Ein Element aus dem HTML-Gruselzoo: der Marquee-Tag

Mit Laufbändern taucht ein tot geglaubtes HTML-Element heute vereinzelt wieder auf. Was bringt der Marquee-Tag, wie nutzt man ihn - und warum sollte man genau das eigentlich auf keinen Fall tun?

Beim Design von Webseiten entspringen den Entwicklern hin und wieder so manch kuriose Ideen. Abgesehen von Sinn und Zweck dieser auf der Homepage integrierten Elemente lässt sich auch die Ästhetik oft nicht ertragen. Der Marquee-Tag für tickerartige Lauftexte ist ein bevorzugtes Ziel von Hass und Spott.

<marquee>Der Marquee-Tag</marquee>

Der Marquee-Tag

Gab es je eine gute Verwendungsmöglichkeit für diesen Lauftext-Tag? Er hört nie auf weiterzulaufen. Er bewegt sich nie mit einer Geschwindigkeit, die zum Lesen geeignet wäre, und er zieht unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich. Er ist die Paris Hilton der HTML-Elemente. Offen gesagt ist es gut, dass er ausgestorben ist. Wenigstens sollte er das sein.

Aber wo hat all dieser Ärger seinen Ursprung? Am besten verschafft man sich selbst ein Bild. Im Folgenden geht es darum, wie ein Web-Entwickler aus einem ohnehin schon lästigen Element einen richtigen Plagegeist machen kann.

Laufrichtung

Wer glaubte, dass Lauftexte nur auf eine Art gelesen werden können, hat Unrecht. Damit es noch länger dauert, bis die Buchstaben zu entziffern sind, kann man die Laufrichtung umkehren und damit auch auf Arabisch nerven.

Der voreingestellte Wert ist left. Umkehren bedeutete hier also, die Richtungseigenschaft auf right zu setzen. Left und right beziehen sich auf die Richtung, in die der Text läuft.

Der Marquee-Tag

Warum hier aufhören, wenn beides zu haben ist? Dazu muss man sich dem Attribut Behavior zuwenden.

Das Behavior-Attribut

Wird dem Attribut Behavior der Wert alternate zugewiesen, ist der Text im Wechsel links- und rechtsläufig. Doch das ist noch nicht alles: Mit dem Wert slide läuft der Text von einer Seite ins Bild und stoppt, sobald er die andere Seite erreicht. Der voreingestellte Wert für das Attribut Behavior war scroll. Wer hätte das gedacht?

Das Loop-Attribut

Wer seinen Lesern nur kurz auf die Nerven gehen will, kann die Anzahl der Wiederholungen begrenzen, indem dem Attribut Loop ein numerischer Wert zugewiesen wird. Es ist natürlich fraglich, ob der Leser so lange auf der Seite bleibt.

Nach der festgelegten Zahl an Wiederholungen hält der Lauftext an. Je nach eingestellter Behavior verschwindet er (behavior=“scroll“) oder bleibt da (behavior=“slide“).

Wer jedoch sicherstellen will, dass der Lauftext auf ewig nervt, kann Loop mit dem Wert „-1“ versehen. Bei Mozilla-Browsern ist das die irreversible Voreinstellung.

Der Marquee-Tag

Effekt-Veränderungen

Zur Anpassung an die Gestalltungsbedürfnisse stehen scrolldelay und scrollamount zur Verfügung. Scrolldelay gibt die Zeit bis zur Aktualisierung des Lauftexts in Millisekunden an. Scrollamount legt die Anzahl an Pixeln fest, die bewegt werden soll, wenn der Text läuft. Mit einer guten Zahlenkombination kann der Lästigkeitsfaktor kräftig erhöht werden.

Der Marquee-Tag

Er ist nicht totzukriegen

Gerade als man glaubte, im Internet wieder sicher vor Laufbändern zu sein, tauchte der Marquee-Tag als Zombie in der CSS2-Spezifikation wieder auf.

Das Grauen kehrt zurück, sobald Browser das Folgende korrekt wiedergeben können:


<style>
p { overflow: scroll;
white-space: nowrap;
marquee: slide infinite }
</style>

Man kann nur hoffen, dass die Browser-Entwickler über ausreichend Sinn für Ästhetik verfügen, um die Rückkehr des Lauftexts zu verhindern. Aber andererseits – was soll’s? Die Myspace-Kids werden vom Marquee-Tag begeistert sein.

Themenseiten: Anwendungsentwicklung, Software

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
Content Loading ...
Whitepaper

ZDNet für mobile Geräte
ZDNet-App für Android herunterladen Lesen Sie ZDNet-Artikel in Google Currents ZDNet-App für iOS

Artikel empfehlen:

Neueste Kommentare 

1 Kommentar zu Ein Element aus dem HTML-Gruselzoo: der Marquee-Tag

Kommentar hinzufügen
  • Am 20. August 2010 um 14:52 von Marcel Bernard

    marquee direction
    "[…]Der voreingestellte Wert ist left. Umkehren bedeutete hier also, die Richtungseigenschaft auf right zu setzen. Left und right beziehen sich auf die Richtung, in die der Text läuft.[…]"

    Hey Chris, Du hast hier noch einen nicht zu vernachlässigenden Nervfaktor übersehen bei dem Attribut "direction", und zwar direction="up" und direction="down". Und dazu geht das ganze sogar mit Bildern, GRÖHL^^

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *