Offshore-Anbieter: Hoffen und Bangen im Luxus

Die von den USA ausgehende Finanzkrise hat auch Indien und seine IT-Dienstleister erreicht. Erste Aufträge wurden auf Eis gelegt oder gestoppt. Daraus ein Ende des Offshoring-Booms abzuleiten, wäre jedoch verfrüht.

Auf den ersten Blick häufen sich derzeit die Krisensignale. Das US-Finanz- und Immobiliendebakel trifft Offshore-Dienstleister aus Indien besonders stark, weil der Löwenanteil ihrer Kunden in den USA sitzt. Außerdem sind es gerade die angeschlagenen Finanzinstitute, die bislang zu ihren besten Kunden zählten.

Auch kriselt es genau zu dem Zeitpunkt, an dem sich die indischen IT-Service-Anbieter immer schwerer tun, die im Westen gewohnten Preisvorteile aufrechtzuerhalten. Gerade der Erfolg von Tata Consultancy Services (TCS), Wipro und anderen hat dazu geführt, dass auch in Indien die Fachkräfte knapp werden und zudem die Inflation angekurbelt wird.

Das führt dazu, dass die Gehälter dramatisch ansteigen und Mitarbeiter rasch von einem Arbeitgeber zu einem anderen, besser zahlenden wechseln. Dadurch sinkt die Qualität; die Kosten für die Einarbeitung ständig neuer Mitarbeiter hingegen steigen. Kurz: Bei den IT-Service-Anbietern explodieren genau in dem Moment die Ausgaben, in dem die potenziellen Kunden knapp bei Kasse sind.

Natürlich haben die Inder das Problem der Abhängigkeit vom US-Markt und den Trend zu steigenden Gehältern erkannt und Gegenmaßnahmen entwickelt. So hat etwa Satyam den Umsatzanteil aus den USA von 80 Prozent vor drei Jahren – vor allem dank europäischer Neukunden – auf jetzt rund 60 Prozent gesenkt. Zugleich positionieren sich inzwischen die großen Vier der Branche (TCS, Wipro, Infosys und Satyam) sowie das indisch geprägte US-Unternehmen Cognizant nicht mehr über den Preis, sondern als Anbieter hochwertigen Dienste und stellen sich in eine Reihe mit Accenture, IBM Global Services und Capgemini.

Diese Positionierung erscheint insofern gerechtfertigt, als die IT-Service-Platzhirsche aus den USA und Europa längst zehntausende von Mitarbeitern in Indien beschäftigen. Allerdings treibt die Umstellung auf höherwertige Dienste die Forschungs- und Entwicklungskosten auch in Indien in die Höhe. Hinzu kommt, dass sie ihre Rechen- und Entwicklungszentren zunehmend im Nearshore-Bereich (etwa Ungarn) aufbauen. Auch diese Maßnahme kommt teuer, da ungarische IT-Service-Spezialisten höhere Löhne bekommen als die indischen Kollegen. Deren Monatslohn liegt etwa bei Satyam bei rund 1500 Euro.

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