SAPs Business by Design: Amerika ist der einfachere Markt

Kann die neue Mittelstandsoffensive aus Walldorf ihr Ziel erreichen? Die Chancen stehen gut, der Wind weht diesmal von Westen übers Meer. Denn in den USA wird A1S als erstes ankommen.

Mit großem Rummel hat die SAP ihre neue Mittelstandslösung „Business by Design“ (Codename A1S) in New York vorgestellt. Die zentralen Neuerungen: Es handelt sich um Mietsoftware, Interessenten dürfen die Funktionen mit Life-Daten testen, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen, und SAPs SOA-Konzept hilft, das Produkt flexibel und einfach handhabbar zu machen.

Die Reaktionen auf die Ankündigung sind gemischt. Viele Analysten jubeln, die Mitbewerber insbesondere hierzulande reden das Ereignis klein, Lawson – hierzulande noch ein Noname – wagt sogar das vernichtende Urteil vom „Desaster by Design“. So schlimm wird es nicht kommen, aber auch die SAP selbst rechnet nicht mit schnellen Erfolgen. Jährlich sollen bei einem Potenzial von 1,2 Millionen weltweit 10.000 neue Kunden für Business by Design gewonnen werden.

Recht haben die Skeptiker, wenn sie darauf hinweisen, dass es sich hier um die x-te Mittelstandsoffensive aus Walldorf handelt, in deren Rahmen der Weltkonzern diesen Markt immer wieder neu definiert hat. Die Folge: Kaum ein Anwender mag mehr hinhören, warum er gerade dieses Mal bei der SAP kaufen soll. Recht haben die kritischen Stimmen wohl auch, wenn sie – mit Blick auf den hiesigen Markt – zweifeln, dass die Mittelständler reif sind, für das schon als Application Software Providing (ASP) gestrandete , inzwischen unter der moderneren Bezeichnung Software as a Servive (SaaS) dahin dümpelnde und nun in Anlehnung an IBMs Outsourcing-Slogan als Software on Demand wiederbelebte Vertriebskonzept. Obwohl inzwischen immer mehr ERP-Anbieter ASP auf höchst flexible Weise anbieten, scheitert das Konzept regelmäßig an der geradlinigen Haltung gestandener Unternehmer, die möchten, dass ihnen die Software gehört, die sie nutzen.

Tatsächlich lässt sich ein hiesiger Mittelständler erfahrungsgemäß erst dann auf größere Investitionen ein, wenn er den Partner kennt und vertraut. Außerdem erwartet er mit dem Lieferanten von Gleich zu Gleich verhandeln zu können. Auf keine dieser Befindlichkeiten geht „Business by Design“ ein. Alles spricht dafür, dass die SAP weiterhin auf der bisherigen Ignoranz besteht, die sich in immer neuen Mittelstandsdefinitionen aus Walldorf äußerte. Dieses Verhalten von oben herab hat schon bislang das Mittelstandsgeschäft massiv behindert. Da hilft es wenig, dass die Firma fast schon penetrant oft wiederholt, man habe verstanden, dass im Mittelstand manche Mitarbeiter mehrere Rollen übernehmen müssten.

Zwiespältig klingt auch das Angebot, die Software-Funktionen vor einer Kaufentscheidung mit hauseigenen Life-Daten testen zu dürfen. Testen ist ja ganz schön, kostenlos auch, aber dafür Daten aus dem Haus zu geben …? Ob das sicher ist? Auf derartiges Misstrauen stößt die SAP insbesondere bei deutschen Mittelständlern. Und hier liegt möglicherweise der tiefere Grund dafür, dass Business by Design in New York vorgestellt wurde, wo auch prompt der Aktienkurs anzog.

Themenseiten: Analysen & Kommentare, IT-Business, Mittelstand, SAP

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