Die sogenannte Green-IT: Alles nur Marketing?

Green-IT ist im Prinzip eine gute Sache. Vor allem für Hardwareanbieter lohnt sich das Energie-Marketing. Doch die Sache hat einen Haken: Kein Anbieter kann wirklich sagen, wie viel tatsächlich durch neue Technologien gespart wird.

Die IT-Industrie leidet unter einem schweren Laster: der gula. In ihrem Streben nach Wachstum und Gewinn neigt sie zur Völlerei, Gefräßigkeit und Maßlosigkeit beim Stromverbrauch. Nach Angaben des Analystenhauses IDC kommen auf jeden Dollar, den der CIO für einen neuen Server ausgibt, 50 Cent für Stromversorgung und Kühlung. Wenn sich bis 2010 nichts ändern sollte, dann werden es bis dahin 70 US-Cent sein. Nicht zuletzt die ständig steigenden Strompreise und die anhaltende Klimadiskussion drängen CIOs, sich intensiver mit ihrer Stromrechnung zu beschäftigen – wollen sie nicht als Umweltverschmutzer der Zukunft gelten.

Ob es tatsächlich die Liebe zur Umwelt ist, die den CIO zum Ökofreak macht, kann man bezweifeln. Es sind wohl eher die horrenden Betriebskosten, welche die IT-Entscheider zum Handeln ermuntern. Die Gründe für die explodierenden Betriebskosten sind vor allem in der wachsenden Anzahl der Server sowie der zunehmenden Komplexität der Rechenzentren zu suchen. Dabei stellt sich für die Unternehmen ein gravierendes, gar existenzielles Problem: Das Rechenzentrum stößt an seine Grenzen.

Schon jetzt ist für einige Firmen das Hauptproblem nicht mehr, wie wachse ich, sondern wie bekomme ich das Wachstum in meinem Rechenzentrum unter. „In letzter Zeit treffen wir des Öfteren auf Anwenderunternehmen, die zusätzliche Stromkapazitäten für ihre Rechenzentren verlegen lassen müssen, um weiter wachsen zu können“, sagt Wolfgang Schwab, Senior Advisor bei der Experton Group. „Die damit verbundenen Kosten sind häufig exorbitant, da sich die Stromversorger diese Kapazitätserhöhung natürlich bezahlen lassen. Stellfläche, Stromversorgung und Kühlung sind mittlerweile zu einem echten Problem geworden.“

Doch die gula der Unternehmen kommt den nach Absatzmöglichkeiten suchenden Server-Herstellern gerade recht. Unternehmen wie Hewlett-Packard, IBM, Fujitsu-Siemens, Sun Microsystems und Dell haben das Thema „Energieeffizienz“ bereits vor längerer Zeit erkannt und warten mit – wie es so schön heißt – „ganzheitlichen“ Konzepten auf. Und die sollen sich gut verkaufen. Das Analystenhaus Experton Group geht davon aus, dass der Markt für energieeffiziente Green-IT in den nächsten Jahren mit durchschnittlich 66,2 Prozent wachsen wird. Bei den Marketinganstrengungen der Hardware-Anbieter hat demzufolge ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Preise drücken und immer mehr Prozessor-Power-Geprotze sind out. Heute geht es um „angemessene Prozessorleistung bei möglichst wenig Verbrauch und Stellfläche“.

Doch nicht nur hier setzen die Konzepte den Rotstift an. Konsolidierung, Virtualisierung und der Einsatz effizienter Klimatechniken haben sich die Hardware-Anbieter ebenfalls auf die Fahne geschrieben. Positiver Nebeneffekt: Stromsparen, umweltbewusstes Handeln und die Reduktion des Kohlendioxydausstoßes sind „in“ – also ein Thema, mit dem man für positive Schlagzeilen sorgt und als Strahlemann dasteht. Wer sich den Öko-Engel ins Logo schreibt, hat per se ein positives Image. Manch einer bekommt dafür sogar den Friedensnobelpreis.

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