens oder Fujitsu den Kontrakt ein Jahr zuvor kündigen, sonst verlängert sich die Kooperation automatisch um fünf Jahre. Die Absprache: Beide Partner müssen sich ihre Anteile von je 50 Prozent zuerst gegenseitig anbieten. Erst nach einer Ablehnung ist ein Verkauf an Dritte möglich. Fujitsu habe aber kein Interesse daran, den Siemens-Anteil an FSC zu übernehmen, war aus Japan zu hören.

Siemens hatte Fujitsu 1999 ins Boot geholt, um sein stark regional ausgerichtetes Geschäft mit einem renommierten Partner international salonfähig zu machen. Siemens brachte damals das Hardwaregeschäft von Siemens Nixdorf ein. Später übernahm FSC auch die Computer-Wartungssparte von Siemens. FSC beschäftigt weltweit rund 10.500 Mitarbeiter, davon 6200 in Deutschland.

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