Gefahr für das Internet: Mozilla warnt vor Microsoft

Im Interview mit ZDNet erklärt der Firefox-Initiator Mike Shaver seine Aversion gegen Microsoft, Adobe und Sun. Google mag er dafür umso lieber. Ein Gespräch mit einem bekennenden Gutmenschen.

ZDNet: Herr Shaver, Sie sind einer der Mozilla-Gründer. Wie war das 1998?

Shaver: Ich war damals bei Netscape angestellt und hatte bereits ein Faible für Open Source. Als Netscape dann beschloss, den Mozilla-Quellcode freizugeben, wurde ich mit dem Herstellen von Verbindungen zur Community beauftragt. Mit etwas Glück war ich schließlich in alle möglichen Sachen wie den Code selbst, das Lizenzmodell, die Strategie und den Aufbau der internationalen Community verstrickt.

ZDNet: Damals müssen Sie noch sehr jung gewesen sein…

Shaver: Ja, damals war ich 20. Ich bin sehr froh darüber, etwas gefunden zu haben, das meinem Arbeitsleben Sinn gibt.

ZDNet: In früheren Gesprächen haben Sie immer wieder betont, wie wichtig für Sie und die Mozilla-Foundation das Open Web ist. Können Sie Ihre Beweggründe näher darlegen?

Shaver: Das Open Web ist aus zwei Gründen so wichtig für mich: Zum einen halte ich es für eine der größten Errungenschaften der Menschheit überhaupt. Das können Sie meiner Meinung nach nur mit der Entwicklung der Druckerpresse vergleichen, nur dass diesmal viele Entwickler beteiligt waren, nicht nur einer. Gutenberg hat alles alleine gemacht. Das Open Web geht aber über den Buchdruck hinaus, weil es so viele verschiedene Dinge beinhaltet: Mathematik, Kunst, Architektur, Kultur an sich, und das Ganze wird mit Konversation und Kommunikation durchzogen.

Ich glaube, wir haben noch gar nicht ausgelotet, was das Web uns alles bieten kann, welche Möglichkeiten uns damit offenstehen. Gerade wir in der westlichen Welt nehmen das Netz als Selbstverständlichkeit hin, dabei wissen wir noch gar nichts von seinem Potenzial. Dafür müssen wir es aber offen halten, das liegt mir am Herzen, aber auch der gesamten Mozilla Foundation. Nur wenn es offen ist, können sich Menschen dort messen, austauschen, treffen. Das alles ist in Gefahr wenn Leute damit anfangen, ihre Anwendungen in geschlossenen Bereichen anzubieten.

ZDNet: Sprechen Sie jetzt gerade konkret von Microsoft und Adobe?

Shaver: Ja, und zu einem gewissen Grad auch von Sun. Sie haben da Sachen in Javascript eingebaut… Suns Java FX, eine neue Sammlung von javabasierten Lösungen für Rich Internet Applications, verhält sich ganz ähnlich wie Silverlight von Microsoft oder Apollo beziehungsweise Air von Adobe.

Dabei handelt es sich bestimmt um keine schlechte Software, aber ich befürchte, dass sie wichtige Technologien zentralisiert. Nehmen Sie das Beispiel Südkorea: Dort wurde eine Internet- und Sicherheits-Infrastruktur auf Basis von ActiveX aufgebaut. Dadurch sind Sie zum einen gezwungen, mit einem Windows-Betriebssystem ins Netz zu gehen, sobald Sie Online-Banking oder Behördengänge erledigen wollen. Zum anderen sind Sie natürlich auf einen bestimmten Browser festgelegt. Das hat sich gerächt: Der Internet Explorer 7 wurde zunächst ausschließlich auf Englisch freigegeben. Koreanisch kam erst sehr viel später.

Und noch viel schlimmer: Da in Windows Vista nur der IE7 angeboten wird, können die Koreaner nur eingeschränkt und manchmal gar nicht ins Internet gehen. Weil Südkorea sich euf eine Software-Monokultur eingelassen hat, befindet es sich nun in einer unbequemen Situation – das wird das Land eine Stange Geld kosten.

Themenseiten: IT-Business, Mozilla Organization, Open Source, Strategien

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1 Kommentar zu Gefahr für das Internet: Mozilla warnt vor Microsoft

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  • Am 27. Juli 2007 um 18:48 von hdn

    Ein bisschen naiv ist ja schön…
    … aber so naiv wie Mr. Shaver und sein Interviewer ist schon schwer zu ertragen. Fakt ist jedenfalls, dass es keine Firma mit strengerem ‚closed shop‘ Denken gibt als Google. Was Google mit den Nutzerdaten tut, wie sie die Verhaltensdaten von Google Usern zur Generierung von Werbeeinnahmen nutzen, soll niemanden etwas angehen, schon gar nicht den User selbst. Dazu dürfte sich Mr. Shaver ruhig auch kritisch äußern statt nur Dankadressen an Google abzustatten. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing, das stimmt in der Open Source community nämlich genauso wie überall sonst. Und deswegen gibts da auch keine Gutmenschen, sondern lediglich die gelebte Erkenntnis, dass man derzeit gegen MS & Co in den meisten Märkten keine Software mehr verkaufen kann.
    Daraus eine Religion zu machen, ist natürlich Unsinn. Sobald es die Möglichkeit gibt, in einem Markt mit einer "Extended Version" Lizenzgeld zu machen, ist Schluss mit kostenlos, die Beispiele dafür gibt es längst. Jede der etablierten Open Source Firmen würde auf exakt die gleiche Art und Weise Geld machen wie MS & Co, wenn sie es nur schon könnte. Glaubhafte Unterschiede sehe ich allenfalls in der Einstellung zu Software Patenten, aber wer weiß, ob das nicht sogar das eine Illusion ist.

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