Skype: Open Source zu gefährlich

CEO Zennström will werbebasiertes Geschäftsmodell ausbauen

Skype kann sich derzeit nicht vorstellen, seinen Software-Code in Open Source umzuwandeln. „Das ist keine prinzipielle Sache. Aber wenn wir den Code offen legen, werden wir ein viel leichteres Ziel von Spam- und Phishing-Attacken“, sagte Skype-CEO Niklas Zennström am gestrigen Dienstagabend vor Journalisten in Tallinn, wo die Hauptentwicklung der Software stattfindet. Gleichzeitig betonte Zennström, dass Skype immer wieder auch auf Open-Source-Code für bestimmte Teile seiner Software zurückgreife, diesen weiterentwickle und der Open-Source-Gemeinde wieder zur Verfügung stelle.

Die Begründung Zennströms, dass ein propietärer Code für das Kommunikationsprotokoll sicherer sei, ist nicht unbestritten. So war Skype wiederholt kritisiert worden, nicht auf das offene Protokoll Session Initiation Protocol (SIP) zu setzen und an seinem eigenen Standard festzuhalten, der von Sicherheitsanbietern nicht geschützt werden kann. Skype hat dem immer entgegengehalten, dass sein eigenes Protokoll noch nie geknackt worden sei. Entwickler-Chef Ott Kaukver wollte eine Offenlegung des Codes im Gegensatz zu Zennström allerdings nicht komplett ausschließen: „Wir schauen uns jetzt einmal an, wie sich die Standards weiterentwickeln.“

Zennström gab auch Einblick in die zukünftige strategische Ausrichtung der Kommunikationsplattform. Neben dem weiteren Ausbau der Userzahlen, die Skype mit aktuell 220 Millionen beziffert, setzt das Unternehmen in Zukunft verstärkt auf werbebasierte Geschäftsmodelle. Zennström verwies in diesem Zusammenhang auf das kürzlich gestartete Skype Find, das als Gelbe-Seiten-Verzeichnis mit Wiki-Charakter geplant ist. In diesem finden sich derzeit rund 200.000 Geschäftseinträge, die von Dienstleistungen bis Restaurant-Tipps reichen und derzeit großteils von bestehenden Skype-Usern vorgeschlagen werden. Verdienen will Skype aber in erster Line nicht an den Einschaltungen selbst, sondern an den gekoppelten Skype-Out- und Skype-In-Telefonfunktionen. Klickt der User in Skype Find auf die verzeichnete Telefonnummer, wählt Skype über das kostenpflichtige Skype-Out-Angebot die Nummer an.

Die durch Skype geschaffene Konkurrenzsituation mit Telekommunikationsanbietern sieht Zennström hingegen als nicht gegeben. Er sagte: „Wir waren und sind Verbündete. Immerhin sind wir von der Infrastruktur der Telcos abhängig.“

Themenseiten: Skype, Telekommunikation, VoIP

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1 Kommentar zu Skype: Open Source zu gefährlich

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  • Am 25. Juli 2007 um 22:37 von Rumble

    Witzlos
    Man möchte nicht das Opfer von Spam-Attacken setzen – aber das werbebasierte modell ausbauen.

    Das heißt für den Anwender nur, das der Werbemüll aus einer anderen Ecke kommt – sonst nichts.

    Die Aussage "Noch nie geknackt" halte ich für ziemlich fahrlässig. Ob der Code geknackt wurde, weis man nicht unbedingt – es kann ihn auch jemand genkackt haben und für durchaus subtielere zwecke als einen offenen Spamangriff misbrauchen.

    Im Übrigen ist der "Unknackbar" Aussage seitens eines Eigentümers/Entwicklers immer mit einiger Vorsicht zu begegnen. All zuoft waren die Leute von ihren eigenen Möglichkeiten etwas zu überzeugt.

    Rumble

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