Gratis-Software beschleunigt Filesharing

Möglichst lokale Verbindungen sind auch im Interesse der Provider

Computerwissenschaftler des Aqualab an der Northwestern University haben mit „Ono“ eine Software entwickelt, die P2P-Filescharing beschleunigen soll. Das System nutzt Messungen von Content Distribution Networks (CDNs), um nahegelegene Computer zu identifizieren.

Den Forschern zufolge können die Transferraten beim Filesharing durch möglichst lokale Verbindungen deutlich verbessert werden. Bei guten Netzwerkbedingungen soll im Schnitt eine bis zu dreimal höhere Geschwindigkeit möglich sein.

Die IP-Adresse eines Computers reiche für die Berechnung des genauen Standorts jedoch nicht aus, erklärt Ono-Mitentwickler David Choffnes. Die direkte Ermittlung von Distanzen wiederum sei in der Praxis zu zeit- und kostenaufwendig. Stattdessen gehen die Forscher davon aus, dass Computer, die innerhalb eines CDNs an den gleichen Server umgeleitet werden, auch physisch benachbart sind. Daher nutzt Ono Informationen aus CDNs, um geeignete, möglichst nahe Peer-Computer fürs Filesharing zu ermitteln.

Auch andere Ansätze versuchen, P2P-Netzwerke durch Nutzung möglichst naher Peers zu optimieren. „Grundsätzlich ist die Nutzung von Lokalisierungsinformationen gerade für ISPs nützlich, um Transit-Gebühren einzusparen“, erklärt Nicolas Liebau vom Multimedia Communications Lab (KOM) der Technischen Universität Darmstadt.

Ein Projekt, das genau das ermöglichen soll, ist „Proactive network Provider Participation for P2P“ (P4P), bei dem große Provider mit P2P-Betreibern zusammenarbeiten. P2P-Verbindungen sollen anhand von Informationen über die Netzwerktopologie optimiert werden, die von den Providern gestellt wird.

Ein weiterer Ansatz ist das EU-Projekt SmoothIT, an dem das KOM beteiligt ist. „Wir versuchen, geringere Kosten für ISPs und verbesserte Qualität für Nutzer zu verbinden“, sagt Liebau. „Mittels ökonomischem Verkehrsmanagement in Overlay-basierten Applikationen werden den Nutzern Anreize gegeben, sich so zu verhalten, wie es ihr ISP gerne hätte.“. Konkret könnten P2P-Nutzer durch ihre Provider motiviert werden, bevorzugt Peers aus dem Netz des ISPs zu nutzen.

Das Open-Source-Tool Ono ist bereits seit längerem für den Bittorrent-Client Azureus verfügbar und hat laut Aqualabs inzwischen mehr als 150.000 Nutzer. Nun haben die Forscher Informationen veröffentlicht, damit Entwickler die Peer-Auswahl von Ono auch in anderen P2P-Anwendungen nutzen können. „Desto mehr User wir haben, umso besser funktioniert das System – also machen wir die Verbreitung leicht“, sagt Ono-Mitentwickler Fabián Bustamante.

Themenseiten: Breitband, Northwestern University, Telekommunikation

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